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Gefahr Coronavirus-Erkrankung Covid-19: Schwangerschaft in der Corona-Pandemie

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Ultraschallexperten zur Schwangerschaft und Corona: was werdende Mütter und Mediziner über das Coronavirus und Covid-19 wissen sollten.

Die Coronavirus-Krankheit COVID-19, die wegen des schweren akuten respiratorischen Syndroms seit Januar 2020 die Corona-Pandemie verursacht, verläuft in den vielen Fällen bei schwangeren Frauen mild, wenngleich es auch Berichte über zunehmend schwerere Infektionen in der Schwangerschaft gibt. Ein rätselhaftes epidemiologisches Merkmal in der anhaltenden Corona-Pandemie ist aber die sehr hohe Rate asymptomatischer COVID-19-Infektionen bei Frauen in der Schwangerschaft. Dies ist rätselhaft, da systemische Immunveränderungen schwangere Frauen für eine erhöhte Schwere von Virusinfektionen der Atemwege, insbesondere Influenza A, prädisponieren.

Bislang hat man schließlich auch nur wenige Fälle von Coronavirus-SARS-CoV-2-Infektionen bei Frühgeborenen gemeldet. Unter dem Strich ist die Möglichkeit der Übertragung von SARS-CoV-2 in der Gebärmutter äußerst umstritten. Bei den wenigen gemeldeten Neugeborenen, die mittels PCR positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, gibt es keine Hinweise auf eine Übertragung in der Gebärmutter. Denn eine Infektion in der unmittelbaren Neugeborenen-Periode durch die Mutter konnte nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Sorgen in der Corona-Pandemie: Coronavirus-Erkrankung Covid-19 als Bedrohung in der Schwangerschaft

Im Grunde genommen machen sich schwangere Frauen nicht nur Sorgen um ihre eigene Gesundheit, sondern vor allem um die ihres ungeborenen Kindes. Während der Corona-Pandemie sind solche Bedenken in der Schwangerschaft bezügliche der Coronavirus-Erkrankung Covid-19 besonders groß. Doch nach der jetzigen – allerdings nach wie vor recht dünnen – Corona-Datenlage spricht vieles dafür, dass gesunde Frauen in der Schwangerschaft sowie ihre Feten durch das Coronavirus nicht gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung.

Um potenzielle Risikofaktoren für Mutter und Kind rechtzeitig zu erkennen, raten Experten zudem dazu, auch während der Corona-Pandemie ebenso wie generell die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrzunehmen. Dies gilt vor allem für die feindiagnostischen Ultraschallkontrollen. Da sich der behandelnde Arzt und die Schwangere bei diesen Untersuchungen sehr nahe gegenübersitzen, sollten in diesen Zeiten besondere Hygiene- und Schutzmaßnahmen gelten.

Corona-Pandemie: Gefahren der Coronavirus-Erkrankung COVID-19 für die Schwangerschaft

Die bisherige Datenlage von COVID-19 erkrankten Schwangeren, Entbundenen und Neugeborenen ist noch dünn. Diesen Erkenntnissen zufolge gehören gesunde Schwangere nicht zu einer besonderen COVID-19 Risikogruppe, denn lebensbedrohlich ist das Virus vor allem für gesundheitlich vorbelastete und für ältere Menschen. Zudem sind Männer häufiger betroffen als Frauen.

Doch das Coronavirus kann – ebenso wie andere Virusinfektionen – Auswirkungen auf den Verlauf einer Schwangerschaft haben. Wenn werdende Mütter regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen und insbesondere an feindiagnostischen Ultraschalluntersuchungen teilnehmen, können potenzielle Risikofaktoren wie ein Bluthochdruck oder ein Schwangerschaftsdiabetes frühzeitig ausfindig gemacht werden.

Da diese Frauen dann in eine besondere Risikogruppe bezüglich COVID-19 fallen, sollte ihr Schwangerschaftsverlauf besonders engmaschig kontrolliert werden. Sie könnten beispielsweise auch von einer Entbindung in einem Perinatalzentrum profitieren.

Hinweise auf mögliche kindliche Fehlbildungen durch das COVID-19 Virus sind allerdings bisher nicht bekannt. Zudem deutet die bisherige Datenlage nicht darauf hin, dass das Virus von der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden kann.

Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft regelmäßig wahrnehmen

Um sicherzugehen, ob mit dem Ungeborenen alles in Ordnung ist und ob bei Schwangeren Risikofaktoren wie etwa ein Diabetes oder ein Bluthochdruck vorliegen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, DEGUM, werdenden Müttern während der Corona-Pandemie ebenso wie generell Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft regelmäßig wahrzunehmen. Dazu gehören auch pränataldiagnostische Ultraschall-Untersuchungen wie die Feindiagnostik zwischen der 11. und 13. und der große Organultraschall um die 20. Schwangerschaftswoche.

Bei der feindiagnostischen Untersuchung um die 20. Schwangerschaftswoche können das Herz, die Arme und Beine sowie Gehirn und Gesicht des Fötus vollständig untersucht werden. So können wir also mit sehr hoher Gewissheit feststellen, ob mit der körperlichen Entwicklung des Ungeborenen alles in Ordnung ist.

Auch eine Untersuchung mit dem Doppler-Ultraschall sei empfehlenswert. So könne die Blutströmung in mütterlichen und kindlichen Gefäßen kontrolliert und somit überprüft werden, ob das Ungeborene durch die Plazenta ausreichend versorgt wird.

Besondere Sicherheitsmaßnahmen

Aufgrund der Corona-Pandemie führt die Berliner Praxis Untersuchungen bei Schwangeren momentan unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen durch. Diese sollten nach Ansicht des Experten während der Pandemie generell bei Untersuchungen in der Schwangerschaft gelten, um werdende Mütter bestmöglich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen.

Im Ordinationsalltag während der Corona-Pandemie sollten sich beispielsweise möglichst wenige Frauen in der Schwangerschaft gleichzeitig in der Praxis aufhalten. Das sollte man bei der Terminplanung berücksichtigt werden. Auch ein Mindestabstand von zwei Metern sollte im Wartezimmer und soweit es die jeweilige Untersuchung zulässt, möglichst auch im Untersuchungsraum eingehalten werden, um eine Ansteckung zu verhindern. Relevant ist zudem eine gründliche Händehygiene, Desinfektion, des Arztes und der Schwangeren.

Im Grunde genommen sollten auch Ärzte und medizinisches Personal nach Möglichkeit auch die Schwangere selbst eine Mund-Nasen-Schutz-Maske während der Ultraschall-Untersuchung tragen. Denn der Infektionsschutz von Schwangeren und Personal gilt als oberstes Gebot. Deswegen sollten auch Partner, Kinder oder Angehörige aus Infektionsschutzgründen nicht bei den Untersuchungen anwesend sein.

Jedenfalls bestehen mittlerweile nahezu überall reduzierte Besuchspläne. Weiter hat man auch virtuelle Ordinationsstunden schnell in die reale Versorgung integriert. Hierzu sind die Erfahrungen für viele Patienten und Ärzte sehr positiv.

Allerdings sind weitere Forschungen erforderlich, um gegebenenfalls auch die Sinnhaftigkeit solcher alternativer Ansätze zur pränatalen Versorgung bei verschiedenen unterschiedlichen Gruppen von Frauen in der Schwangerschaft auch außerhalb der Corona-Pandemie zu analysieren.

Quarantäne bei COVID-19-Patientinnen in der Schwangerschaft

Wenn werdende Mütter an COVID-19 erkrankt sind, muss die Untersuchung bis nach der Quarantäne verschoben werden. „Wenn eine Schwangere unter Verdacht steht, an COVID-19 erkrankt zu seien, sollte sie besser in einer klinischen Einrichtung betreut werden, in der die behandelnden Ärzte entsprechende Schutzkleidung tragen.

Bei Schwangeren, bei denen kein Verdacht auf die Virusinfektion besteht, sollten die Ultraschallkontrollen aber zum Wohl von Mutter und Kind möglichst nach wie vor stattfinden. Um die Schwangere und das medizinische Personal vor einer COVID-19-Infektion bestmöglich zu schützen, sollten die Hygieneanforderungen dabei dringend eingehalten werden.

Fazit

Unter dem ist das Wissen darüber, wie die Coronavirrus-Erkrankung COVID-19 Neugeborene und schwangere Frauen beeinflusst, ist begrenzt. In den meisten Fällen ist der Covid-19-Verlauf in der Schwangerschaft mild, wenngleich es auch schwere Verläufe gibt. In einigen beschriebenen Fällen war auch eine eingeleitete Geburt erforderlich, da die Mütter eine schwere COVID-19-Pneumonie entwickelte. Bis die Ergebnisse multizentrischer Corona-Studien zur Verfügung stehen, ist es wichtig, Erfahrungen mit Fallberichte zu publizieren, um in der Zwischenzeit das Verständnis der Auswirkungen von Coronaviren und Covid-19 auf Neugeborene und in der Schwangerschaft zu verbessern.


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Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) 


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