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Die Immuntherapie ist für Kinder mit Allergie auf Erdnüsse eine wirksame Behandlung

Lesezeit: 2 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Für Kinder mit einer Allergie auf Erdnüsse senkt die orale Immuntherapie das Risiko schwerer allergischer Reaktionen, wenn die Behandlung bereits im Vorschulalter erfolgt.

Im Grunde genommen leben Kinder mit Erdnüsse-Allergie in einer Welt voller Bedrohungen, denn die Auslöser für schwere allergische Reaktionen scheinen überall zu lauern. Ihre Eltern Leben voller Vorsicht und Angst, weil bei jedem Ausflug, jedem Restaurantbesuch, jedem Familienfest oder Treffen mit befreundeten Familien die Nahrungsmittelallergien im Fokus stehen. Um betroffene Familien zu entlasten, haben Forscher bereits im letzten Jahr erstmals die Wirksamkeit und Sicherheit einer oralen Immuntherapie für eine große Gruppe von Kindern mit Allergie auf Erdnüsse im Vorschulalter als Behandlung im Krankenhaus demonstriert. Die neue Studie der University of British Columbia und des BC Children’s Hospital soll nun betroffenen Eltern und und ihren Kindern Hoffnung geben und den Alltag erleichtern.

Die orale Immuntherapie bewährt sich für Kinder im Vorschulalter mit Erdnüsse-Allergie

Die als orale Immuntherapie bekannte Behandlung beinhaltet die schrittweise Erhöhung der Menge an Erdnüssen oder Erdnussprodukten, die Kindern mit Allergie darauf verabreicht wird. Ein Ziel der Behandlung dieser Allergie ist die Desensibilisierung, bei der betroffene Kinder eine volle Portion Erdnüsse zu sich nehmen können, ohne damit eine gefährliche Reaktion auszulösen. Das soll als Schutz bei versehentlichem Erdnusskonsum dienen, damit Adrenalin-Injektionen als Behandlung auf allergische Reaktionen nicht mehr notwendig sind. Um die Immunität aufrechtzuerhalten, muss das Kind allerdings weiterhin regelmäßig Erdnussprodukte essen.

Die kürzlich im Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlichte Arbeit ist zeigte, dass man Kinder einer kleinen, regelmäßigen Dosis eines Allergens, in diesem Fall Erdnüsse, in einer realen Umgebung aussetzten kann, und damit auch außerhalb von einer klinische Studie wirksam das Risiko von allergischen Reaktionen verringern kann.

Im Verlauf der Studie erhielten 117 kanadische Kinder im Vorschulalter – im Alter zwischen 9 und 70 Monaten – mit Allergie auf Erdnüsse eine tägliche Erhaltungsdosis. Und zwar etwa eine Erdnuss oder ein Viertel Teelöffel Erdnussbutter.

Schutz vor 99 Prozent der Expositionen

Nach einem Jahr stellten die Forscher fest, dass fast 80 Prozent der Kinder im Vorschulalter 15 Erdnüsse (entsprechend 4000 mg Erdnussprotein) ohne Reaktion während einer von Allergikern überwachten oralen Exposition essen konnten. Und fast jedes Kind (mehr als 98 Prozent), das an der Studie teilnahm, konnte drei bis vier Erdnüsse ohne Reaktion essen, was ausreicht, um vor 99 Prozent der versehentlichen Expositionen zu schützen.

Obwohl einige Kinder in der Studie (21,4 Prozent) während der von Allergikern überwachten oralen Exposition eine allergische Reaktion zeigten, waren die Reaktionen leicht (14,5 Prozent) oder mäßig (sechs Prozent). Zwei Kinder erhielten dennoch Adrenalin darauf, obwohl keine schweren Reaktionen auftraten.

„Dank dieser oralen Immuntherapie können betroffene Kinder mit Allergie auf Erdnüsse nun versehentlich auch etwas mit Erdnussbutter essen. Beispielsweise in Keksen oder Kuchen. Sie erleiden dann keine Reaktion mehr, was für die Familien eine wunderbare Nachricht ist“, sagte die Hauptautorin der Studie, Dr. Lianne Soller, UBC-Managerin für Allergieforschung im BC Children’s Hospital.


Literatur:

Soller L, Abrams EM, Carr S, Kapur S, Rex GA, Leo S, McHenry M, Vander Leek TK, Yeung J, Cook VE, Wong T, Hildebrand KJ, Mak R, Gerstner TV, Cameron SB, Chan ES. First Real-World Effectiveness Analysis of Preschool Peanut Oral Immunotherapy. J Allergy Clin Immunol Pract. 2020 Nov 19:S2213-2198(20)31199-5. doi: 10.1016/j.jaip.2020.10.045. Epub ahead of print. PMID: 33221274.


Quelle: University of British Columbia


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