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Rehabilitation Coronavirus: Reha nach Corona-Erkrankung COVID-19

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Reha nach Corona-Erkrankung: nach Abklingen der Infektion muss man die Weichen für die Rehabilitation nach der Coronavirus-Erkrankung COVID-19 stellen.

Hundertausende Menschen haben mittlerweile eine COVID-19-Erkrankung überstanden und gelten als genesen. Doch auch nach Abklingen der Infektion können die Lungenfunktion und körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sein. Wichtig in der Corona-Pandemie zu Nachsorge und Rehabilitation ist deswegen auch, dass solche nach wie vor beeinträchtigten, als genesen angesehene Covid-19-Patienten eine spezielle Reha nach ihrer Corona-Erkrankung bekommen. Dementsprechend ist auch nach der Akutphase der Coronavirus-Erkrankung eine fachkundige Nachsorge und Rehabilitation durch erfahrene Reha-Spezialisten notwendig.

Pneumologische Rehabilitation bei Patienten mit der Coronavirus-Erkrankung COVID-19

Der Zweck der Lungenrehabilitation, der pneumologischen Rehabilitation, bei COVID-19-Patienten besteht darin, die Symptome der Atemnot zu verbessern, Angstzustände zu lindern, Komplikationen zu verringern, Behinderungen zu minimieren, die Funktion zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern.

Die Rehabilitation während der akuten Behandlung von COVID-19 sollte sicher sein und kann Maßnahmen zu Ernährung, Atemwege, Körperhaltung, Clearance-Technik, Sauerstoffergänzung, Atemübungen, Dehnung, manuelle Therapie und körperliche Aktivität umfassen.

Angesichts der Möglichkeit einer langfristigen Behinderung sollte man bei allen COVID-19 hospitalisierten Patienten eine ambulante Lungenrehabilitation nach dem Krankenhausaufenthalt in Betracht gezogen werden. Eine pneumologische Rehabilitation kann aber durchaus bei Covid-19-Patienten notwendig sein, die zwar zuhause ihre Coronavirus-Erkrankung überstanden haben, aber weiterhin an Beeinträchtigungen leiden und daher eine Coropna-Reha benötigen.

Angesichts des Mangels an persönlicher Schutzausrüstung und des hohen Risikos einer nosokomialen Ausbreitung kann die Rehabilitation aber auch durch Telemedizin mit minimalem Kontakt erfolgen. Diese selbstüberwachte Rehabilitation sollte mit Hilfe der Telemedizin eingeleitet werden und gilt vor allem für leichte Erkrankungen mit milden Symptome ohne Manifestationen einer Lungenentzündung bei der Bildgebung.

Die Rehabilitation bei leichten Covid-19-Erkrankungen kann jedenfalls ambulant mit Telemedizin durchgeführt werden. Diese kann Aufklärung, körperliche Bewegung, Atemübungen, Aktivitätsberatung und Angstmanagement umfassen.

Britische Konsenserklärung für die Rehabilitation nach COVID-19

Unter dem Strich gehen beispielsweise britische Experten davon aus, dass 45% der aus dem Krankenhaus entlassenen Corona-Patienten Unterstützung durch das Gesundheitswesen und die Sozialfürsorge benötigen und 4% eine stationäre Rehabilitation nach ihrer Coronavirus-Erkrankung benötigen. Daher besteht ein klarer Bedarf an einer Planung der postakuten und chronischen Rehabilitation von Coronavirus-Patienten, die sich von COVID-19 erholen.

Eine rezente britische Konsenserklärung wurde unlängst von einem Expertengremium in den Bereichen Rehabilitation, Sport- und Bewegungsmedizin (SEM), Rheumatologie, Psychiatrie, Allgemeinmedizin, Psychologie und Schmerzmedizin vom Defense Medical Rehabilitation Centre in Stanford Hall, Großbritannien, erarbeitet. Sieben Teams bewerteten die Daten für die folgenden Bereiche im Zusammenhang mit den Anforderungen an die Rehabilitation für COVID-19-Patienten: Lungen-, Herz-, SEM-, psychologische, muskuloskelettale, Neurorehabilitation und allgemeine Medizin.

Folgende Reha-Empfehlungen zur pneumologischen Rehabilitation für Coronavirus-Patienten nach ihrer Covid-19-Erkrankung publizierten die britischen Experten:

Bei Coronavirus-Patienten nach COVID 19 sollte man bleibende Beeinträchtigungen der Atemwege in Betracht ziehen. Oft kommt es weiterhin zu Beeinträchtigungen und Funktionseinschränkungen, einschließlich, aber nicht ausschließlich, aufgrund einer verminderten Atemfunktion.

Abhängig vom Grad der Funktionsstörung, dem Atemversagen und dem körperlichen und geistigen Zustand des Patienten wird eine rechtzeitige Erstuntersuchung empfohlen.

Zunächst sollte ein Training mit geringer Intensität in Betracht gezogen werden, insbesondere bei Patienten, die eine Sauerstofftherapie benötigen, während gleichzeitig die Vitalfunktionen (Herzfrequenz, Pulsoximetrie und Blutdruck) überwacht werden. Eine allmähliche Zunahme der Bewegung sollte von den Symptomen abhängig sein.

Wer in Deutschland als genesen gilt

In den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) zur pneumologischen Rehabilitation nach COVID 19 beschreiben Experten der Fachgesellschaft beispielsweise die gesundheitlichen Folgen von COVID-19 und leitet daraus Reha-Maßnahmen für die Corona-Betroffenen nach einer Coronavirus-Infgektion ab.

Im Grunde genommen gelten laut Robert Koch-Institut jene Covid-19-Patienten als genesen, wer mindestens 48 Stunden keine Symptome wie Husten oder Fieber zeigt. Zudem müssen im Abstand von 24 Stunden zwei Rachenabstrichtests negativ ausfallen. Schließlich sollten auch die ersten Symptome mindestens zwei Wochen zurückliegen.

Doch auch wenn ein Patient die Erkrankung nach diesen Kriterien überstanden hat, benötigt er möglicherweise weitergehende medizinische Versorgung. Und zwar in Form einer pneumologischen Rehabilitation vor allem nach einer schweren Covid-19-Erkrankung.

Jedenfalls lassen manche CT-Bilder der Lungen von genesenen COVID-19-Patienten darauf schließen, dass die Erkrankten noch nicht wirklich gesund sind. Sondern als Folge der Infektion mehr oder weniger starke Lungenschäden aufweisen. Zudem vermutet man, dass in manchen Fällen auch nach Überwinden der Akutphase der Gasaustausch der Lunge langfristig beeinträchtigt sein kann. Dies könnte sogar auch Patienten betreffen, die im Krankenhaus keine Beatmung erhielten.

Intensive Reha nach der Corona-Erkrankung COVID-19

Unter dem Strich geht es in der pneumologischen Rehabilitation nach der Coronoavirus-Erkrankung Covid-19 zunächst darum, in Belastungstests herauszufinden, wie schwer die Lunge geschädigt und die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigt ist. Je nach Schwere der COVID-19-Erkrankung und der Dauer einer eventuellen künstlichen Beatmung werden unterschiedliche Reha-Maßnahmen nach einer Coronavirus-Infektion ergriffen, wobei diese bei schweren Verläufen eher einer fortgesetzten Akutversorgung als einer klassischen Rehabilitation ähneln können.

Jedenfalls sollte man Covid-19-Patienten, die eine intensive Rehabilitation brauchen, in einer spezialisierten Institution behandeln. Denn dann ist die Expertise erfahrener Pneumologen gefragt, um wichtige klinische Fragestellungen kompetent beantworten zu können. Insbesondere Patienten, die bereits vor der COVID-19-Erkrankung an einer chronischen Lungenerkrankungen gelitten haben, benötigen eine intensivere Reha. Und zwar brauchen diese Coronavirus-Patienten je nach vorliegendem Schweregrad eine besondere Expertise von der Rehabilitation-Klinik.

Auf neue Herausforderung strukturell vorbereiten

Die Rehabilitation von COVID-19-Patienten wird bei vielen Patienten überwiegend stationär ablaufen. Und zwar einerseits aufgrund fehlender ambulanter Einrichtungen. Und andererseits aufgrund der erforderlichen, permanenten internistisch-pneumologischen Überwachung der Patienten bedingt durch die Komplexität der Krankheitsfolgen. Aber auch die stationäre Rehabilitation gelingt nach wie vor nur eingeschränkt. Nach wie vor können nur wenige Covid-19-Patienten nach ihrer Coronavirus-Infektion betreut werden, weil die Reha-Versorgung viel Pflegepersonal bindet und hohen hygienischen Anforderungen unterliegt.


Literatur:

Wang TJ, Chau B, Lui M, Lam GT, Lin N, Humbert S. Physical Medicine and Rehabilitation and Pulmonary Rehabilitation for COVID-19. Am J Phys Med Rehabil. 2020 Sep;99(9):769-774. doi: 10.1097/PHM.0000000000001505. PMID: 32541352; PMCID: PMC7315835.

Barker-Davies RM, O’Sullivan O, Senaratne KPP, Baker P, Cranley M, Dharm-Datta S, Ellis H, Goodall D, Gough M, Lewis S, Norman J, Papadopoulou T, Roscoe D, Sherwood D, Turner P, Walker T, Mistlin A, Phillip R, Nicol AM, Bennett AN, Bahadur S. The Stanford Hall consensus statement for post-COVID-19 rehabilitation. Br J Sports Med. 2020 Aug;54(16):949-959. doi: 10.1136/bjsports-2020-102596. Epub 2020 May 31. PMID: 32475821; PMCID: PMC7418628.


Quellen:

Stanford Hall consensus statement

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. – www.pneumologie.de

Mayo Clinic Proceedings


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