Medizin & Wissenschaft

Erkältungssymptome mit geprüften Arzneipflanzen lindern

Lesezeit: 5 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Erkältungssymptome kann man mit einer Vielzahl von evidenzbasierten Phytopharmaka lindern, deren Wirkung und Sicherheit bei Erwachsenen und Kindern gut geprüft sind.

Die große Gruppe gängiger akuter Infektionen der oberen Atemwege ist für 75 Prozent der gesamten verschriebenen Antibiotika in Ländern mit hohem Einkommen verantwortlich. In vielen Fällen sind jedoch pflanzliche Arzneimittel wesentlich besser geeignet, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern Erkältungssymptome zu lindern. Mittlerweile steht eine Vielzahl von evidenzbasierter Phytopharmaka zur Auswahl, deren Wirkung und Sicherheit nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern gut geprüft sind.

Bei Atemwegserkrankungen können verschiedenste pflanzliche Mittel allein oder in Kombination zum Einsatz kommen. Als besonders effektive Wirkstoffe gelten Saponine, Alkaloide, ätherische Öle und Schleimstoffe. Im Folgenden ist eine Übersicht über besonders gut untersuchte pflanzliche Mittel zusammengestellt, die wirkungsvoll und nebenwirkungsarm Erwachsene und Kinder dabei unterstützen, verschiedenste Erkältungssymptome zu lindern.

Efeublätter

Efeu-Blätter sind wichtige Saponine-Vertreter.

Efeublätter (Hedera helix) enthalten vor allem Saponine, Flavonoidglykoside, Phenolcarbonsäuren, Polyacetylene und ätherisches Öl. Komplexe Mechanismen vermitteln schleimlösende Effekte, eine Abnahme der Schleimviskosität sowie der Intensität und Frequenz von Husten und darüber hinaus auch eine Entspannung der bronchialen Muskulatur. Nach Auswertung zahlreicher klinischer Studien kam das Kommittee für pflanzliche Medizinprodukte (HMPC) der Europäischen Medizin-Agentur (EMA) zu dem Schluss, dass Hedera helix bei Erwachsenen mit chronischer Bronchitis in vergleichbarem Ausmaß die Hustensymptomatik verbessert wie das häufig eingesetzte synthetische Mittel Ambroxol. Studien mit Kindern zeigten, dass Efeublatt-Zubereitungen bei akuter Bronchitis ebenso wirksam sind wie Acetylcystein. Laut der Europäischen Wissenschaftskooperative für Phytotherapie (ESCOP) ist Hedera helix bei Katarrhen der Luftwege, zur symptomatischen Behandlung chronisch-entzündlicher Bronchialerkrankungen sowie bei Husten – insbesondere mit übermäßiger Absonderung eines zähflüssigen Schleims – geeignet.

Thymian

Die Arzneipflanze Thymian gilt bei Husten zur Desinfektion als besonders wertvoll.

Wesentliche Inhaltsstoffe von Thymiankraut (Thymi herba) sind ätherisches Öl, Flavonoide, Triterpene und Phenolcarbonsäuren. Sie wirken krampflösend, antibakteriell, antimykotisch, antiviral und entzündungshemmend (Begrow F et al., Planta Med 2010;76(4):311-318. Epub 2009 Dec 6).

Laut EMA existiert keine akzeptable randomisiert-kontrollierte Studie zu Thymian als Monopräparat. Er ist jedoch als traditionell pflanzliches Arzneimittel verfügbar. Sehr wohl wurde Thymian jedoch in Kombination mit anderen Arzneipflanzen geprüft.

Beispielsweise konnten für Thymian und Efeu synergistische Effekte nachgewiesen werden (Wagner U. Pharmazie in unserer Zeit 2009;38(1):83-85). In einer doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie bei 361 Patienten mit akuter Bronchitis und Husten führte Thymian-Efeu-Hustensaft zu einer deutlichen Verbesserung von Husten, Sputum, Rasselgeräuschen, Atembeschwerden sowie Brustschmerz beim Husten (Kemmerich B et al., Arzneimittelforschung. 2006;56(9):652-60) Zu einem vergleichbaren Ergebnis kam eine Anwendungsbeobachtung bei 973 Kindern und Jugendlichen mit Bronchitis.

Eucalyptus

Gegen Husten und Schnupfen löst vor allem das ätherische Öl von Eukalyptus (Eucalyptus globulus) zähen Schleim.

Eucalyptus (Blätter/Öl) ist laut EMA ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Husten bei Erkältungen und laut ESCOP bei Erkältungskrankheiten der Luftwege indiziert (EMA/HMPC/307781/2012, 15. Juni 2013). Eine Reihe von klinischen Studien bestätigt die Wirksamkeit eines Kombinationspräparates aus ätherischen Ölen von Eukalyptusöl, Süßorange, Myrte und Zitrone bei Bronchitis und Rhinosinusitis. Die positiven Effekte sind auf eine Steigerung des Schleimabtransports, der Bekämpfung der Schleimhautentzündung sowie antimikrobielle Wirkungen zurückzuführen.

Spitzwegerich

Die Wirkung von Spitzwegerich zur Linderung von Schleimhautreizungen im Mund und Rachenraum und dem damit verbundenen trockenen Husten wurde offiziell anerkannt.

Die in den Blättern von Spitzwegerich (Plantago lanceolata) enthaltenen Polysaccharide bilden eine schützende Schicht auf der Schleimhaut. Darüber hinaus besitzt die Pflanze antimikrobielle, immunmodulatorische und entzündungshemmende Effekte. In einer Anwendungsbeobachtung bei 593 Patienten im Alter zwischen ein und 88 Jahren bewirkte Spitzwegerich-Sirup in rund 70 Prozent der Fälle nach drei Tagen eine starke Besserung der Hustensymptomatik (Loew D. Phytopharmaka III: Forschung und klinische Anwendung, 1997. Steinkopff, Darmstadt).

Eibischwurzel

Altbewährt, auch in vielen Hausmitteln enthalten, die seit Jahrhunderten bei Kindern und Erwachsenen genommen werden, um Erkältungssymptome zu lindern: Eibisch – Althaea officinalis – der Familie der Malvengewächse (Malvaceae) zugehörig.

Die ebenfalls zu den Schleimdrogen zählende Eibischwurzel (Althaeae radix) eignet sich zur symptomatischen Behandlung von Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und damit verbundenem trockenen Reizhusten (ESCOP, HMPC). Diese Effekte sind u.a. durch Anwendungsbeobachtungen und Ergebnisse aus pharmakologischen Untersuchungen belegt (Fasse et al., Praktische Pädiatrie 2005;11:3-8).

Mit Kombinationspräparat Erkältungssymptome lindern

Die schleimlösenden, antiviralen, antibakteriellen, sekretolytischen, entzündungshemmenden und immunmodulierenden Eigenschaften von Holunder (Sambucus nigra), Schlüsselblume (Primula veris), Gelbem Enzian (Gentiana lutea), Sauerampfer (Rumex alpinus) und Eisenkraut (Verbena officinalis) werden in dem pflanzlichen Fertigarzneimittel BNO 1016 synergistisch genutzt. Die Wirkung des Trockenextraktes ist bei akuter Rhinosinusitis gut dokumentiert (Jund R et al., Acta Otolaryngol. 2015 Jan;135(1):42-50).

Kapland-Pelargonie

Pelargonium sidoides konnte positive Wirkungen in mehreren Studien zum Lindern von Erkältungssymptomen bei Erwachsenen und Kindern unter Beweis stellen.

Das Wurzelextrakt der Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides, EPs® 7630,) wird in Südafrika seit Jahrhunderten traditionell u.a. bei Atemwegserkrankungen verwendet. Es enthält u.a. Cumarine, Phenolcarbonsäuren, Gerbstoffe und Flavonoide und wirkt antiviral, antibakteriell sowie sekretomotorisch (Phytomedicine. 2011;18(5):384-6; Antiviral Res. 2012;94(2):147-56, Theisen & Muller,. 2012. Reichling 2001, Conrad, A. et al. Phytomedicine, Volume 14, Supplement 1, 2007, 52–59). EPs® 7630 wurde in mehr als 30 klinischen Studien bei über 10.000 Patienten, davon ein Drittel Kinder unter zwölf Jahren, geprüft. Hier die Ergebnisse kurz zusammengefasst:

  • Bei Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren mit akuter Tonsillopharyngitis oder akuter Bronchitis linderte Pelargonium sidoides EPs® 7630 die Symptome und beschleunigte die Genesung. Obwohl EPs 7630 keine bekannte fiebersenkende Wirkung hat, konnten man die gleichzeitige Anwendung von Paracetamol reduzieren.
  • Wirksam und verträglich in der Behandlung und beim Lindern von Erkältungssymptomen, verkürzt die Krankheitsdauer und Arbeitsunfähigkeit (Heger 2005, Lizogub 2007);
  • Reduziert die Schwere der Erkältungssymptome und verkürzt die Arbeitsunfähigkeit von Patienten mit akuter Bronchitis (Chuchalin 2005, Matthys 2003, Matthys 2007, Kamin 2010, Kamin 2012;
  • Effektiv in der Behandlung der nicht Streptokokken bedingten Tonsillopharyngitis bei Kindern (Heger and Bereznoy 2002);
  • Wirksam zur Behandlung der akuten Sinusitis (Bachert 2009);
  • Sehr gute Verträglichkeit und nur selten Nebenwirkungen (Matthys 2007);

Eine aktuelle Meta-Analyse von 13 Studien mit fast 3.400 Patienten zeigte ermutigende Beweise für die Wirksamkeit und Sicherheit von Pelargonium sidoides Extrakt bei Kindern und Erwachsenen mit akuter Bronchitis sowie bei erwachsenen Patienten mit akuter Rhinosinusitis und bei Kindern mit akuter Tonsillopharyngitis (Matthys H et al., J Lung Pulm Res 2016;3:68-81).


Literatur:

Seifert G, Brandes-Schramm J, Zimmermann A, Lehmacher W, Kamin W. Faster recovery and reduced paracetamol use – a meta-analysis of EPs 7630 in children with acute respiratory tract infections. BMC Pediatr. 2019;19(1):119. Published 2019 Apr 23. doi:10.1186/s12887-019-1473-z

Matthys H, Heger M. Treatment of acute bronchitis with a liquid herbal drug preparation from Pelargonium sidoides (EPs 7630). A randomised, double-blind, placebo-controlled, multicentre study. Curr Med Res Opin. 2007;23(2):323-331. doi:10.1185/030079906X167318

Matthys H, Eisebitt R, Seith B, Heger M. Efficacy and safety of an extract of Pelargonium sidoides (EPs 7630) in adults with acute bronchitis. A randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Phytomedicine. 2003;10 Suppl 4:7-17. doi:10.1078/1433-187x-00308

Agbabiaka TB, Guo R, Ernst E. Pelargonium sidoides for acute bronchitis: a systematic review and meta-analysis [published correction appears in Phytomedicine. 2009 Aug;16(8):798-9]. Phytomedicine. 2008;15(5):378-385. doi:10.1016/j.phymed.2007.11.023


Quelle:

Statement » Erkältungssymptome pflanzlich lindern « von Univ.-Prof. Mag. Dr. Hermann Stuppner Präsident der HMPPA, Vorstandsmitglied der ÖGPhyt, Institut für Pharmazie/Pharmakognosie, Universität Innsbruck


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