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Wirksame Therapie gegen die diabetische Nephropathie

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Die diabetische Nephropathie ist eine fortgeschrittene Nierenerkrankung aufgrund eines seit Jahren bestehenden Diabetes mellitus – oft auch mit unzureichender Therapie.

Die Forschung sucht unentwegt nach neuen Möglichkeiten für eine wirksame Therapie gegen die diabetische Nephropathie. Diese soll dabei helfen, das Fortschreiten dieser diabetischen Nierenschädigung aufzuhalten und damit auch das erhöhte Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle unter den Diabetikern zu senken.

Die kardiovaskulären Risiken sind erheblich erhöht, wenn Diabetiker eine Nierenschädigung aufweisen. In frühen Stadien der Erkrankung helfen blutdrucksenkende Medikamente, die sich zudem protektiv (schützend) auf die Nierenfunktion auswirken. Hier kommen vor allem ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Antagonisten, die Sartane, zum Einsatz. Doch nur der Einsatz dieser Antihypertonika ist für eine angemessene Therapie der diabetischen Nephropathie zu wenig.

Erhöhte Blutzuckerwerte fördern Gefäßentzündungen

Hundertprozentig verhindert werden mit den heutigen Therapien die mit dem Diabetes einhergehenden Gefäßschäden jedoch nicht. Die im Blut transportierten kleinen Zuckermoleküle führen auf Dauer zu Gefäßschäden: insbesondere in den kleinen, blutversorgenden Adern, an den Augen, in den Extremitäten (vorrangig den Füßen) und nicht zuletzt in den kleinen Zellen (Podozyten), die das Blut in der Niere filtern.

Ein Grund: Die leicht, aber dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerte führen zu einer Aktivierung des Immunsystems und damit zu Entzündungen, die der Körper durch Bildung neuen Gewebes zu ersetzen versucht („Narbengewebe“). Leider ist dieses Ersatzgewebe schlechter als das Original. Es erfüllt seine Aufgabe, die Ausfilterung von Schadstoffen aus dem Blut, nicht mehr. Deshalb bleiben die mit der Nahrung aufgenommenen Gifte im Blut. Sie fördern die Gefäßentzündung und die gefäßverengende „Verkalkung“ (Arteriosklerose). Irgendwann behindern dann die Ablagerungen den Blutfluss. Es kommt unter anderem zum gefürchteten Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Wirkstoffe gegen diabetische Nephropathie sollen Nierenzellen vor Entzündungen schützen

Weltweit wird nach neuen Substanzen gesucht, die einen besseren Nierenschutz ermöglichen. Dabei stehen im Fokus die Vermeidung der Entzündungen, die zum Untergang der Nierenkörperchen, insbesondere spezieller Nierenzellen (Podozyten) und der Gefäßzellen (Endothelzellen). In Versuchen mit Labormäusen konnten beispielsweise Magdeburger Forscher nachweisen, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel durch Aktivierung genetischer Zell-Selbstmordprogramme (Apoptose) zu einem Absterben der Nierenkörperchens führt. Dabei zeigten Analysen neue Ansätze für eine effektive Therapie der diabetischen Nephropathie.

Therapie mit dem Antibiotikum Minocyclin bei diabetische Nephropathie

Unter den hoffnungsvollen Wirkstoffen ist auch das Antibiotikum Minocyclin, von dem man bereits aus anderen Studien wusste, dass es unter anderem den Zelltod von Nervenzellen verhindert. In Versuchen an Mäusen konnte nachgewiesen werden, dass Minocyclin auch in den Nieren den Zelltod stoppt.

Tauroursodeoxcholin

Ein weiterer identifizierter Wirkstoff gegen diabetische Nephropathie, ist das Gallensäurederivat Tauroursodeoxcholin (TUDCA). Diese Substanz ist in Großbritannien und anderen Ländern bereits als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und wird – außerhalb kontrollierter medizinischer Studien – auch zur Leistungssteigerung im Sport und zum Muskelaufbau im Body-Building eingesetzt.

Anakinra als Therapie gegen diabetische Nephropathie

Eine weitere Therapie-Option gegen diabetische Nephropathie ist der Einsatz von Anakinra. Dieses Biologikum setzt man seit mehreren Jahren zur Behandlung von entzündlich rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis ein. Hinsichtlich der molekularen Entzündungsprozesse gibt es einige Ähnlichkeiten: das betrifft den Entzündungsfaktor Interleukin-1-Beta, der sowohl das Entzündungsgeschehen bei der rheumatoiden Arthritis als auch eine diabetische Nephropathie fördert. Nachweislich können Anakinra dieses Entzündunsgeschehen blockieren.


Literatur:

Umanath K, Lewis JB. Update on Diabetic Nephropathy: Core Curriculum 2018. Am J Kidney Dis. 2018 Jun;71(6):884-895. doi: 10.1053/j.ajkd.2017.10.026. Epub 2018 Feb 3. PMID: 29398179.

Qi C, Mao X, Zhang Z, Wu H. Classification and Differential Diagnosis of Diabetic Nephropathy. J Diabetes Res. 2017;2017:8637138. doi: 10.1155/2017/8637138. Epub 2017 Feb 20. PMID: 28316995; PMCID: PMC5337846.


Quelle: Entzündungsschutz für Nierenkörperchen. Uwe Seidenfaden. Universitätsklinikum Magdeburg


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