Medizin & Wissenschaft

Emotionen im Alter: wie sich die Gefühle alter Menschen verändern

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Menschen im Alter haben im Grunde genommen häufiger positive Emotionen als junge Erwachsene, Ältere können besonders gut die Gefühle anderer nachempfinden.

Gefühle und emotionale Kompetenzen haben von Kindheit an bis ins höchste Alter wichtige Funktionen. Denn Emotionen beeinflussen das Zusammenleben mit unseren Mitmenschen und geben uns schnelle Orientierung. Aus der Forschung ist bekannt, dass sich sehr viele geistige und körperliche Funktionen im Laufe des Lebens verändern. Wie aber verändern sich unsere Gefühle und unsere Art und Weise, mit ihnen umzugehen? Verändern sich die Gefühle im Alter überhaupt? Und wenn ja, in welchen Bereichen? Jedenfalls scheint es, dass Menschen im Alter im Allgemeinen häufiger positive Gefühle als junge Erwachsene haben, besonders gut können Ältere die Emotionen anderer nachvollziehen.

Wie Menschen im Alter Emotionen regulieren und Gefühle wahrnehmen

Entwicklungen in der Kognition, beim Wahrnehmen und Erkennen, können zu Veränderungen emotionaler Prozesse im Alter beitragen, insbesondere zur Regulierung von Emotionen und zur Wahrnehmung von Gefühlen.

Es gibt in der Psychologie verschiedene bewährte Konzepte zu dieser kognitiven und emotionalen Entwicklung im Alter. Diese wollen dabei helfen zu erklären, warum das affektive Leben älterer Erwachsener möglicherweise nicht so altersbedingt abnimmt wie beispielsweise andere kognitive und physische Funktionen von Körper und Geist.

Unter dem Strich ist eine Entwicklung des emotionalen Lebens über die gesamte Lebensspanne bis ins hohe Alter hinein möglich. Das beinhaltet auch, dass zu jedem Zeitpunkt im Leben der Menschen neue Prozesse beginnen können, dass jeder Einzelne Reserven hat und sein Verhalten veränderbar ist.

Entwicklungspsychologen verstehen die emotionale Entwicklung vom Jugendalter bis ins hohe Alter hinein als einen Prozess, der zu jedem Zeitpunkt im Leben gleichzeitig Gewinne und Verluste umfasst.

Unterschiede bei älteren und jungen Menschen

Verschiedene rezente Studien zeigen beispielsweise, dass sich die Emotionen Ärger und Traurigkeit in unterschiedliche Richtungen entwickeln können. Demnach erleben viele Menschen im Alter seltener beziehungsschädliche Emotionen wie Ärger, Feindseligkeit oder Verachtung. Das steht sehr im Gegensatz zu den jungen Menschen.

Beim Erleben mancher anderer negativer Emotionen finden sich in Studien hingehen keine oder sogar gegenläufige Unterschiede über die Lebensspanne hinweg. Auch für andere sozial-emotionalen Kompetenzen wurde ein komplexes Muster an Altersunterschieden ausgemacht. So zeigen Ältere oft weniger gute Leistungen in Tests zur empathischen Akkuratheit. Das heißt, sie können die Gefühle anderer Menschen oft weniger akkurat erkennen und benennen als junge Menschen.

Andererseits scheinen Menschen im höheren Alter aber besonders gut darin zu sein, die Gefühle anderer nachzuempfinden. Sie bringen in vielen Situationen mehr Mitgefühl für Andere auf als junge Erwachsene.

Diese eher emotionalen Aspekte der Empathie spielen für das soziale Miteinander eine entscheidende Rolle und sind vermutlich einer der Gründe für die hohe Beziehungszufriedenheit, die gerade im Alter berichtet wird.

Einfluss von Demenz-Erkrankungen

Die Art und Weise, wie sich Emotionen im Laufe des Lebens und im Alter verändern, unterliegt verschiedenen Einflüssen. Der Alterungsprozess kann normal verlaufen oder oft auch durch neurodegenerative Erkrankungen beeinflusst sein.

Große Unterschiede zeigen sich zwischen alterstypischen Änderungen und solchen aufgrund von neurodegenerativen Krankheiten wie Demenz, zum Beispiel vom Alzheimer-Typ.

Die Forschung zeigt, dass – abhängig von der konkreten Erkrankung und dem damit zusammenhängenden Muster der Neurodegeneration – sehr unterschiedliche Muster von Veränderungen in sozialen und emotionalen Funktionen auftreten. Solche pathologische Veränderungen können das soziale Umfeld extrem beeinträchtigen, insbesondere auch in der Partnerschaft. 


Literatur:

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Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs)


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