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XLH (X-chromosomale Hypophosphatämie)

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: Kyowa Kirin

XLH (X-chromosomale Hypophosphatämie) ist die häufigste seltene metabolische Knochenerkrankung, die sich bei Kindern und Erwachsenen unterschiedlich manifestiert. Sehen Sie hier die wichtigsten Alarmzeichen und Tipps zur Diagnose der XLH (auch als Phosphatdiabetes bekannt).

Was ist XLH?

Phosphatdiabetes (X-chromosomale Hypophosphatämie, XLH) stellt mit einer Prävalenz von geschätzt 1:20.000 den häufigsten Vertreter der erblichen, seltenen, metabolischen Knochenerkrankungen dar(1). Ursache für XLH ist eine Mutation des PHEX-Gens (phosphate-regulating endopeptidase homolog, X-linked), welche X-chromosomal dominant vererbt wird. Bei etwa 20 – 30 % der Betroffenen ist die Erkrankung auf eine Spontanmutation zurückzuführen d.h. ohne positive Familienanamnese (1, 2).


Pathophysiologie der XLH

Die Mutation auf dem PHEX-Gen führt zu einer Störung der Metabolisierung des FGF23. Dies führt über die Verminderung von Natrium-Phosphat Cotransportern in der apikalen Membran des proximalen Tubulus zu einer verminderten renalen Phosphat-Reabsorption und einer Hemmung der 1-α-Hydroxylierung und Aktivierung von Vitamin D. Alle Effekte in Summe resultieren in Phosphaturie, Hypophosphatämie und einer Mineralisierungsstörung des Knochens (3).

 

Abbildung 1: Pathophysiologischer Mechanismus von XLH. Erstellt nach Huang X 2013(4)

Der Phosphatmangel und die damit einhergehende gestörte Mineralisierung der Knochen sowie der Zähne hat einen lebenslangen Einfluss auf die Gesundheit der betroffenen Patienten (5-7). Im Kindes- und Jugendalter bestimmen Rachitis, Wachstumsstörungen, verringerte Wachstumsgeschwindigkeit und verbogene untere Extremitäten das Krankheitsbild (Abb. 2).

 

 

Abbildung 2: Charakteristische Merkmale der XLH Patienten. Abbildung erstellt nach Beck-Nielsen SS et al. 2019 (8)

An Beschwerden über die gesamte Lebenszeit der Patienten dominieren Gelenkschmerzen und -steifigkeit sowie Osteomalazie und extraossäre Kalzifizierungen und Enthesopathien (Abb. 2). Zudem treten häufig (Pseudo-) Frakturen und dentale Abszesse aufgrund einer gestörten Schmelz- und Dentin-Entwicklung der Zähne auf (8,9).


Diagnostischer Pfad

Eine frühe Diagnose ist die Voraussetzung für eine frühzeitige Therapie. Die Leitsymptome der Erkrankung werden meist zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat erkannt – in manchen Fällen erst im Erwachsenenalter. Insbesondere in den ersten Lebensjahren, in denen die Knochen das stärkste Wachstum erfahren, gilt es daher frühzeitig bei einem niedrigen Serumphosphatspiegel das mögliche Vorliegen einer XLH auszuschließen. Kleinwuchs mit breitbeinigem, watschelndem Gang und auch verspätetes freies Laufen sind erste Anhaltspunkte einer XLH (2,10).

 

 

Abbildung 3: Vier Säulen der Diagnose bei XLH. Vorgehen bei Verdacht auf XLH (10, 11) 

 

Die wesentlichen Säulen der Diagnostik bei XLH umfassen die Familienanamnese, die Erfassung der Krankheitszeichen und Symptome, radiologische Untersuchung sowie die Differentialdiagnose anhand von Laborparametern (Abb. 3) (10, 11).

 

 

Abbildung 4: Differentialdiagnose bei Hyperphosphatämie. Die Abbildung modifiziert nach Haffner D. 2019 (2)

 

Die Differenzialdiagnose (Abb. 4) wird anhand biochemischer Tests vollzogen, bei denen die Konzentrationen von Alkalischer Phosphatase sowie Calcium und Phosphat im Serum und Urin gemessen sowie die Serumwerte des Parathormons (PTH), von Calcidiol 25(OH)D und 1,25(OH)2D bestimmt werden (Tab. 1)(2, 12). Dabei sollen die altersabhängigen Laborparameter unbedingt beachtet werden. Bei Kindern bzw. Säuglingen ist die Serumkonzentration - mutmaßlich wachstumsbedingt - stark altersabhängig und liegt um etwa 30-50% über der von Erwachsenen (weitere Details für Fachkreise hier ).(13)

 

 

Tabelle 1:Charakteristische Merkmale der vererbten oder erworbenen Rachitis und/oder Osteomalazie (2)

 

Auch ein molekulargenetischer Nachweis zur Bestätigung der PHEX-Mutation oder das Messen von FGF23-Konzentrationen können hilfreich sein. Durch das biochemische Profil kann die XLH klar von anderen Knochenstoffwechselerkrankungen unterschieden werden (2).


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