Medizin & Wissenschaft

Rauchen und Augenerkrankungen: Grünen Star, AMD, Katarakt, trockene Augen

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Der Risikofaktor Rauchen kann die Entwicklung verschiedener Augenerkrankungen fördern, wie Grünen Star, AMD, Katarakt und trockene Augen.

Im Vergleich zu Nichtrauchern haben Raucher ein fast doppelt so hohes Risiko, am Grünen Star (Glaukom) zu erkranken (1). Eine aktuelle Studie weist zudem darauf hin, dass die feuchte Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) bei Rauchern durchschnittlich etwa fünf Jahre früher auftritt als bei Nichtrauchern (2). Rauchen und Nikotinkonsum bilden auch Risikofaktoren für die Entwicklung eines Grauen Stars oder eines Trockenen Auges. Aus diesem Grund rät die Stiftung Auge Rauchern zum Rauchstopp. Denn die Wahrscheinlichkeit für Augenerkrankungen, wie AMD, Katarakt und trockene Augen sowie eben Grüner Star, die langfristig und unbehandelt auch zur Erblindung führen können, kann man mit Rauchen aufhören deutlich senken.

Risikofaktor Rauchen für Grünen Star

Der Grüne Star ist die zweithäufigste Ursache für den Verlust des Sehvermögens in Deutschland. Rund 15 Prozent der Erblindungen sind auf diese Erkrankung, die durch eine Schädigung des Sehnervs durch erhöhten Augeninnendruck entsteht, zurückzuführen.

Einer aktuellen Übersichtsarbeit zufolge erhöht Rauchen das Risiko, an einem Grünen Star zu erkranken, um durchschnittlich 88 Prozent. Dauer und Intensität des Zigarettenkonsums beeinflussen dabei das Erkrankungsrisiko. Neben direkten toxischen Einflüssen führe der Nikotinkonsum zu Durchblutungsstörungen und schädige Zellen.

Das Glaukomrisiko steige unter anderem durch die schadhafte Wirkung auf das sogenannte Trabekelmaschenwerk. Diese Struktur im vorderen Teil des Auges reguliert den Abfluss des Kammerwassers. Ist dieser Abfluss gestört, steigt der Druck im Augeninneren und damit auch auf den Sehnerv. Die gute Nachricht ist, dass mit dem Rauchen aufhören das Erkrankungsrisiko deutlich senkt. Bei ehemaligen Rauchern liegt es nur um etwas mehr als ein Viertel über dem von Nichtrauchern (1).

Rauchen und die Augenerkrankungen AMD, Katarakt und trockene Augen

„Beim Rauchen gilt eine einfache Regel: Wer seine Augen schützen will, sollte die Finger von Zigaretten lassen“, sagt Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge. Denn Rauchen erhöhe auch die Wahrscheinlichkeit, an einer Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) oder einer Katarakt, auch als Grauer Star bekannt, zu erkranken, so der Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn.

Bei der AMD liegt sie einer US-Studie zufolge bei aktiven Rauchern um 83 Prozent über der von Nichtrauchern, bei ehemaligen Rauchern um 42 Prozent (3). Zudem erkranken Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern im Schnitt mehr als fünf Jahre früher an der feuchten Form der AMD, die bei älteren Menschen in Industrieländern die häufigste Ursache für Erblindung darstellt (2). Dies belegt eine aktuelle Studie, in der Forscher fast 500 Patienten mit feuchter AMD untersucht haben. Auch das Katarakt-Risiko steigt durch Rauchen um ein Drittel (4).

Den unterschiedlichen Studien zufolge fördert die Kombination mehrerer negativer Gesundheitseinflüsse des Rauchens das Risiko für Augenerkrankungen. Einerseits nehmen Raucher Giftstoffe auf, die die Körperzellen direkt schädigen. Andererseits steigt durch Nikotinkonsum das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen, die langfristig ebenfalls zu Augenerkrankungen führen können.

Zudem greift Zigarettenrauch den Tränenfilm an und begünstigt damit das Syndrom des Trockenen Auges (5). „Der Tränenfilm der Augen wirkt wir ein Schutzschild für die Augenoberfläche. Wird dieser etwa durch Rauch gestört, ist das Auge anfälliger für Verletzungen“, sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Mediensprecher der Stiftung Auge. Der ehemalige Direktor der Universitäts-Augenklinik Frankfurt warnt in diesem Zusammenhang auch vor elektrischen Zigaretten: „Auch der Dampf aus E-Zigaretten greift die Augenoberfläche an.“ Zudem enthalten einige in E-Zigaretten verdampfte Flüssigkeiten Nikotin. „Für die Augengesundheit macht es daher kaum einen Unterschied, ob jemand eine klassische Tabakzigarette oder eine elektrische Zigarette nutzt“, so Ohrloff.


Literatur:

(1) Rüfer F. Sekundäre Neuroprotektion beim Glaukom durch Lebensstiländerungen. Klin Monatsbl Augenheilkd. 237, 158–162 (2020).

(2) Detaram HD, Joachim N, Liew G, et al. Smoking and treatment outcomes of neovascular age-related macular degeneration over 12 months. Br J Ophthalmol. 2020;104(7):893-898. doi:10.1136/bjophthalmol-2019-314849

(3) Klein R, Cruickshanks KJ, Nash SD, et al. The prevalence of age-related macular degeneration and associated risk factors. Arch Ophthalmol. 2010;128(6):750-758. doi:10.1001/archophthalmol.2010.92

(4) Lee HJ, Kim CH, Lee JS, Kim SH. Association between cataract and cotinine-verified smoking status in 11 435 Korean adults using Korea National Health and Nutrition Examination Survey data from 2008 to 2016. J Cataract Refract Surg. 2020;46(1):45-54. doi:10.1016/j.jcrs.2019.08.035.

(5) Makrynioti D, Zagoriti Z, Koutsojannis C, Morgan PB, Lagoumintzis G. Ocular conditions and dry eye due to traditional and new forms of smoking: A review. Cont Lens Anterior Eye. 2020;43(3):277-284. doi:10.1016/j.clae.2020.02.009


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