Medizin & Wissenschaft

Für mehr Intelligenz: Jod während der Schwangerschaft supplementieren

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Das Supplementieren von Jod während der Schwangerschaft verbessert Intelligenz und kognitive Fähigkeiten des ungeborenen Kindes.

Im Zuge einer im Fachjournal „The Lancet Diabetes and Endocrinology“ veröffentlichten Studie, berichten unlängst Wissenschafter der University of Birmingham über die Ergebnisse einer umfassenden Modellanalyse und plädieren gleichzeitig, dass man während der Schwangerschaft Jod supplementieren sollte. So führte die Verabreichung des Spurenelements Jod während der Schwangerschaft zu einer deutlichen Verbesserung der Intelligenz beziehungsweise der kognitiven Fähigkeiten des ungeborenen Kindes. Sogar bei Frauen mit nur einem leichten Jodmangel, käme es durch entsprechendes Jod supplementieren zu einer signifikanten IQ-Erhöhung des Nachwuchses, behaupteten die Experten.

Jod supplementieren während der Schwangerschaft bringt höhere Intelligenz beim Kind und damit in Folge auch mehr Geld

Teil der Analyse war eine umfassende Bewertung der Kostensituation. Das heißt die Wissenschafter haben den monetären Wert der zusätzlichen Intelligenz analysiert. Durch die Einnahme von Jod während der Schwangerschaft kam es zu einer durchschnittlichen IQ-Verbesserung des Kindes um 1,22 Punkte. Alleine in Hinblick auf das spätere Einkommen der Kinder ergab sich durch das Mehr an Intelligenz bereits ein eindeutiger Kostenvorteil der Jod-Einnahme während der Schwangerschaft.

Jod supplementieren während der Schwangerschaft bringt in UK eine Kostenersparnis von 200 Pfund!

In Großbritannien konnte das Supplementieren von Jod während der Schwangerschaft eine Kostenersparnis von £200 britische Pfund pro werdender Mutter bringen. Der erhöhte Intelligenz des Nachwuchses durch mehr Jod in der Schwangerschaft brachte zudem im späteren Leben ein höheres Einkommen. Dementsprechend sind auch die finanziellen Belastungen für das Gesundheitswesen geringer.

Der von den britischen Wissenschaftern kalkulierte monetäre Vorteil liegt demnach bei etwa £4.500 pro Kind. Bei insgesamt 1,9 Milliarden Menschen und 241 Millionen Schulkinder der Altersgruppe 6 bis 12 in 32 Staaten, die als Länder mit Jodmangel bekannt sind, sollte man die Vorteile des Jod supplementierens während der Schwangerschaft keinesfalls unterschätzen.

Obwohl der Jod-Bedarf während der Schwangerschaft und Stillzeit steigt, gibt es aber in den betroffenen Staaten oftmals keine entsprechenden Empfehlungen zum Jod supplementieren – häufig aufgrund des damit verbundenen Kostenaufwands. Doch auch aus finanzieller Sicht spreche alles für die Jod-Einnahme.

Vermeidbare Behinderungen

Im Grunde genommen gehört Jodmangel während der Schwangerschaft weltweit zu den häufigsten Ursachen für Behinderung. Bereits ein leichter Mangel an Jod bewirkt deutliche Einbußen in punkto Intelligenz.

Jod wird vom Körper nicht eigenständig hergestellt und muss durch entsprechende Lebensmittel, wie beispielsweise Milch- oder Meeresprodukte, beziehungsweise durch eine Supplementierung aufgenommen werden. Ein Mangel an Jod während der Schwangerschaft kann zu ausgeprägten geistigen Behinderungen beziehungsweise verminderter Intelligenz sowie einer verzögerten Entwicklung der Kinder führen. Für Großbritannien empfehlen die Wissenschafter daher eine staatliche Aufforderung zum Jod-Supplementieren.

Die Empfehlung macht jedoch auch für viele andere Staaten, deren Bevölkerung unter Jodmangel leidet, durchaus Sinn. Denn das Supplementieren von Jod während der Schwangerschaft kann eine Verbesserung der Intelligenz und der durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten der Kinder bewirken. Und das zahlt sich später im Leben – unter anderem – in Bezug auf das Einkommen aber auch im Sinne der Kosten für das Gesundheitssystem aus.

Widersprüchliche norwegische Ergebnisse

Eine rezente norwegische Mutter-Kind-Kohortenstudie brachte aber etwas widersprüchliche Ergebnisse. Zwar beeinträchtigte eine geringere Jod-Aufnahme – eine niedrigere als die empfohlene – während der Schwangerschaft die Leistungen des ungeborenen Kindes im späteren Leben. Und zwar entwickelten die betroffenen Kinder ihre Sprache schlechter. Zudem kam es zu schlechteren schulischen Leistungen im Zusammenhang mit den Lese- und Schreibfähigkeiten. Die geringe Jodaufnahme der Mutter aus der Nahrung war auch mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Sonderpädagogik verbunden. Allerdings fanden die Wissenschaftler keine Hinweise auf den Nutzen oder den Schaden der Verwendung von Jod-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln oder Nahrungsmitteln während der Schwangerschaft. Der Beginn des Konsums von Lebensmitteln, die reich an Jod sind, könnte demnach in der Schwangerschaft zu spät sein.


Literatur:

Abel MH, Brandlistuen RE, Caspersen IH, et al. Language delay and poorer school performance in children of mothers with inadequate iodine intake in pregnancy. Results from follow-up at 8 years in the Norwegian Mother and Child Cohort Study. Eur J Nutr. 2019;58(8):3047-3058. doi:10.1007/s00394-018-1850-7

Mark Monahan, Kristien Boelaert, Kate Jolly, Shiao Chan, Pelham Barton, Tracy E Roberts. Costs and benefits of iodine supplementation for pregnant women in a mildly to moderately iodine-deficient population: a modelling analysis. The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2015; DOI: 10.1016/S2213-8587(15)00212-0


Quelle:

DI Alexandra Springler. Jod supplementieren während der Schwangerschaft. MEDMIX online 2015


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