Medizin & Wissenschaft

Notaufnahme, wenn Kinder Batterien, Knopfbatterien, verschluckt haben

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Wenn Kinder eine Batterie, Knopfbatterie, verschlucken, können sich im Magen binnen weniger Stunden Giftstoffe (Blei, Cadmium, Quecksilber) freisetzen.

Das Verschlucken von Batterien, Knopfbatterien, ist häufig eine Ursache, das Eltern mit Kindern in der Notaufnahme landen, insbesondere im Kleinkindalter. Wenn das Problem dann nicht gut behandelt wird, kann es zu schweren Verletzungen mit zahlreichen Komplikationen im Magen-Darm-Trakt sowie auch in den Atemwegen führen.

Gefahr in Verzug

Wenn kleine Kinder beim Spielen Knopfbatterien verschluckt haben, ist Gefahr in Verzug. Experten haben unter Laborbedingungen zeigen können, dass die meisten Knopfbatterien bereits innerhalb weniger Stunden durch die Magen­säure undicht werden. Bei manchen korrodieren die Dichtungsringe in der Magensäure derartig rasch, dass man im Laborversuch das Blubbern beobachten kann.

Im Grunde genommen können die zum Teil giftigen Inhaltsstoffe wie Quecksilber, Blei und Cadmium freigesetzt werden. In den Praxen von Kinder- und Hausärzten werden relativ oft Zwischenfälle mit Knopfbatterien im Magen registriert.

Wenn Kinder eine Batterie verschluckt haben, muss man sofort ins Krankenhaus

Es ist zwar prinzipiell nicht allzu schlimm, wenn Kinder kleine und harte Gegenstände verschlucken. Diese wandern durch den Magen in den Darm und werden wieder ausgeschieden. Beim Verschlucken einer Batterie, einer Knopfbatterie, ist die Sache allerdings anders. Da müssen Eltern sofort reagieren und das Kind ins Krankenhaus bringen, um diese zu entfernen. Natürlich haben viele Eltern auch große Bedenken, wenn man ihr Kind narkotisiert. Doch das ist notwendig, denn die Knopfbatterien können im feuchten Milieu der Speiseröhre und des Magens ihre giftigen Inhaltsstoffe freisetzen und so Schleimhautverätzungen hervorrufen. Eben deswegen ist rasches Handeln angesagt.

Besonders gefährlich ist es, wenn der Durchmesser der Knopfbatterien größer als eineinhalb Zentimeter ist. Dann kann sie in der Speiseröhre stecken bleiben und innerhalb sehr kurzer Zeit durch Entladung die Schleimhaut schädigen. Dadurch können Narben und Verengungen entstehen und Beschwerden wie Würgereiz, Erbrechen und Atemnot entstehen – ganz abgesehen von möglichen schweren Spätfolgen.

Knopfbatterien mit Endoskopie entfernen

Früher hat man die Entfernung einer Knopfbatterie aus dem Magen bei Kindern oft unterlassen. Man vermutete, dass die Knopfbatterien dicht blieben. Vergiftungserscheinungen wurden auch nicht registriert, da die Toxizität der Inhaltsstoffe unmittelbar keine Symptome auslöst.

In wissenschaftlichen Laboruntersuchung wurde allerdings nachgewiesen, wie schnell Knopfbatterien undicht werden, wenn sie sich länger in Magen­säure befinden. Schon nach vier Stunden geben sie größere Mengen an Inhaltsstoffen wie Cadmium, Quecksilber und Blei ab. Diese Schadstoffe können dann viele Jahre im Körper verweilen und so zu einer dauerhaften Belastung für den Organismus werden.

Deswegen sollte nicht gezögert werden, den Magen radiologisch zu kontrollieren und die Knopfbatterie endoskopisch zu entfernen. Denn später wäre eine Operation erforderlich, was man den kleinen Patienten eigentlich nicht zumuten will.

Ein aktuell erstelltes Flussdiagramm soll den Notarzt dabei helfen, das Risiko von Folgen und schweren Verletzungen für die Patienten zu verringern.


Literatur:

Petruzziello C, Soave PM. Disk Battery Ingestion: A Simple User-Guide [published online ahead of print, 2020 Jun 3]. Rev Recent Clin Trials. 2020;10.2174/1574887115666200603163448. doi:10.2174/1574887115666200603163448

Friedt M, Welsch S. An update on pediatric endoscopy. Eur J Med Res. 2013;18(1):24. Published 2013 Jul 25. doi:10.1186/2047-783X-18-24


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