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Rheumaerkrankung-en erhöht das Risiko für Begleiterkrankungen

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Rheumaerkrankungen bergen ein hohes Risiko für Begleiterkrankungen. Eine aktuelle deutsche Studie belegt die Gefahr einer Unterversorgung.

Rheumaerkrankungen erhöhen das Risiko für Komorbiditäten. Dementsprechend leiden Betroffene häufig auch an anderen Erkrankungen, wie eine auf deutsche Krankenkassendaten basierende Studie nun zeigte. Sowohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen, als auch Erkrankungen des Bewegungsapparats, der Lunge oder der Psyche sind demnach unter Rheumapatienten häufiger als unter gleichaltrigen Vergleichspersonen ohne Rheumatoide Arthritis. Außerdem sind offensichtlich Rheumapatienten weniger gut rheumatologisch versorgt, je mehr Begleiterkrankungen sie haben. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) setzt sich deshalb dafür ein, dass bei allen Patienten mit Verdacht auf Rheuma umgehend ein Rheumatologe konsultiert werden sollte.

Rheumaerkrankungen und 26 Begleiterkrankungen

Mediziner und Statistiker vom Department für Versorgungsforschung der Universität Oldenburg und dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) haben die Krankenkassendaten von insgesamt knapp 97.000 Rheumapatienten und 484.000 Vergleichspersonen mit ähnlichem Alters- und Geschlechtsprofil analysiert und 26 Begleiterkrankungen – sogenannte Komorbiditäten – erfasst.

Wie sich zeigte, leiden Patienten mit Rheumaerkrankungen besonders häufig auch unter Bluthochdruck (62,5 Prozent). Weiters tritt zusätzlich eine Arthrose (44 Prozent), hohen Blutfettwerten (40 Prozent) sowie Depressionen (31,8 Prozent) oft auf.

„Diese Krankheiten sind zwar auch bei den Vergleichspatienten die häufigsten“, sagt Dr. med. Katinka Albrecht vom Programmbereich Epidemiologie und Versorgungsforschung des DRFZ, wo das Verbundprojekt koordiniert wurde. Die absoluten Zahlen seien jedoch in der Vergleichsgruppe viel niedriger.

So sei etwa das Arthrose-Risiko in der Normalbevölkerung nur rund halb so hoch wie bei Patienten mit Rheumaerkrankungen. Schließlich seien Depressionen um rund ein Drittel seltener.

Ein deutlicher Unterschied zeigt sich auch bei der Osteoporose. Während rund jeder vierte Rheumapatient unter dem Verlust an Knochensubstanz leidet, ist es bei den Vergleichspatienten nur knapp jeder zehnte.

Rheumaerkrankungen bei multimorbiden Patienten

Die Krankenkassendaten wurden ergänzt um eine Befragung einer Zufallsstichprobe betroffener Versicherter. Es zeigte sich, dass die zusätzliche Krankheitslast nicht ohne Folgen bleibt. Je mehr Begleiterkrankungen die Patienten aufweisen, desto höher sind ihre gesundheitlichen Einschränkungen und desto seltener befinden sie sich in Behandlung bei einem spezialisierten Rheumatologen. „Es ist naheliegend, dass bei vielen Begleiterkrankungen der Hausarzt die führende Rolle übernimmt und gerade ältere Patienten nicht mehr für jede Komorbidität einen Spezialisten aufsuchen“, mutmaßt Albrecht.

Schließlich sollten Ärzte gerade ihre multimorbiden Patienten besonders intensiv rheumatologisch betreuen. Denn mit der Zahl der Krankheiten und der eingenommenen Medikamente steigt das Risiko von medikamentösen Wechselwirkungen und anderen Komplikationen deutlich an. „Dass gerade diese Patientengruppe eine schlechtere rheumatologische Behandlung erhält, ist absurd und muss geändert werden“, sagt Prof. Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg und medizinisch-wissenschaftlicher Leiter des ACURA-Rheumazentrums Baden Baden.

Rheumatologen zentrale Ansprechpartner

Als zentrale Ansprechpartner sei es vor allem Aufgabe der Hausärzte, Patienten mit Verdacht auf Rheuma auf die Möglichkeiten und die Notwendigkeit einer gezielten Therapie aufmerksam zu machen und an einen internistischen Rheumatologen zu überweisen. Denn bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter anti-entzündlicher Therapie ließen sich die Symptome in vielen Fällen beherrschen und Folgeschäden wie dauerhafte Bewegungseinschränkungen vermeiden.


Literatur:

Andres Luque Ramos, Imke Redeker, Falk Hoffmann, Johanna Callhoff, Angela Zink, Katinka Albrecht. Comorbidities in Patients with Rheumatoide Arthritis and Their Association with Patient-reported Outcomes: Results of Claims Data Linked to Questionnaire Survey. The Journal of Rheumatology. January 15 2019, jrheum.180668; DOI: https://doi.org/10.3899/jrheum.180668


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V. – www.dgrh.de


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