Medizin & Wissenschaft

Wirksam gegen Krebs: Rotwein-Inhaltsstoff Resveratrol kann Krebsrisiko senken

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Laut rezenten Studien zu Krebs könnte das in Rotwein enthaltene Resveratrol mit seiner antioxidativen Wirkung das Krebsrisiko für Kopf-Hals-Tumore senken.

Kopf-Hals-Karzinome gelten weltweit als sechsthäufigste Krebserkrankung, wobei das Rauchen von Tabak als eine der Hauptursachen anzusehen ist. Potenziert wird das Risiko an Kopf-Hals-Krebs zu erkranken jedoch durch die Kombination von Rauchen und dem übermäßigen Konsum von Alkohol – insbesondere hochprozentigen Alkohols. Doch bei Wein scheint die Sache anders zu sein. Wirksam gegen Krebs könnte der bekannte Rotwein-Inhaltsstoff Resveratrol das Krebsrisiko zu senken. Resveratrol kommt die in großen Mengen in der Schale von Weintrauben beziehungsweise aber auch in anzutreffen ist, und zwar um.

Zu viel Alkohol verursacht Schäden

Alkohol bombardiert unsere Gene förmlich. Der Körper verfügt zwar über die notwendigen Mittel die dadurch verursachten Schäden zu reparieren, nimmt der Alkoholkonsum jedoch Überhand, kann es rasch zu einer Überforderung dieser zelleigenen Reparaturmechanismen kommen. Die Schäden sind irgendwann so ausgeprägt, dass die Zelle nicht mehr in der Lage ist, diese zu entsprechend auszumerzen.

Aus diesem Grund gilt exzessiver Alkoholkonsum als wesentlicher Risikofaktor für Hals-Kopf Krebs. Resveratrol agiert durch die Inangriffnahme jener Zellen, dessen Schädigung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. So werden Zellen mit irreversiblen DNA Schäden gezielt abgetötet, um ihre potenzielle Weiterentwicklung in Richtung einer, für den Körper bedrohlichen, Krebszelle zu verhindern.

„Alkohol schädigt die Zellen, hingegen tötet Resveratrol die geschädigte Zellen,“ erklärt Robert Sclafani, Wissenschafter am Universtiy of Colorado (CU) Cancer Center und Professor für Biochemie und molekulare Genetik an der CU School of Medicine.

Die Art des alkoholischen Getränks macht einen Unterschied

„Wird dem Körper zu viel Alkohol zugeführt, kann er rasch in den Rückstand geraten, wodurch es zu einer Ansammlung von Acetaldehyd kommt,“ erklärt Sclafani.

„Der erhöhte Konsum von Alkohol, der Verlust der Alkoholdehydrogenase, sowie der Verlust der Fähigkeit DNA Quervernetzungen zu reparieren, führen allesamt zu einer Steigerung des Krebsrisikos. Speziell hochprozentiger Alkohol kann enorme Schäden anrichten und durch die erhöhte Acetaldehyd-Produktion zu erhöhtem Kopf-Hals Krebsrisiko führen.“

Betrachtet man jedoch epidemiologische Studien von Kopf-Hals Krebs, beobachtet man, dass Alkohol zwar ein Risikofaktor ist, jedoch auch die Alkoholquelle eine Rolle spielt. Die geringste Krebsrate war bei jenen Menschen zu beobachten, die regelmäßig Rotwein konsumierten,“ so Sclafani.

„Denn in Rotwein befindet sich eine Substanz, die den krebserregenden Effekt von Alkohol blockiert”. Laut der kürzlich veröffentlichten Krebs-Studie heißt diese Substanz Resveratrol, die das Krebsrisiko somit senken kann.

Desto mehr man trinkt, desto mehr DNA Schäden sammeln sich an, desto höher ist die Chance, dass eine oder mehrere Zellen irreversible DNA Schäden ansammeln, die schlussendlich Krebs verursachen können. Resveratrol entfernt jene Zellen, mit den schwerwiegendsten Schäden, die die höchste Wahrscheinlichkeit aufweisen, Krebs zu verursachen.”

Resveratrol in Rotwein ist wirksam gegen Krebs und senkt das Krebsrisiko

Laut Sclafani, ist Resveratrol in Rotwein sowie weitere chemoprotektive Chemikalien in Trauenkernextrakt, zwar kein Wundermittel, das die Krebs erregenden Eigenschaften von Alkohol gänzlich auslöschen können. Aber durch die Abtötung der gefährlichsten Zellen kann Resveratrol zumindest das Krebsrisiko senken.

Weiterführende klinische Studien untersuchen nun die Fähigkeit von Resveratrol das Krebsrisiko für Darm- und Lebertumoren zu verringern. Zudem wollen Dr. Sclafanie und sein Kollege Dr. Rajesh Agarwal die Substanz Resveratrol in der Prävention und Behandlung von Kopf-Hals Krebs, sowie weiteren Krebsformen, testen.

Fanconi-Anämie ermöglicht Nachvollziehbarkeit von entstandenen DNA-Schäden

Unsere Informationen über die Fähigkeit von Alkohol, Krebs zu verursachen, kommt von der Untersuchung anderer Erkrankungen, darunter die sogenannte Fanconi-Anämie (FA), eine äußerst seltene Erkrankung, von der etwa 1 von 350.000 Babys betroffen sind. In unserer DNA kommt es natürlicherweise zu Ansammlungen von DNA Bündeln, so genannte Quervernetzungen oder „Cross-links“.

Gesunde Gene sind in der Lage diese zu reparieren bzw. sie wieder zu entwirren. FA-Patienten sind aufgrund eines Gendefekts nicht in der Lage, entstandene DNA Schäden zu reparieren, wodurch es zwangsläufig zu einer Ansammlung von DNA Schäden kommt. Folglich weisen FA-Patienten ein erhöhtes Krebsrisiko auf – darunter Leukämie aber auch Kopf-Hals Krebs.

„Wir lernen viel von Erbkrankheiten beziehungsweise genetischen Störungen, weil sie uns ermöglichen mit dem Finger auf ein einziges Gen zu zeigen und zu wissen, wofür es zuständig ist,“ erklärt Sclafani.

Genau genommen, ist der genetische Krebs-Beschleuniger von Fanconi-Anämie derselbe krebsverursachende Mechanismus wie auch bei Alkohol. In beiden Fällen ist der nur teilweise metabolisierte Alkohol die Ursache. Unser Körper verstoffwechselt Alkohol, indem er ihn zuerst in Acetaldehyd, und in weiterer Folge, durch das Enzym Alkoholdehydrogenase, in Essigsäure umwandelt.

Der nur partiell prozessierte Alkohol in Form von Acetaldehyd, wirkt krebserregend und verursacht Quervernetzungen in unserer DNA. Weil FA Patienten ihre durch Acetaldehyd verursachten DNA Schäden nicht reparieren können, haben sie ein noch größeres Krebsrisiko wenn auch noch das Enzym Alkoholdehydrogenase fehlt.


Literatur:

Shrotriya S, Agarwal R, Sclafani RA. A perspective on chemoprevention by resveratrol in head and neck squamous cell carcinoma. Adv Exp Med Biol. 2015;815:333-348. doi:10.1007/978-3-319-09614-8_19

Breuss JM, Atanasov AG, Uhrin P. Resveratrol and Its Effects on the Vascular System. Int J Mol Sci. 2019;20(7):1523. Published 2019 Mar 27. doi:10.3390/ijms20071523


Quellen:

http://www.coloradocancerblogs.org/study-red-wine-prevents-cancer/

DI Alexandra Springler. Wie Rotwein das Krebsrisiko senken könnte. MEDMIX online 2017.


Bildtext: Je mehr man trinkt, desto höher ist die Chance, dass eine oder mehrere Zellen irreversible DNA Schäden ansammeln, die schlussendlich Krebs verursachen können. Resveratrol entfernt jene Zellen, mit den schwerwiegendsten Schäden. © Igor Normann / shutterstock.com


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