Medizin & Wissenschaft

Die Pollensaison 2021 wird voraussichtlich milder ausfallen

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Für die heurige Pollensaison 2021 können Experten Entwarnung geben: denn der Pollenflug scheint unterdurchschnittlich zu werden.

Die Fragestellungen rund um Pollenallergien werden immer komplexer. Ihre Vielfalt nimmt zu, Klimaveränderung und Umweltfaktoren tun ihr Übriges. Antworten auf viele dieser Fragen liefert die Forschungsarbeit an der Medizinischen Universität Wien. Sie ist auch Basis für die kostenlosen Services des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien. ExpertInnen des Pollenwarndienstes der MedUni Wien gemeinsam mit der Informationsplattform IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung) stellten jetzt neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Services sowie Prognosen zur Pollensaison 2021 vor.

Für Menschen, die unter dem Blütenstaub von Hasel, Erle, Birke & Co leiden, ist der Frühling sowohl Freud‘ als auch Leid. Durch den Kälteeinbruch im Jänner verzögerte sich die Blüte von Hasel und Erle um zwei Wochen. Die Frühblüher haben ihre Belastungsspitze inzwischen überschritten und für eine durchschnittliche Saison gesorgt. Die nächste Belastungswelle folgt mit der Esche, deren allergologisches Potenzial oft unterschätzt wird.

„Ihre Blüte hat bereits begonnen und wird heuer voraussichtlich weniger intensiv als im langjährigen Schnitt ausfallen“, sagt Uwe E. Berger, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien. Ähnlich gut schaut’s mit dem Pollenflug der Birke aus: „Die Birke hat ein biologisches Muster: einer schwächeren Saison folgt eine starke. Dieses Muster hat der Alleebaum mit zwei intensiveren Saisonen 2019 und 2020 seit langem das erste Mal wieder unterbrochen. Für heuer ist damit eine eher unterdurchschnittliche Saison in ganz Österreich zu erwarten.“

Zunehmende Vielfalt in der Pollensaison 2021

Pollenallergien nehmen zu und werden immer vielfältiger. „Wir sind heute beinahe das ganze Jahr über mit Allergenen konfrontiert, die zum Teil vor einigen Jahren noch gar nicht als Allergie-Auslöser bekannt waren“, beschreibt Erika Jensen-Jarolim vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung an der MedUni Wien und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI), die heuer ihren 50. Geburtstag feiert. Die allermeisten ExpertInnen der IGAV sind übrigens auch ÖGAI-Members. So stehen in den österreichischen Gärten vermehrt exotische Pflanzen wie Oliven- und Feigenbäume oder die japanische Zeder, die hohes allergenes Potenzial haben und aufgrund der Klimaerwärmung auch in unseren Breiten immer besser gedeihen.

Apropos Klimaerwärmung: Der Luftschadstoff Ozon trägt bekanntermaßen maßgeblich zum Klimawandel bei, hat aber auch direkten Einfluss auf das allergische Geschehen. „Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass das Reizgas unabhängig von der Menge an Pollenkörnern in der Luft die Symptome vor allem bei Gräser- und Birkenpollen-Allergikern verschlechtert“, informiert Markus Berger, Mitarbeiter des Österreichischen Pollenwarndienstes und warnt: „Die Belastung muss trotz schwächerem Pollenflug daher nicht unbedingt als gering empfunden werden. Auch wenn der Pollenflug sehr plötzlich einsetzt, können die Belastungen als stark erlebt werden.“

Zur gärtnerischen Vielfalt im Konzert mit der Klimaveränderung sowie der Luftverschmutzung kommt das Phänomen der Kreuzreaktionen. Jensen-Jarolim erklärt: „Das bedeutet, ein Allergiker bzw. eine Allergikerin reagiert nicht nur auf ein Allergen aus einer Allergenquelle, sondern kann auch gegen strukturell ähnliche Allergene in anderen Pflanzen oder bestimmten Nahrungsmitteln sensibilisiert sein.“ Diese neue Vielfalt muss auch getestet werden können.

„Heute erlauben moderne Tests mit sehr vielen Allergenen, eine präzise Diagnose vorzunehmen. Mit dieser sogenannten molekularen Allergiediagnostik können auch Sensibilisierungen gegen seltene Pollen identifiziert und mögliche komplexe Kreuzreaktionen ausgeforscht werden“, sagt die Allergie-Expertin. Abgestimmt mit den berichteten Beschwerden und den Ergebnissen eines Hauttests können personalisierte Empfehlungen zur Allergenvermeidung, symptomatischen Therapie und ganz besonders zur allergenspezifischen Immuntherapie punktgenau eingesetzt werden.

Forschung ist Wegbereiter für Pollen-Services

Die Erkenntnisse aerobiologischer und medizinischer Forschungsarbeit sind die Basis der kostenlosen Services des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien, die für viele AllergikerInnen unverzichtbare Begleiter während der Blütezeit der Pflanzen sind. Ein neues Forschungsprojekt möchte nun die Symptomdaten der letzten Jahre mit denen aus dem Corona-Jahr 2020 vergleichen und so herausfinden, ob sich ein Mund-Nasen-Schutz auf allergische Beschwerden auswirkt. „Erste Daten zeigen, dass eine Maske, egal ob MNS oder FFP-Maske, Symptome vor allem an der Nase reduzieren könnte. Jedoch zeigten sich auch stärkere Symptome an den – ungeschützten – Augen“, so Markus Berger.


Quelle:

Medizinische Universität Wien: www.meduniwien.ac.at


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