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Humane Herpesvirus 6 (HHV-6) im Liquor nachweisbar

Lesezeit: 2 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Der Humane Herpesvirus 6 (HHV-6) befällt Menschen stets bereits in der frühen Kindheit. Er ist aber auch häufig bei älteren Patienten nachweisbar.

Zur Abklärung infektionsbedingter ZNS-Erkrankungen werden zunehmend Multiplex-PCR Methoden für den gleichzeitigen Nachweis einer Reihe von Viren, Bakterien und Pilze eingesetzt. Dies erlaubt eine schnelle, sensitive und spezifische Erregerdiagnostik. Allerdings ist bei der Interpretation positiver PCR-Ergebnisse kritisch zu beurteilen, ob der nachgewiesene Erreger tatsächlich ursächlich für die vorliegende Erkrankung ist. Dazu passt der Fallbericht über eine 20 jährige Patientin. Sie kam wegen Fieber, starken Kopfschmerzen, Tremor sowie Gangunsicherheit mit dem Verdacht auf eine Meningoenzephalitis ins Krankenhaus. Im Liquor wurde das humane Herpesvirus 6 (HHV-6) nachgewiesen. Andere Erreger konnten nicht gefunden werden.


Enzephalitis durch das humane Herpesvirus 6

Aufgrund der hohen HHV-6 Viruslast mit 2,3 x 105 Kopien pro ml Liquor wurde eine HHV-6 Enzephalitis diagnostiziert und eine antivirale Therapie mit Ganciclovir begonnen. Die ZNS-Symptomatik der Patientin verbesserte sich erfreulicherweise schnell. Eine Kontrollpunktion nach 2 Wochen zeigte eine stark reduzierte Viruslast im Liquor mit 430 Kopien / ml, was als therapeutisches Ansprechen interpretiert wurde.

Die Erstinfektion mit HHV-6 erfolgt stets in der frühen Kindheit und führt zum Drei-Tage-Fieber, Exanthema subitum. Bei der primären Infektion kann bei einem kleinen Prozentsatz der Kinder auch eine Enzephalitis auftreten, weswegen der Nachweis von HHV-6 in den meisten Multiplex-PCR-Panels zur Diagnostik von Meningitis und Enzephalitis enthalten ist.

Das humane Herpesvirus 6 ist aber auch häufig bei älteren Patienten nachweisbar. So war HHV-6 in einer rezenten Studie im Frontiers in Neurology (2019 Mar 26; 10: 281) der häufigste im Liquor nachgewiesene Erreger, in 13 (1,8%) von 705 untersuchten Proben. Dennoch wurde HHV-6 von den Autoren in 10 der 13 Fälle als klinisch nicht relevant eingestuft.

HHV-6 im Genom

Der wichtigste Grund, warum der Nachweis von HHV-6 nicht als kausal für die ZNS-Symptomatik eingestuft wird, ist, dass HHV-6 im Genom integriert vorliegen kann. Ein chromosomal integriertes HHV-6 (ciHHV-6) findet man bei 1 bis 2% der Bevölkerung. Und daher würde man 7 bis 14 Fälle in der oben erwähnten Studie bei 705 untersuchten Liquor Proben erwarten. Das ciHHV-6 wird vererbt und ist in allen Körperzellen nachweisbar. Somit sind alle klinischen Untersuchungsmaterialien die Zellen enthalten oder aber auch genomische DNA HHV-6 positiv.

Auch bei der Patientin mit einer Meningoenzephalitis konnte eine chromosomale Integration des HHV-6 nachgewiesen werden. Die Dynamik der HHV-6 Viruslasten im Liquor von 105 auf 430 Kopien/ml erklärt sich aus der Reduktion der Zellzahl im Liquor von 200 auf kleiner als 4 Zellen/μl. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Meningoenzephalitis und HHV-6 ist unwahrscheinlich. Und deswegen ist auch die Bedeutung der durchgeführten antiviralen Therapie zu hinterfragen. Bisher gibt es keine gesicherte Evidenz dafür, dass Menschen mit einem chromosomal integrierten HHV-6 ein höheres Risiko für eine bestimmte Erkrankung hätten.

Herpesviren bleiben nach der Erstinfektion latent im Menschen

Ein weiterer Grund für den häufig nicht klinisch relevanten Nachweis von HHV-6 liegt in der Natur der Herpesviren, die nach der primären Infektion persistent oder latent im Menschen verbleiben. Auch beim Gesunden kann HHV-6 immer wieder in geringen Konzentrationen vor allem im Speichel sowie Blut nachgewiesen werden. Zusätzlich nimmt man an, dass das HHV-6 in den latent infizierten Blutzellen bei entzündlichen Prozessen reaktivieren kann und damit in geringen Mengen nachweisbar wird.


PCR-Test kritisch hinterfragen

Die klinische Bedeutung des Nachweises von HHV-6 mittels PCR-Tests sollte daher immer kritisch hinterfragt werden und nicht von der Suche nach anderen Ursachen für das Krankheitsgeschehen ablenken. Wenn auch eine aktive Infektion des HHV-6 nicht sicher ausgeschlossen werden kann, sind beim Einsatz einer antiviralen Therapie mögliche Nebenwirkungen stärker zu bedenken. In jedem Fall sollte auf eine chromosomale Integration des HHV-6 hin untersucht werden. Einen Hinweis bekommt man, wenn die HHV-6 Viruslast mit der Zellzahl einer Untersuchungsprobe korreliert. Der Nachweis von HHV-6 in Körperzellen, die mit dem Krankheitsgeschehen nicht in Zusammenhang stehen, wie zum Beispiel in Haarwurzeln der Patienten, dient zur Bestätigung einer chromosomalen Integration des HHV-6.

logo-virusepidemiologische-informationenQuelle:

VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 20/19-5. Prof. Dr. Stephan Aberle. Department für Virologie der Med. Universität Wien.


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