Medizin & Wissenschaft

Hochdosis-Steroidtherapie gegen Hörsturz und plötzlichen Hörverlust

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Mit einer Hochdosis-Steroidtherapie kann man Menschen, die unter einem plötzlichen Hörverlust – Hörsturz – leiden, wirksam behandeln.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO beschreibt, dass weltweit etwa 360 Millionen Menschen unter einem Hörsturz – dem beeinträchtigenden Hörverlust – leiden. 44 Millionen haben in der Europäischen Union eine Hörbehinderung, über 400.000 Menschen sind in der EU taub. Ein besonders beängstigendes Ereignis ist es, wenn ein Hörsturz ohne ersichtlichen Grund plötzlich auftritt. Das Krankheitsbild ist zwar schon seit langer Zeit bekannt, doch die Ursachen und die zugrunde liegenden Mechanismen sind nicht ausreichend erforscht. 

Hörsturz – plötzlich eintretender Hörverlust

Eine Hörsturz zu behandeln, ist oft sehr schwierig. Wenn die Therapie mit Medikamenten zur Wiederherstellung des Hörvermögens nicht oder nicht ausreichend erfolgreich ist, so müssen die betroffenen Patienten oft nur der Einsatz eines Hörgerätes oder einer Innenohrprothese, dem sogenannten „Cochlear-Implantat“.

Da aber trotz dieser Methoden für die Betroffenen meist nur eine teilweise Verbesserung erreicht werden kann und große Einschränkungen in der Klangqualität sowie in der Kommunikation mit anderen Menschen hinzunehmen sind, ist das soziale Leben der Patienten – im Berufsleben und im Alltag – sehr beeinträchtigt. Weiters stellen die Kosten der Versorgung mit Hörgeräten und elektronischen Hörimplantaten auch eine gesundheitsökonomische Herausforderung dar.

Bundesweite Studie zur Hörsturz–Therapie gestartet: HODOKORT

In bisherigen klinischen Studien zur Hörsturz-Therapie wurden weltweit verschiedene medikamentöse Optionen getestet. Ein Beweis für eine eindeutig wirksame Therapie konnte allerdings bisher nicht gefunden werde. Einige Daten lassen aber vermuten, dass der Erfolg der Hörsturz-Behandlung gegen den plötzlichen Hörverlust mit der Dosis der verwendeten Steroidtherapie steigt.

Die HODOKORT-Studie untersucht aktuell, ob eine Hochdosis-Steroidtherapie wirksamer ist als eine Therapie mit einer niedrigeren Dosis, die derzeit international als Standard einer Therapie mit Kortikosteroide angesehen wird. Damit soll eine valide Datenlage geschaffen werden, die es erlaubt, Menschen, die unter einem plötzlichen Hörverlust (Hörsturz) leiden, wirksam zu behandeln. 

Mit Hochdosis-Steroidtherapie Hörsturz behandeln

Die Patienten erhalten entweder eine der beiden zu prüfenden Hochdosis-Steroidtherapien, welche den bisherigen Standard darstellen. Oder die internationale Standard-Therapie bei Hörsturz mit niedrigerer Dosis. Um subjektive Beeinflussungsmöglichkeiten auszuschließen, weiß bis zum Ende der Studie niemand vom Studienteam (weder Patient, noch Prüfarzt, noch Statistiker, der die Daten auswerten wird), welcher Patient welchem Therapiearm zugeordnet ist.

Neben dem Ziel, eindeutige Daten für oder gegen eine Hochdosis-Steroidtherapie zu generieren, erhofft sich die Forscher Hinweise darauf, ob bei Vorliegen einer Überlegenheit der Hochdosis-Steroidtherapie, eine orale Gabe in Tablettenform der intravenösen Gabe über eine Infusion gleichwertig ist. Dies würde eine zusätzliche Erleichterung für die Patienten mit Hörsturz darstellen und die Therapie bei einem Hörsturz einfacher und für alle Betroffenen verfügbarer machen. 


Literatur:

Plontke SK. Diagnostik und Therapie des Hörsturzes [Diagnostics and Therapy of Idiopathic Sudden Sensorineural Hearing Loss]. Laryngorhinootologie. 2017;96(S 01):S103–S122. doi:10.1055/s-0042-122385


Quelle: Statement von Professor Dr. med. habil. Stefan Plontke anlässlich der 87. Jahresversammlung der DGHNO-KHC (3. Mai 2016, Düsseldorf).


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