Medizin & Wissenschaft

Fressattacken: Zusammenhang von Impulsivität und Binge-Eating-Störung

Lesezeit: 2 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Die Neigung zu Impulsivität, wenn man sich ärgert, erhöht das Risiko für eine Binge-Eating-Störung, mit periodischen Fressattacken als Folge.

Negative Emotionen und Gefühle spielen eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Essattacken bei einer Binge-Eating-Störung. Wut und Traurigkeit sowie negative Emotionen im Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Erfahrungen scheinen besonders relevant zu sein. Dazu gehören Enttäuschungen, psychische Verletzungen oder auch Einsamkeit. Menschen mit Binge-Eating-Störung neigen aber auch dazu, ihre unerwünschten Emotionen zu unterdrücken, runterzuschlucken und darüber zu grübeln, was zu vermehrten psychopathologischen Gedanken und Symptomen führt. Amerikanische Wissenschaftler konnten unlängst aber auch einen Zusammenhang zwischen Impulsivität und der Neigung für Fressattacken beziehungsweise eine Binge-Eating-Störung als Folge belegen.

Impulsivität bei einer Binge-Eating-Störung mit Fressattacken als Folge

Binge Eating oder eine Binge-Eating-Störung – auf Englisch abgekürzt BES für Binge (Gelage) Eating Disorder – ist eine Essstörung, bei der es zu periodischen Heißhungeranfällen beziehungsweise Fressanfällen mit Verlust der bewussten Kontrolle über das Essverhalten kommt. Im Gegensatz zur Bulimie wird das Gegessene anschließend nicht erbrochen, so dass längerfristig meist Übergewicht die Folge ist.

„Je impulsiver man ist, desto eher neigt man dazu, eine Binge-Eating-Störung zu entwickeln,“ erklärt Kelly Klump, Professorin für Psychologie an der Universität Michigan und Letztautorin der Studie. „Es ist menschlich an einem schlechten Tag Trost zu suchen, aber unsere Forschung ergab, dass die Neigung zu Impulsivität als Reaktion auf negative Gefühle eines jener Persönlichkeitsmerkmale sind, die Essanfälle begünstigen,“ so Klump.

Essanfälle – übermäßiges unkontrolliertes Essen innerhalb kurzer Zeit – geschehen nicht einfach weil man einen schlechten Tag hat – sie hängen häufig damit zusammen, wie impulsiv man ist. „Mittlerweile ist klar, dass Menschen mit entsprechenden Essstörungen häufiger impulsiv und weniger selbstkontrolliert sind, als Personen mit Normalgewicht,“ erklärt die Wissenschafterin.

Essstörungen nach Kontrollverlust

Klump und ihr Team befragten 612 weibliche Zwillinge. Davon berichteten 14 Prozent von Essanfällen, Überessen (Konsum großer Mengen ohne Kontrollverlust) oder darüber, die Kontrolle über ihr Essverhalten verloren zu haben. Es stellte sich heraus, dass diese Essstörungen mit der Tendenz, in prekären Situationen impulsiv zu sein, zusammenhängen.

Aber nicht nur diejenigen, die zu Essanfällen neigen, sind impulsiv wenn sie etwas ärgert. „Sowohl Überessen als auch das Gefühl die Kontrolle verloren zu haben wenn nur kleine oder normale Mengen gegessen werden, kann ebenfalls mit impulsivem Verhalten in Verbindung gebracht werden,“ so Sarah Racine, Porfessor für Psychologie an der Universität Ohio und Erstautorin der Studie.

Impulsivität und Belohnungssensitivität

Impulsivität und Belohnungssensitivität – die Empfindung besonderen Genusses bei der Nahrungsaufnahme – scheinen besonders bei Menschen ausgeprägt zu sein, die unter einer Binge-Eating-Störung leiden. „Die aktuellen Erkenntnisse sind in Bezug auf die Behandlung von Ess-Störungen sehr interessant und sollten in der Therapie entsprechend berücksichtigt werden,“ so Klump. „Gelingt es uns die Ursache für Essanfälle als Reaktion auf negative Gefühle ausfindig zu machen, könnte dies dabei helfen, Betroffene entsprechend zu therapieren.“

Diagnostische Kriterien für eine Binge-Eating-Störung

  • mindestens zwei Essanfälle pro Woche über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten
  • Kontrollverlust während der Fressattacke, das Sättigungsgefühl geht verloren
  • sehr hohe Energiezufuhr durch Lebensmittel bei einem Essanfall
  • extrem hastiges Verschlingen des Essens
  • Essen bis zu einem starken Völlegefühl
  • das Binge-Eating wird nicht durch starken Hunger ausgelöst
  • durch die Binge-Eating-Störung treten Schuld- und Schamgefühle auf, dies kann zur Depression führen
  • die Betroffenen leiden sehr unter ihrer Binge-Eating-Störung und den dazugehörigen Fressattacken.

Bei unkontrollierten Fressattacken werden von Personen, die unter einer Binge-Eating-Störung leiden, gerne solche fettreiche und süße Lebensmittel gegessen, die einen hohen physiologischen Brennwert aufweisen. Im Gegensatz zu Patienten mit Bulimie oder Magersüchtigen unternehmen Patienten mit einer Binge-Eating-Störung nach dem Essen keine Maßnahmen, um eine Gewichtszunahme durch die überhöhte Energiezufuhr zu verhindern – wie Erbrechen oder intensives sportliches Training.


Literatur:

Racine, S.E., Burt, S.A., Keel, P.K., Sisk, C.L., Neale, M.C., Boker, S., Klump, K.L. (2015). Examining associations between negative urgency and key components of objective binge episodes. Int. J. Eat. Disord.. doi: 10.1002/eat.22412

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Quellen:

DI Alexandra Springler. Zusammenhang von Impulsivität und Binge-Eating-Störung. MEDMIX online 2015.

Kim Ward , Kelly Klump. IMPULSIVITY AND BINGE EATING. Michigan State University

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/binge-eating-disorder/basics/definition/con-20033155


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