Medizin & Wissenschaft

Corona-Studie: Hochdosiertes orales Famotidin zeigt starke Wirkung bei Covid-19

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Neue Corona-Studie: Nicht stationäre-Patienten mit leichten bis mittleren Covid-19-Symptomen profitieren von der Einnahme des Medikaments Famotidin.

Bei leicht bis mittel erkrankten Corona-Patienten, die keine stationäre Behandlung im Krankenhaus brachen, scheint das bewährte Sodbrennen Medikament Famotidin hochdosiert gegen Covid-19 eine sehr gute Wirkung zu bringen, wie nun eine rezente Studie vermuten lässt. Eine aktuell im zum British Journal of Magazine gehörigen Fachmagazin »Gut« Publikation beschreibt mehrere Fallbeispiele, in denen die Erkrankten von dieser Behandlung bereits nach ein bis zwei Tagen sehr profitierten.

Hoffnung in der Corona-Pandemie: das altbewährte Famotidin zeigt bei Covid-19 gute Wirkung

Der bekannte Wirkstoff gegen Sodbrennen, Famotidin, zählt zur Wirkstoffgruppe der H2-Rezeptor-Antagonisten, auch als H2-Blocker, H2-Rezeptorenblocker oder H2-Antihistaminika und hemmt die Säuresekretion des Magens. Wichtige Anwendungsgebiete sind die Behandlung von Magen- und Darmgeschwüren und des Zollinger-Ellison-Syndroms.

Famotidin kann in Dosen von 20 bis 160 mg bis zu viermal täglich zur Behandlung von saurem Reflux und Sodbrennen eingenommen werden.

Vor allem bei leichtem bis mittlerem Krankheitsgeschehen könnten nun auch Corona-Patienten die Einnahme von Famotidin gegen Covid-19 versuchen.

Die eingangs zitierte publizierte Arbeit zu mehreren Fallbeispielen beschreibt die gute Wirksamkeit von hochdosiertem oralen Famotidin gegen die Covid-19-Symptome, die bei der eher leicht erkrankten, nicht hospitalisierten Patientengruppe gute Effekte brachte.

Bereits nach ein bis zweit Tagen wirksam

Die US-amerikanische, britische und deutsche Forscherteam berichtete über 10 Personen, sechs Männer und vier Frauen, die eine COVID-19-Infektion entwickelten, die alle während ihrer Krankheit eben Famotidin eingenommen hatten. Sieben der Patienten wurden mit einem Tupfertest positiv auf COVID-19 getestet. Zwei hatten Antikörper gegen die Infektion. Und ein Patient wurde nicht getestet, sondern von einem Arzt mit der SARS-Cov-2-Infektion diagnostiziert.

Das Alter der Patienten lag zwischen 23 und 71 Jahren. Zudem hatten sie unterschiedliche ethnische Hintergründe und bekannte Risikofaktoren für COVID-19 wie Bluthochdruck und Fettleibigkeit.

Unter dem Strich war Famotidin, am häufigsten 80 mg dreimal täglich eingesetzt, bereits innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Einnahme wirksam.

In ihrer Studie analysierten die Forscher die Schwere wichtigsten Covid-19-Symptome. Und zwar Husten, Atemnot beziehunsweise Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen sowie Geschmacks- / Geruchsverlust sowie allgemeines Unwohlsein. Dazu verwendeten sie eine 4-Punkte-Skala, die normalerweise zur Beurteilung der Schwere von Krebssymptome (ECOG PS) angewendet wird.

Krankheitsverlauf

Alle Corona-Patienten begannen mit der Einnahme von Famotidin, als sie sich durch die COVID-19-Erkrankung sehr schlecht fühlten. Sie litten zu diesem Zeitpunkt an den Symptome unterschiedlich lang, von 2 bis 26 Tagen.

Die am häufigsten verwendete Dosis betrug wie oben erwähnt 80 mg dreimal täglich, wobei die durchschnittliche Behandlungsdauer 11 Tage betrug. Die Behandlungsdauer schwankte jedoch zwischen 5 und 21 Tagen.

Alle 10 Patienten gaben an, dass sich die Symptome innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Beginn der Behandlung mit Famotidin schnell besserten und nach 14 Tagen größtenteils abgeklungen waren.

Eine Verbesserung war in allen untersuchten Symptomkategorien erkennbar. Aber die Atemwegsbeschwerden wie Husten und Atemnot verbesserten sich schneller als die systemischen Symptome wie Müdigkeit.

Sieben der Patienten hatten während der Einnahme von Famotidin keine Nebenwirkungen. Bei den drei anderen Patienten waren diese mild, und alle bis auf vorübergehende Vergesslichkeit waren bekannte Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Einnahme des Arzneimittels.

Fazit

Die Forscher sind zwar optimistisch aufgrund dieser vielversprechenden Ergebniss. Sie weisen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse möglicherweise durch den Placebo-Effekte und durch die ärztliche telefonische Betreeuung beeinflusst wurden. Zudem war auch die Anzahl der Studienteilnehmer doch sehr gering.

„Unsere Fallserie deutet auf einen Nutzen der Behandlung mit Famotidin bei ambulanten Patienten mit COVID-19 hin, belegt diesen jedoch nicht“, warnen die Ärzte. Und es ist nicht klar, wie Famotidin wirken könnte.

Eine ambulante Studie mit oralem Famotidin, in der man die Wirksamkeit bei der Symptomkontrolle, der Viruslast und dem Krankheitsverlauf untersucht und die Auswirkungen des von Famotidin auf die Langzeitimmunität bewertet werden, sollte begonnen werden. Damit könnte man feststellen, ob Famotidin bei der Kontrolle von COVID-19 bei einzelnen Corona-Patienten wirklich von großem Nutzen sein kann.


Literatur:

Janowitz T, Gablenz E, Pattinson D, et al. Famotidine use and quantitative symptom tracking for COVID-19 in non-hospitalised patients: a case series. Gut Published Online First: 04 June 2020. doi: 10.1136/gutjnl-2020-321852

Quelle: British Journal of Medicine, BMJ Publishing Group Ltd


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