Medizin & Wissenschaft

Bessere Therapieerfolge bei Diabetes Typ 1 durch die Gabe von Langzeitinsulin

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Laut aktueller Daten ist die Therapie von Diabetes Typ 1 mit Langzeitinsulin zu bevorzugen, lang wirksame Insuline sollen sicherer und effektiver als Verzögerungsinsuline sein.

Diabetes Typ 1 mellitus (T1DM) führt zu einer fortschreitenden Zerstörung der Betazellen der Bauchspeicheldrüse, was zu einem absoluten Insulinmangel führt. Insulin ist seit fast einem Jahrhundert für die Behandlung von Diabetes verfügbar, und die Vielfalt der Insulin-Präparate steht heute für langjährige Entdeckung und Innovation. Für die Therapie von Diabetes Typ 1 deuten einige Hinweise darauf hin, dass länger wirkende Insulinanaloga, Langzeitinsulin, im Vergleich zu intermediär wirkendem Insulin, Verzögerungsinsulin, eine höhere Wirksamkeit und ein höheres Sicherheitsprofil aufweisen könnten.

Ziel einer rezenten Untersuchung war es, Wirksamkeit, Sicherheit und Kosten von Langzeitinsulin und Verzögerungsinsulin durch eine systematische Metaanalyse zu vergleichen.

Langzeitinsulin bei Diabetes Typ 1 brachte wesentlich besseren Therapieerfolge

Im Zuge ihrer Metaanalyse beschäftigten sich unlängst britische Wissenschafter mit der einmal täglichen beziehungsweise zweimal täglichen Gabe von Langzeitinsulin und Verzögerungsinsulin (Intermediärinsulin). Und zwar mit dem Ziel, die getesteten Insuline beziehungsweise die Art ihrer Verabreichung nach Kriterien der Wirksamkeit, Sicherheit und Kosteneffektivität zu reihen.

“Im Vergleich zum Intermediärinsulin, führte Langzeitinsulin bei Diabetes Typ 1 zu wesentlich besseren Therapieerfolgen. Insbesondere in punkto Blutzuckerspiegelkontrolle, Gewichtszunahme und die Behandlung von schwerer Hypoglykämie schnitten die getesteten Langzeitinsuline wesentlich besser ab, “ erklärte Dr. Andrea Tricco, Erstautor der Studie und Wissenschafterin am Li Ka Shing Knowledge Institute des St. Michael’s Hospital.

Langzeitinsuline versus Verzögerungsinsuline in der Therapie von Patienten mit Diabetes Typ 1

Unter Berücksichtigung von 39 Studien, verglichen Dr. Tricco und ihr Team zwei Arten von Insulin – Glargine und Detemir – mit Intermediärinsulinen, wie das bekannte Neutral Proamine Hagedor (NPH). Sowohl Glargine als auch Detemir verfügen, im Gegensatz zu anderen Verzögerungsinsulinen, über eine längere Halbwertszeit, die dazu führt, dass es nach der Injektion langsamer und gleichmäßiger vom Körper aufgenommen wird und eine einmal tägliche Gabe ermöglicht. 

Dr. Andrea Tricco hat Langzeitinsuline zur Therapie von Patienten mit Diabetes Typ 1 unter die Lupe genommen.

Langzeitinsuline entfalten ihre erste Wirkung nach etwa einer Stunde wirken anschließend für eine Dauer von etwa 26 Stunden. Bei Intermediärinsulin hingegen tritt die Wirkung nach etwa 1 bis 3 Stunden ein und hält etwa 16 Stunden an.

Signifikanten Reduktion des Zuckerhämoglobins HbA1c

Im Vergleich zu dem Intermediärinsulin NPH, kam es bei Verabreichung von Langzeitinsulinen zu einer signifikanten Reduktion des Zuckerhämoglobins HbA1c, ein wesentlicher Marker zur Bestimmung von Diabetes bzw. ein wichtiger Indikator für die effektive und langfristige Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Denn je höher die Blutzuckerwerte sind und je länger sie erhöht bleiben, desto mehr HbA1c entsteht durch die Bildung von Blutzucker (Glukose) an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin.

“Patienten, die mit Intermediärinsulin behandelt wurden, neigten viel eher zur Gewichtszunahme,“ so Dr. Tricco. „Gegenüber den mit Langzeitinsulin behandelten Personen, nahm diese Patientengruppe im Durchschnitt zwei bis drei Kilogramm mehr zu“.

Von schwerer Hypoglykämie spricht man, wenn der Blutzucker sehr stark abfällt. Es handelt sich dabei um einen medizinischen Notfall, denn der Patient ist nicht mehr in der Lage, sich selbst zu helfen. Tritt dieser Zustand ein, gilt es den Patienten so rasch als möglich, entweder durch Nahrungszufuhr oder intravenös mit Zucker zu versorgen. Der aktuellen Untersuchung zufolge, verringerte sich das Risiko der schweren Hypoglykämie bei den mit Langzeitinsulin behandelten Patienten um etwa 38%.

Teurer, aber wesentlich effektiver

Neben Aspekten der Wirksamkeit und Sicherheit, beschäftigte sich Dr. Tricco und ihr Team auch mit der Kosteneffektivität der verschieden Insuline. In 22 der 32 analysierten Studien, war auch eine entsprechende Kosten-Nutzen Analyse enthalten. Dabei befanden 77 Prozent dieser Analysen Langzeitinsulin zwar als teurer, jedoch auch als wesentlich effektiver als Intermediärinsulin. Etwa 23 Prozent der Studien beurteilten Langzeitinsuline zur Therapie von Diabetes Typ 1 als kosteneffektiver.

„Unter Berücksichtigung dieser Informationen, sollten Patienten und Ärzte die Wahl des Insulins nach Präferenz, Kosten und Zugänglichkeit treffen,“ betont Dr. Tricco abschließend.


Literatur:

Veroniki AA, Straus SE, Ashoor HM, Hamid JS, Yu C, Tricco AC. Safety and effectiveness of long-acting versus intermediate-acting insulin for patients with type 1 diabetes. Protocol for a systematic review and individual patient data network meta-analysis. BMJ Open. 2015;5(12):e010160. Published 2015 Dec 30. doi:10.1136/bmjopen-2015-010160

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Laranjeira FO, de Andrade KRC, Figueiredo ACMG, Silva EN, Pereira MG. Long-acting insulin analogues for type 1 diabetes. An overview of systematic reviews and meta-analysis of randomized controlled trials. PLoS One. 2018;13(4):e0194801. Published 2018 Apr 12. doi:10.1371/journal.pone.0194801

Tricco AC, Ashoor HM, Antony J, et al. Safety, effectiveness, and cost effectiveness of long acting versus intermediate acting insulin for patients with type 1 diabetes. Systematic review and network meta-analysis. BMJ. 2014;349:g5459. Published 2014 Oct 1. doi:10.1136/bmj.g5459


Quelle:

DI Alexandra Springler. Langzeitinsuline bei Typ-1-Diabetes. MEDMIX online 2015


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