Medizin & Wissenschaft

Rechtzeitige Beatmung von Coronavirus-Patienten mit COVID-19: nicht zu früh und nicht zu spät

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online - 21. April 2020

Deutsche Lungenfachärzte erklären in einem Positionspapier, wie und wann die rechtzeitige Beatmung bei Coronavirus-Patienten mit COVID-19 erfolgen sollte.

Unter dem Strich zeigen aktuelle Studien, dass die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöste Lungenkrankheit COVID-19 bei einem Teil der Patienten eine Beatmung notwendig wird. Die COVID-19-Pneumonie kann bei bis zu jedem fünften der Infizierten zu einem schweren Verlauf führen. Wobei man drei bis fünf Prozent intensivmedizinisch betreuen muss.

Diagnostik, Monitoring, Therapie und Beatmung: Positionspapier zu Handlungsempfehlungen bei Coronavirus-Pneumonie COVID-19

Im Grunde genommen erleiden bei der COVID-19-Lungenkrankheit 15 bis 20 Prozent der Coronavirus-Infizierten einen schweren Verlauf. Ein Positionspapier, das die Fachgesellschaft DGP aktuell veröffentlicht hat, enthält Handlungsempfehlungen zu Diagnostik, Monitoring und Therapie einschließlich bei Coronavirus-Patienten.

Die Experten-Empfehlungen basieren auf aktuellen Studien und den Erfahrungen aus der Praxis. In ihrem Coronavirus-Positionspapier stellen die Experten Modelle zur Klassifizierung der Krankheitsverläufe bei COVID-19 vor und beantworten die Frage, wann welche Art der Beatmung angebracht ist.

Drei Phasen der COVID-19-Erkrankung mit unterschiedlich starken Symptomen

Wie eine COVID-19-Erkrankung verläuft, hängt stark vom allgemeinen Gesundheitszustand eines Menschen sowie etwaigen Vorerkrankungen ab.

„Nach aktuellem Kenntnis-stand ist der Verlauf bei 80 Prozent der Betroffenen mild. Bei etwa 20 Prozent der positiv getesteten Personen entwickelt sich nach den aktuellen Studien dagegen eine Erkrankung der Lunge“, sagt Professor Dr. med. Michael Pfeifer, Präsident der DGP und Mitautor des Positionspapieres.

Dabei durchlaufen an COVID-19 Erkrankte drei Phasen der Krankheit, die durch unterschiedlich starke Symptome gekennzeichnet sind, so der Experte.

Die COVID-19-Pneumonie äußert sich in der ersten Phase, der frühen Infektion, vor allem in Geschmacksstörungen, Halsschmerzen, Husten und in seltenen Fällen durch Durchfall.

In der zweiten Phase greift das Virus auf die Lunge über und löst Entzündungen des Lungengewebes aus, die rasch dazu führen können, dass die Sauerstoffversorgung im Körper gestört ist. In dieser Phase ist die Gabe von Sauerstoff erforderlich.

Schließlich ist die dritte Phase durch schwere Lungenschäden bis hin zum Organversagen gekennzeichnet. Spätestens in dieser Phase müssen viele Coronavirus-Patienten apparativ unterstützt werden – bis hin zur kontrollierten Beatmung über einen Tubus (Schlauch).

Rechtzeitig Maßnahmen

„Entscheidend ist es, jede dieser Maßnahmen rechtzeitig zu ergreifen“, sagt Dr. med. Michael Westhoff, stellvertretender Sprecher des Kompetenznetzwerks WeanNet und Mitautor des Positionspapieres.

„Um festzustellen, in welcher Phase der Erkrankung sich ein COVID-19-Patient befindet und wie schwer sein Lungengewebe bereits geschädigt ist, muss ein Patient eingehend untersucht und im Verlauf engmaschig überwacht werden“, so der Experte weiter.

Eine Röntgen- beziehungswewise eine CT-Untersuchung sowie die Blutgasanalyse geben Aufschluss über das Ausmaß der Lungenschäden.

Ein strenges Monitoring der Vital- und Blutwerte helfe dabei, die Entwicklung eines Lungenversagens, wie auch weiterer Organschädigungen festzustellen und frühzeitig behandeln zu können.

„Da es bislang kein Medikament gegen COVID-19 gibt, stellt die Beatmung schwer Erkrankter derzeit die einzige Behandlungsmöglichkeit dar“, stellt Professor Dr. med. Torsten Bauer, stellvertretender Präsident der DGP und Mitautor des Positionspapieres, fest.

Welche Methode zur Beatmung man anwenden sollte, hängt vom Krankheitsverlauf und dem Gesundheitszustand des Patienten ab. In einem bestimmten Krankheitsstadium ist die nicht-invasive Beatmung möglich. Wenn das nicht mehr ausreicht, dann muss der Coronavirus-Patient invasiv über einen Schlauch eine künstliche Beatmung erhalten.

In Deutschland ist es laut den Experten des Positionspapiers wichtig, den Erkrankten engmaschig zu überprüfen. Um nicht zu früh und nicht zu spät entscheiden zu können, wann welche Beatmungsmethode notwendig sei.

Die künstliche Beatmung führt bei Coronavirus-Patienten nicht grundsätzlich zu bleibenden Lungenschäden!

Die Fachgesellschaft tritt in ihrem Positionspapier zudem Behauptungen entgegen, dass die Patienten durch die Beatmung Schaden nehmen könnten. „Eine künstliche Beatmung löst nicht grundsätzlich bleibende Gesundheitsschäden an der Lunge aus“, so Bauer.

„Zwar gibt es Coronavirus-Patienten, bei denen der Heilungsprozess nach einer solchen Beatmung länger dauert. Einer vollständigen, möglicherweise durch Reha-Maßnahmen begleiteten Genesung steht jedoch in der Regel nichts im Wege.“

Jedenfalls ist bei schweren Verläufen von COVID-19 die Beatmung unabdingbar: „Sie ist eine lebensrettende Maßnahme für Menschen mit einer sehr schweren COVID-19-Erkrankung “, betonen die DGP-Experten.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP)


Download: Das vollständige Positionspapier der DGP können Sie unter dem folgenden Link abrufen: https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/COVID-19/20200417_DGP__app._Differenzialtherapie_ARI_bei_COVID-19.pdf


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