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Bisphosphonate: Osteoporose-Medikament gegen Krebs

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Ein Osteoporose-Medikament könnte vor Krebs – wie der Brust und der Lunge – schützen, gängige Bisphosphonate können EGF-Rezeptoren blockieren.

Das am häufigsten eingesetzte Osteoporose-Medikament – die sogenannten Bisphosphonate – könnten vor bestimmten Arten von Krebs schützen. Und zwar könnte das beispielsweise nbei Brust-, Lungen- und Darmkrebs der Fall sein. Zu diesem Schluss kamen unlängst Wissenschafter der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York im Zuge zweier Studien.

Bereits in früheren Studien wurde ein Zusammenhang zwischen Bisphosphonaten und einer Verlangsamung des Krebs-Wachstums festgestellt. Allerdings war dies nicht bei allen Patienten der Fall und die dafür verantwortlichen Mechanismen unbekannt. In den soeben publizierten Studien, zeigte ein internationales Forschungsteam, dass Bisphosphonate abnormale Wachstumssignale, die durch epidermale Wachstumsfaktor (EGF) Rezeptoren geleitet werden, blockieren.

Darunter auch jene Formen dieser Proteinfamilie, die manche Tumore gegenüber führenden Therapien resistent werden lassen. Die Verbindung zwischen Bisphosphonaten und EGF-Rezeptoren wurde erstmals in einer genetischen Datenbank Analyse entdeckt und anschließend in Mausstudien bestätigt.

Aktuelle Erkenntnisse zu Bisphosphonaten zur Vorbeugung und Behandlung von Krebs

Bisphosphonate sind die Behandlung der ersten Wahl bei metastasiertem Knochenkrebs, bei Knochenmetastasen. Kürzlich haben Forscher wieder neue Datendazu  veröffentlicht. Diese darauf hindeuten, dass selbst eine sehr niedere Dosierung eines Bisphosphonats mit starker Affinität zum Skelett und kurzer Plasma-Halbwertszeit das Risiko für Krebs und die Mortalität insgesamt erheblich senken kann.

Im Grunde genommen können Bisphosphonate das Gesamtüberleben bei Patienten mit KRAS-Mutation erhöhen. Weiter können Bisphosphonate beispielsweise nachweislich das Risiko eines erneuten Auftretens und der Mortalität bei PatientInnen mit invasivem Brustkrebs.

Die orale Anwendung von Bisphosphonat scheint allerdings nicht mit einem erhöhten oder verringerten Risiko für Krebs im Magen-Darm-Trakt verbunden zu sein, wie eine große koreanische Studie vermuten lässt.

Die Osteoporose Medikamente Bisphosphonate zur Therapie von Krebs

Im Grunde genommen deckte die eingangs zitierte Analyse deckte einen neuen Mechanismus auf. Dieser macht den Einsatz von Bisphosphonaten zur Behandlung und Vorbeugung jener Lungen-, Brust- sowie Darmkarzinome, deren Krebs-Wachstum mit dem EGF-Rezeptor zusammenhängen, sehr vielversprechend.

Die bereits vorhandenen Daten sollten dazu führen, dass Bisphosphonate rasch zur Vorbeugung und Behandlung von Krebs zum Einsatz kommen. Dafür bedarf es nun klinischer Studien, die die Wirksamkeit dieser Substanzgruppe auch in Hinblick auf die Reduktion des Tumorwachstums bestätigt.

Von den beiden Publikationen lieferte jedenfalls eine den Beweis dafür, dass Bisphosphonate in der Lage sind, pathologische Wachstumssignale durch die EGF-Rezeptor-Familie zu blockieren. Die zweite Arbeit hingegen untersuchte die potenziellen Anwendungsgebiete dieses Mechanismus. Beispielsweise Bisphosphonate in der Vorbeugung von Krebs. Und zwar in Kombinationen mit bestehenden Therapien sowie in der Behandlung Medikamenten-resistenter Tumore.


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