Medizin & Wissenschaft

Spiritualität und Glaube bei Krebs hilft den Patienten

Lesezeit: 2 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Spiritualität und fester Glaube können bei Krebs helfen, das Leid der Patienten zu lindern, wie zahlreiche Studienergebnisse bestätigen.

Eine US-Studie berichtet, dass Religion, Spiritualität oder fester Glaube bei Krebs positiven Einfluss auf das Wohlbefinden der betroffenen Patienten ausübt. Diese Ergebnisse der größten bisher zu diesem Thema durchgeführten Meta-Analyse kann für Mediziner auch ein wichtiger Aspekt dahingehend sein, wie offen und ehrlich mit unheilbar erkrankten Patienten umgegangen beziehungsweise kommuniziert werden sollte.

Bekanntlich entstehen durch – meist nicht kurative – Therapien häufig Missverständnisse in der Auffassung des Begriffs der Heilung. Denn oft definieren Ärzte palliative Maßnahmen – wie Linderung der Schmerzen und weniger Invalidität – als erfolgreich, während Patienten unrealistische Erwartungen an die Behandlung haben und ein vollständiges Gesund werden erhoffen. Gerade in dieser Phase spielt es eine bedeutende Rolle, welche Einstellung der jeweilige Krebspatient zu Spiritualität und Religion hat.

Fester Glaube bei Krebs bringt Linderung

Die Diagnose Krebs stellt den Glauben vieler Betroffener auf eine harte Probe. Doch wie US-Wissenschafter im Zuge einer soeben im Fachjournal Cancer veröffentlichten Studie nun berichten, kann ein fester Glaube bei Krebs dazu beitragen, das Leid der Patienten zu lindern.

Dabei befassten sich die Forscher mit der physischen, geistigen und sozialen Gesundheit der Krebsleidenden – mit einem interessanten Ergebnis. So haben gläubige Personen seltener mit den körperlichen Symptomen ihrer Erkrankung oder den therapiebedingten Nebenwirkungen zu kämpfen.

Spiritualität und fester Glaube bei Krebs helfen vor allem durch Einbindung der Erkrankung in das spirituelle Leben des Krebspatienten

„Bis dato stellt die aktuelle Metaanalyse die umfangreichste Untersuchung zum Thema Religion und Spiritualität und deren Einfluss auf das Befinden von Krebspatienten dar,“ so Dr. John Salsman von der Wake Forest School of Medicine in Winston-Salem. Trostsuchend wenden sich viele Krebspatienten ihrer Religion bzw. ihrem Glauben und ihrer Spiritualität zu.

Den Forschern zufolge bezeichnen sich 59 Prozent der Menschen weltweit als religiös – unabhängig davon, ob sie regelmäßig in die Kirche gehen. Denn ausschlaggebend sei nicht das religiöse Verhalten, wie beispielsweise regelmäßiges Beten oder Gottesdienstbesuche, sondern die Einbindung der Krebserkrankung in das individuelle Glaubensleben.

Trotzdem auf die spirituellen Bedürfnisse von Krebspatienten eingegangen wird, haben bisherige Studien zum Thema Glaube bei Krebs und dessen Einfluss auf das Wohlbefinden sehr unterschiedliche Ergebnisse erbracht. Aus diesem Grund analysierten die Forscher alle bisher publizierten Studien zu diesem Thema und führten eine Reihe von Metanalysen durch.

Die spiritutelle Verbindung mit dem Jenseits und ein ausgeprägter Glaube bei Krebs geht auch mit besserem physischen Wohlbefinden einher!

Dabei stellte sich heraus, dass Patienten mit ausgeprägtem Glauben auch über besseres physisches Wohlbefinden verfügten und eher in der Lage waren, alltäglichen Aufgaben nachzukommen. „Dieser Zusammenhang fiel besonders bei Patienten auf, die sich mit den emotionalen Aspekte von Religion und Spiritualität befassten,“ so Dr. Heather Jim vom Moffitt Cancer Center in Tampa, Florida.

In einer weiteren Analyse zeigte sich, dass positive geistige Gesundheit eher aufgrund der emotionalen Aspekte von Religion und Spiritualität zustande kamen, und weniger durch die Ausübung religiöser Verhaltensweisen.

„Spirituelles Wohlbefinden beziehungsweise der Glaube bei Krebs lindert Angstzustände, Depressionen und seelisches Leid,“ reüssieren die Wissenschafter.

Schließlich beschäftigten sich die Experten mit der Fähigkeit, trotz Erkrankung soziale Rollen und Beziehungen aufrecht zu erhalten. Erstautor Allen Sherman von der University of Arkansas for Medical Sciences betont, dass Patienten mit besserer spiritueller Gesundheit, positiver Sichten auf Gott und starkem Glauben auch über eine bessere soziale Gesundheit verfügten.

Im Grunde genommen stellt sich die Frage, ob die vorliegenden Ergebnisse zu Spiritualität und Glaube bei Krebs nicht auch für andere Krankheiten gelten kann – was plausibel wäre.

„Leider liefern unsere Analysen keine Begründung für die lindernde Wirkung von Spiritualität und Glaube bei Krebs – ein Aspekt, der zukünftig noch eingehender erforscht werden muss,“ so die Experten. Spekulationen zufolge könnte Religion und Spiritualität die Gesundheit fördern, aber auch die Gesundheit könnte sich auf den Glauben und die Spiritualität auswirken. Zukünftige Studien werden sich damit beschäftigen, wie sich dieser Zusammenhang mit der Zeit entwickelt.


Literatur:

Xing L, Guo X, Bai L, Qian J, Chen J. Are spiritual interventions beneficial to patients with cancer?: A meta-analysis of randomized controlled trials following PRISMA. Medicine (Baltimore). 2018 Aug;97(35):e11948. doi: 10.1097/MD.0000000000011948. PMID: 30170390; PMCID: PMC6392566.

Jim HS, Pustejovsky JE, Park CL, Danhauer SC, Sherman AC, Fitchett G, Merluzzi TV, Munoz AR, George L, Snyder MA, Salsman JM. Religion, spirituality, and physical health in cancer patients: A meta-analysis. Cancer. 2015 Nov 1;121(21):3760-8. doi: 10.1002/cncr.29353. Epub 2015 Aug 10. PMID: 26258868; PMCID: PMC4618080.

Thomas J. Smith, Dan L. Longo. Talking with Patients about Dying. October 25, 2012. The New England Journal of Medicine. N Engl J Med 2012; 367:1651-1652. DOI: 10.1056/NEJMe1211160


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