Medizin & Wissenschaft

Mit MR-Angiographie Gefäße darstellen

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Die MR-Angiographie ist erste Wahl zur Darstellung der arteriellen Gefäße – sowohl der Gefäße im Hals- und Kopfbereich als auch im restlichen Körpers.

Die periphere MR-Angiographie hat sich rasch entwickelt und gilt heute als Standardmethode für die Bewertung peripherer Gefäßerkrankungen. Die verschiedenen Methoden ermöglichen eine genaue und detaillierte Beurteilung der peripheren Gefäße. Denn durch die sehr hohe räumliche Auflösung der modernen Geräte lassen sich auch Veränderungen an den kleinsten Gefäßen sehr gut und rechtzeitig erkennen. Durch den technischen Fortschritt hat die nicht invasive MR-Angiographie die früher notwendige risikobehaftete Katheter-Untersuchung in der Diagnostik abgelöst. 

Durchführung der MR-Angiographie

Zur Durchführung der MR-Angiographie wird dem Patient ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt. Dieses verteilt sich in den Gefäßen und ermöglicht so die Darstellung der Gefäße. Die Untersuchung einer Körperregion wie z.B. den Beinen dauert nur wenige Minuten und liefert zuverlässige Ergebnisse. Die Kontrastmittel-unterstützte MR-Angiographie (ce-MRA) ist für den Patienten schmerzlos, komfortabel, rasch und, bei Beachtung nachfolgender Empfehlungen, gefahrlos. Die Untersuchung ist, bis auf eine intravenöse Kontrastmittel-Gabe von etwa 20ml eines Gd-Chelates, nicht invasiv.

Durch die Verwendung neuer Kontrastmittel mit hoher Relaxivität verbessert sich der Kontrast in der so genannten First-Pass-Bildgebung, eine hervorragende Beurteilung der Gefäßlumina bei niedrigerer Kontrastmittel-Dosierung ist dadurch möglich. Der Patient kann nach der Untersuchung seinem gewohnten Tagesablauf folgen, es ist keine Nachbeobachtung erforderlich. Vor jeder Kontrastmittel-Gabe ist die Bestimmung des Kreatinin-Wertes im Serum (idealerweise auch der eGFR) bei Verdacht auf Nierenschädigung anzuraten.

Zur Abschätzung des individuellen Patientenrisikos empfehlen sich vor der Untersuchung Fragen nach dem Alter (> 65 Jahre), Vorerkrankungen oder Operationen der Nieren, einer Organtransplantation, Pro­tein­urie, Diabetes mellitus, Hy­pertonie, Gicht oder der Einnahme potenziell nephrotoxischer Medikamente, beispielsweise NSAID, Cyclosporin. Der Schwellenwert für die Kontrastmittel-Anwendung liegt bei einer eGFR von 30.

Unterhalb dieses Wertes ist die Kontrastmittel-Gabe wegen der Gefahr der Auslösung einer nephrogenen systemischen Fibrose (NSF) meist kontraindiziert. Weltweit sind aber nur wenige hundert solcher Fälle bekannt, bei vielen Millionen Kontrastmittel-Gaben.

Durch innovative Technologie der MR-Tomografen wird die Detailauflösung immer exakter. Hohe Magnetfelder und starke Gradienten verbessern die Darstellung der kleinen Arterien und vergrößern die untersuchbare Region. Automatische Tischbewegung, dem Körper anliegende phased-array-Spulen, parallele Bildgebung (zeitgleiche Nutzung des Signals mehrerer Spulen) und ultraschnelle 3D-Sequenzen mit hoher Auflösung erfassen in kurzer Zeit große Körperregionen.

Nach Aufnahme eines Leerbildes vor der Kontrastmittel-Applikation verstärkt man mittels Subtraktionstechnik die Abgrenzung der Arterien von den Hintergrundstrukturen.

MR-Angiographie bei der PAVK

Ein diagnostisches Problem in der Becken-Bein-MR-Angiographie bei der PAVK im Stadium IV ist die Überlagerung der Unterschenkelarterien durch einen frühen venösen Rückstrom. Es gibt dafür mehrere Lösungsansätze: Die Veränderung des zeitlichen Ablaufs der Untersuchung (Hybrid-Technik) gegenüber dem bolus-chase-Verfahren.

Die technisch aufwändige, zeitaufgelöste ce-MRA (TRICKS) bietet darüber hinaus eine hohe räumliche Auflösung in kürzest möglicher Zeit, sie wird mit der parallelen Bildgebung und der Hybrid-Technik kombiniert. Zudem erweitert sie die Untersuchung um die dynamische Information des Kontrastmittel-Bolus, wodurch unterschiedliche Gefäßfüllungszeiten oder Kollateralkreisläufe besser beurteilbar werden.

MR-Angiographie Carotis

Im Carotisstromgebiet kann durch besondere Signalauslesung die Scanzeit ohne Überlagerung durch die Vena jugularis verlängert werden, wodurch sich die Auflösung verbessert.

Seit einigen Jahren werden neben der Lumendarstellung auch Untersuchungssequenzen angewendet, welche die Plaquemorphologie charakterisieren sollen, ers­te Ergebnisse in der Carotisbifurkation sind vielversprechend. Mittels 3D-Auswertung (rotierenden MIPs) werden die Daten für den zuweisenden Arzt plas­tisch dargestellt und so mit den gewohnten Bildern der digitalen Subtraktionsangiografie (DSA) vergleichbar.

Aus den primären Daten ergibt sich eine Fülle von Informationen, die dem Radiologen bei der Betrachtung der unsubtrahierten Einzelbilder am Monitor (in der Regel handelt es sich um mehrere hundert Bilder aus einer Untersuchung) zur Verfügung stehen. So können pathologische Veränderungen erkannt und in späteren, auf die Fragestellung abgestimmten MR-Tomografien weiter abgeklärt werden.

Kontraindikationen zur MR-Tomografie

Es gibt einige wenige Kontraindikationen zur MR-Tomografie, z.B. Herzschrittmacher oder bestimmte Aortenstentgrafts. Die Patienten sollten daher schon vor der Untersuchung vom Zuweisenden auf diese Gegenanzeigen hingewiesen werden. In Zweifelsfällen ist das Mitführen eines Implantatpasses durch den Patienten für die Durchführung der MR-Untersuchung erforderlich.

Stents oder Metallclips von Gefäßprothesen können in der MR-Angiographie zu lokalen Artefakten führen. Das wahre perfundierte Lumen im Stent kann in diesen Fällen nicht exakt bestimmt werden. Die Beurteilung von Kollateralen erlaubt aber indirekte Rückschlüsse auf die Durchgängigkeit. Möglich sind auch methodisch bedingte Artefakte durch Probleme mit dem Bolus-Timing aufgrund der kurzen arteriellen Durchgangszeit, durch Fehlplanung der Sequenzen oder im Postprocessing. Deshalb sollten z.B. extra-anatomische Bypass-Operationen in der Zuweisung angegeben werden, um das MR-Angiographie-Untersuchungsfeld der Situation anzupassen.

CT-Angiografie in Konkurrenz zur MR-Angiographie

Die CT-Angiografie (CTA) steht durch die Mehrzeilen-CT-Geräte in Konkurrenz zur MR-Angiographie. Sie hat Vorteile bei der Darstellung verkalkter Plaques oder Stents, die sich mittels MR-Tomografie nicht entsprechend charakterisieren lassen. Der wesentliche Nachteil der CT-Angiografie ist aber die Möglichkeit einer Kontrastmittelinduzierten Nephropathie (CIN), die deutlich häufiger auftritt, als eine nephrogene Problematik in der MR-Tomografie. Besonders bei jüngeren Patienten ist auch die Strahlen­belas­tung der CT von Relevanz.

Fazit

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die MR-Angiographie in den letzten Jahren große Schritte gemacht hat und heute »state of the art« der nicht-invasiven Gefäßdiagnostik geworden ist. Die weitere Entwicklung durch Verbesserung der Gerätetechnologie und neue Blood-Pool-Kontrastmittel ist im Gange.


Literatur:

Irie R, Amemiya S, Ueyama T, et al. Accelerated acquisition of carotid MR angiography using 3D gradient-echo imaging with two-point Dixon [published online ahead of print, 2020 May 18]. Neuroradiology. 2020;10.1007/s00234-020-02452-6. doi:10.1007/s00234-020-02452-6

Johnson CP, Weavers PT, Borisch EA, et al. Three-station three-dimensional bolus-chase MR angiography with real-time fluoroscopic tracking. Radiology. 2014;272(1):241‐251. doi:10.1148/radiol.14131603

Nielsen YW, Thomsen HS. Contrast-enhanced peripheral MRA: technique and contrast agents. Acta Radiol. 2012;53(7):769‐777. doi:10.1258/ar.2012.120008

Ersoy H, Zhang H, Prince MR. Peripheral MR angiography. J Cardiovasc Magn Reson. 2006;8(3):517‐528. doi:10.1080/10976640600604963


Quellen: https://medlineplus.gov/ency/article/007269.htm

Aktuelle MR–Angiografie. OA Dr. Gerhard Zier. MEDMIX 5/2008


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