Medizin & Wissenschaft

Essstörungen vor oder in der Schwangerschaft können das Kind gefährden

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Frühere oder bestehende Essstörungen in der Schwangerschaft können vor allem auch das Kind gefährden. Deswegen sind Aufklärung und Information sehr wichtig.

Essstörungen sind schwere psychische Erkrankungen, bei denen die Betroffenen meistens zuvor mit ihrem Körper beziehungsweise ihrem Gewicht nicht zufrieden sind. Vor allem Essstörungen vor und in der Schwangerschaft sind oft Tabuthemen, die Ärzte aktiv ansprechen müssen. Denn eine werdende Mutter muss wissen, dass noch bestehende, aber auch frühere Essstörungssymptome, für das Kind gesundheitliche Komplikationen bedeuten kann. Im Rahmen einer bestehenden Risikoschwangerschaft durch Essstörungen müssen die Mütter während und nach der Geburt betreut werden. Im Blickpunkt stehen die Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, eine Störung mit Essanfällen sowie nicht nähere bezeichnete Essstörungen. In den letzten zwanzig Jahren hat sich der neue Begriff Pregorexia etabliert. Er beschreibt das Phänomen von Essstörungen in der Schwangerschaft und deren Folgen für Mutter und Kind.

Essstörungen in der Schwangerschaft in der Anamnese erkennen

Heute gibt es viele wissenschaftliche Studien, die die negativen Auswirkungen von Essstörungen vor und in der Schwangerschaft sowie bei der Geburt und danach eindeutig belegen. Je nach Symptome und schwere der Essstörung erhöht sich das Risiko für den Verlauf der Schwangerschaft. Allerdings sind Essstörungen in der Schwangerschaft nach wie vor tabu und wird oft gar nie thematisiert. Hier können Ärztinnen und Ärzte (z.B. Allgemeinmediziner, Gynäkologen und Zahnmediziner) in der Anamnese mit den richtigen Fragen Klarheit schaffen.

Beispielsweise soll die Schwanger berichten, ob sie erbrechen muss, wenn sie sich unangenehm voll fühlt. Oder ob sie Angst hat, dass die Kontrolle über die Nahrung verliert. Wichtig ist auch die Analyse des Gewichts innerhalb der letzten 3 Monate. Denn eine Abnahme von über 7 Kilo deutet auf eine Essstörung hin.

Manche Betroffene meinen auch, dass Sie zu dick sind. Obwohl andere sagen, dass sie eher dünn sind. Problematisch ist es auch, wenn die Nahrungsaufnahme das Leben der Schwangeren bestimmt.
Unter dem Strich sollten Ärzte aber auch einfach die Frage stellen: „Haben Sie derzeit, oder hatten sie früher eine Essstörung?“

Symptome für Essstörungen

Typische Symptome für Essstörungen können ebenfalls auf mögliche Problem hinweisen. Dazu gehören allen voran persönliche Probleme damit, Gewicht zuzunehmen. Häufig kommt es auch zu einem unstillbaren Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum). Weitere Symptome sind niedriger Blutdruck (Hypotonie) und Temperatur (Hypothermie). Weiter Anämie, Elektrolytentgleisungen sowie Dehydration.

Positive und negative Auswirkungen auf das Essverhalten

Im Grunde genommen kann sich eine neue Schwangerschaft unterschiedlich auf das Essverhalten auswirken. So können die hormonelle Veränderung und der Zusammenhang von Schwangerschaft und Gewichtszunahme zu einem gestörten Essverhalten bei der werdenden Mutter führen.

Es können sich bestimmte Essvorlieben etablieren, oft kommt es auch zu Essanfällen. Das häufig Erbrechen in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft kann bestehen bleiben. Auch die zu starke Orientierung in Hinblick auf ausgewogene, gesunde Essen kann zu empfindlichen Einschränkungen und Essstörungen führen

Wenn allerdings bereits Essstörungen bestehen, kann sich in der Schwangerschaft auch eine Verbesserung der Symptome einstellen. Denn je mehr sich die betroffene Frau auf die Gesundheit ihres Kindes fokussiert, desto eher ernährt sich sich auch gesund. Das kann beispielsweise bei Bulimia nervosa zumeher vorteilhaft sein.

Bei Frauen mit Anorexia nervosa ist bekannt, dass sich bei ihnen nach dem Erreichen von Normalgewicht während der Schwangerschaft sich die medizinischen Komplikationen deutlich verringern. Wichtig ist, dass die betroffenen schwangeren Frauen darüber informiert werden, welche Bedeutung das Normalgewicht während der Schwangerschaft hat. Denn wenn die Mutter Normalgewicht ereicht, unterstützt das wesentlich die Gesundheit des Kindes.

Die geistige und körperliche Ausrichtung der werdenden Mutter auf das Kind ist wesentlich

Wenn die Frau die mütterliche Fürsorge in den Fokus rückt, so kann sie dann meistens auch ihre Essstörungen in der Schwangerschaft überwinden. Sie akzeptiert dann zum Wohle des Kindes, dass sie Gewicht zunimmt und beendet eine restriktive Ernährung. Zudem will sie nach dem Essen nicht mehr Erbrechen und verzichtet auch die Anwendung von Laxanzien beziehungsweise Diuretika.

Wenn für die werdende Mutter allerdings weiterhin die eigene Gewicht und ihr Figur eine hohen Stellenwert behält, so können die Symptome durch die Essstörungen weiterbestehen oder sogar ärger werden. Sie haben dann sogar Problem mit der natürlichen Gewichtszunahme im Kontext der Schwangerschaft von 11 bis 16 Kilogramm. Und das wollen sie dann sogar verhindern.

Unterstützung durch Arzt und Partner

Um diese Entwicklung vermeiden zu können, sollten Ärzte und die Partner der Schwangeren zusammenarbeiten. Wichtig ist auch allgemein das soziale Umfeld sowie bestehende Erkrankungen.
Frauen mit Essstörungen müssen darüber informiert werden, welche negativen Auswirkungen in der Schwangerschaft durch Essstörungssymptome auf den Embryo und die Schwangerschaft entstehen können. Das sind beispielsweise Wachstumsstörungen beim Fetus, eine höhere erhöhte Abort- und Missbildungsrate, Schwangerschaftsdiabetes sowie allgemein eine erhöhte Mortalität und Morbidität beim Kind. Wobei solche Schwangerschaftskomplikationen auch häufig Geburtskomplikationen mit sich bringen.


Literatur:

Mantel Ä, Lindén Hirschberg A, Stephansson O. Association of Maternal Eating Disorders With Pregnancy and Neonatal Outcomes. JAMA Psychiatry. 2019 Nov 20. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.3664. [Epub ahead of print]


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