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DAS DIABETISCHE FUßSYNDROM

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: VNDN

Die spezialisierte Behandlung

eines diabetischen Fußsyndroms in einer zertifizierten Fußambulanz ist bei allen Diabetespatienten essentiell. Die Hälfte der Fußamputationen ließe sich so verhindern.

 

Jede Verletzungen oder spontan auftretende Wunde an den Füßen ist eine bei Menschen mit Diabetes
 schwerwiegende und mit fortschreitender Krankheit
 häufiger werdende, oft chronisch rezidivierende
 Komplikation. Jeder dritte Mensch mit Diabetes erleidet im Laufe seines Lebens ein Fußulcus. Jährlich werden bundesweit etwa 50.000 nicht durch Unfälle bedingte Amputationen an der unteren Extremität vorgenommen. Etwa 70 Prozent davon sind Patienten mit Diabetes mellitus.

Die diabetologische Fußambulanz wurde als eine weitere Versorgungsebene in die Diabetesvereinbarung aufgenommen. In Niedersachsen sind aktuell knapp 80 Prozent der insgesamt 143 Diabetologischen Schwerpunktpraxen  entsprechend qualifiziert und als Diabetologische Fußambulanz anerkannt. 

 

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Um Amputationen der Extremitäten zu vermeiden, werden
 möglichst frühzeitig Maßnahmen gegen diabetesassoziierte Ulzerationen eingeleitet und koordiniert. Das Konzept zielt dabei auf die Prophylaxe und die frühzeitige Behandlung des diabetischen Fußsyndroms. Dafür werden sowohl die  im  Rahmen  der  Fußambulanz  tätigen Diabetologen  als  auch  die  nichtärztlichen  Wundfachkräfte speziell geschult und regelmäßig fortgebildet.

Ursache für Fußulcera ist in erster Linie die diabetische
Polyneuropathie (PNP). Folge ist eine trockene und
 weniger widerstandsfähige Haut sowie das Auftreten von Fußdeformitäten. Verletzungen werden oft ausgelöst durch Druck und Scherkräfte bei ungeeignetem oder zu engem Schuhwerk, aber auch durch unbemerkte Läsionen beim Barfußlaufen.

Eine häufig nicht erkannte, bei Polyneuropathie oft schmerzfrei verlaufende Komplikation ist die pAVK der betroffenen Extremität. Diese verzögert oder verhindert die Wundheilung und führt im Extremfall zur Gangrän. Neben dem dann oft nicht zu umgehenden Verlust von Zehen, ganzer Fußteile oder der Extremität drohen zudem Sepsis und eine Excessmortalität. Schon kleinere Hautrisse können schnell zu schwerwiegenden Infektionen führen, sich zu tiefen Wunden ausweiten und zum Verlust von  Zehen oder gar des ganzen Fußes führen, wenn eine konsequente Entlastung und fachgerechte Behandlung zu spät in Anspruch genommen wird.

Bei dem Befund eines diabetischen Fußsyndroms erfolgt die stadiengerechte Behandlung durch eine Erstversorgung und eine weitere regelmäßige Wundbehandlung – bei immobilen Patienten gegebenenfalls auch im häuslichen Bereich. Diese Versorgung beinhaltet zum Beispiel die Wunddokumentation mit Bildern, die regelmäßige Beurteilung und Säuberung der Wunde und die
 Verordnung von Verbandmitteln. Die frühzeitige, fachgerechte Behandlung auch bereits kleinster Läsionen in einem multidisziplinären Vorgehen kann etwa die Hälfte der bisherigen Amputationen vermeiden. Daneben ist eine optimale Stoffwechseleinstellung, eine Reperfusion bei pAVK, die Infektkontrolle und eine konsequente situationsadaptierte Druckentlastung essentiell.

Die zielgerichtete Diagnostik und Behandlung sollte dazu möglichst frühzeitig in einer hierfür zertifizierten diabetologische Schwerpunktpraxis koordiniert und durchgeführt werden.

Zur Prophylaxe des diabetischen Fußsyndroms sollten bei Diabetespatienten schon in frühen Stadien eine regelmäßige Inspektion der Füße und des Schuhwerks, ggf. die fachkundige Verordnung geeigneter Hilfsmittel und eine indikationsbezogene verordnete podologische Mitbehandlung erfolgen.

Die niedersächsischen Diabetespraxen sind hierauf spezialisiert und helfen gern, Diabetespatienten mit Fußproblemen fachgerecht zu versorgen und zu behandeln.

 


Bildquellen & Copyright

Diabeteszentrum L1 - Dr. Lueg


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