Fachartikel

Multiple Sklerose: Siponimod bei MS gegen Progression

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Multiple Sklerose kann man mit Siponimod behandeln, denn der Wirkstoff zeigt Wirkung bei sekundär progredienter MS gegen das Fortschreiten der Erkrankung.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hatte Siponimod für Multiple Sklerose bereits im März 2019 zugelassen. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hatte schließlich im November empfohlen, Siponimod zur Behandlung bei sekundär progredienter MS auch in der EU zuzulassen. Experten erwarten deswegen die Zulassung in Kürze.


Multiple Sklerose mit Siponimod behandeln

Wissenschaftler konnten in einer Phase-III-Studie nachweisen, dass der Wirkstoff Siponimod geeignet ist, das Fortschreiten der sekundär progredienten Multiple Sklerose aufzuhalten.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische und entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem junge Erwachsene befällt. Menschen mit einem schubförmigen MS-Verlauf haben sehr gute Aussichten auf ein weiteres Leben ohne oder mit nur geringen Beeinträchtigungen. Und zwar wenn sie rasch nach den ersten Anzeichen der Krankheit diagnostiziert und konsequent mit den heute verfügbaren Medikamenten behandelt werden.

Nicht so ist es bei der sekundär progredienten Multiplen Sklerose, die bei der Mehrheit der Patienten nach durchschnittlich 15 bis 20 Jahren Krankheitsverlauf auftritt. Bei diesen Betroffenen schreitet die Behinderung (mit wenigen oder gar keinen Schüben) kontinuierlich fort. Und es existiert bisher keine Behandlung, welche eine Zunahme der Behinderung erwiesenermassen aufhalten kann.

Unlängst aber konnten Forscher eben erstmals für die Behandlung dieser Multiple Sklerose-Ausprägung die Wirksamkeit von Siponimod nachweisen. Ihre Untersuchungen zeigten, dass das Medikament das Fortschreiten der Krankheit aufhalten kann. Siponimod gehört zur Gruppe der S1P-Modulatoren und wird als Tablette verabreicht.


Zunahme der Behinderung tritt weniger häufig auf

Die kontrollierte Therapiestudie schloss in 31 Ländern 1645 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener sekundär progredienter MS ein. Es war die erste grosse klinische Studie, welche die Wirkung eines Medikaments auf die Zunahme der Behinderung bei MS-Betroffenen untersuchte. Und zwar in der sekundär progredienten Phase der MS. Das internationale Forschungsteam verglich dazu die Wirksamkeit von Siponimod mit einem Placebo.

Es zeigte sich, dass nach einer mittleren Behandlungsdauer von 18 Monaten mit Siponimod behandelte Patienten im Vergleich zu Placebo zwischen 21 und 26 Prozent weniger häufig eine bestätigte Behinderungsprogression erlitten. Auch die in der Magnetresonanztomografie gemessene Zahl der Krankheitsherde sowie die Abnahme des Hirnvolumens waren unter Siponimod signifikant geringer.

Insgesamt war Siponimod gut verträglich. Und der Wirkstoff zeigte ähnliche Nebenwirkungen wie der bereits für die Behandlung der schubförmig verlaufenden MS zugelassener S1P-Modulator Fingolimod.

Besonders bemerkenswert war am Studienergebnis, dass die Mehrheit der Behandelten bereits länger an MS erkrankt (im Durchschnitt 16 bis 17 Jahre) war. Und schon bei Beginn der Behandlung deutlich behindert war. So war mehr als die Hälfte der Patienten bereits zu Beginn der Studie nicht in der Lage, ohne Hilfe zu gehen.



Literatur:

Ludwig Kappos, Amit Bar-Or, Bruce A C Cree, Robert J Fox, Gavin Giovannoni, Ralf Gold, Patrick Vermersch. Douglas L Arnold, Sophie Arnould, Tatiana Scherz, Christian Wolf, Erik Wallström, Frank Dahlke, for the EXPAND Clinical Investigators; Siponimod versus placebo in secondary progressive multiple sclerosis (EXPAND): a double-blind, randomised, phase 3 study, The Lancet (2018), doi: 10.1016/S0140-6736(18)30475-6


Bildquellen & Copyright

Pixabaybild_von_Gerd_Altmann_nerves-3875437


Ganzen Artikel lesen
Diese Seite benutzt Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu. Weitere Informationen Ablehnen Akzeptieren