Medizin & Wissenschaft

Erfolgreiche Schmerztherapie mit Empathie und Achtsamkeit

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Achtsamkeit kann die innere Haltung von chronischen Schmerzpatienten so verändern, sodass sie die Schmerztherapie als wirksamer wahrnehmen.

Unter dem Strich hat sich zu Beginn des Jahrtausends die Verhaltenstherapie für Patienten mit chronischen Schmerzen deutlich verändert. Heute nimmt die Entwicklung der Achtsamkeit in der Schmerztherapie eine wichtige Rolle ein. Dazu gehören der Umgang mit komplexen Gefühlslagen, einer mitfühlenden Kommunikation sowie auch das Verarbeiten von Schmerzen und Mitgefühl. Dazu gibt es verschiedene effektive Übungen zur Achtsamkeit.

Im Grunde genommen stammt die Praxis der Achtsamkeit ursprünglich aus dem Buddhismus. Allerdings können Übungen zur Achtsamkeit durchaus auch Patienten mit chronischen Schmerzen helfen, die mit Religion und Spiritualität wenig anzufangen wissen. Jedenfalls sollen die chronischen Schmerzpatienten ein sanftes Wohlgefühl trotz Schmerzen entwickeln. Und sie sollen den Körper, die Gedanken und ihre Gefühle sowie Situationen und Gewohnheiten im Hier und Jetzt positiv erleben.

Achtsamkeit für ein grundlegendes Verständnis der Scherzen und allem was dazu gehört

Im Grunde will man mit Achtsamkeit erreichen, dass sich Patienten ihre Schmerzen vergegenwärtigen und auch akzeptieren. Sie sollen es schaffen lernen, ihre Schmerzen sowie die Angst und die Depression anzunehmen. Und sie sollen diese objektiv und losgelöst von negativen Gefühlen und Gedanken beobachten. Dann verschwindet die Sehnsucht nach einer Veränderung des Zustands.

Schließlich soll die Achtsamkeit in der Schmerztherapie dazu führen, dass die Patienten mit der Behandlung schneller zufrieden sind. Außerdem soll sie ihnen ein Gefühl der inneren Ruhe bringen. Dazu gehört, dass sie die Vorstellung loslassen, dass sie keine Schmerzen mehr haben. Übungen zur Achtsamkeit sollen auch dabei helfen, dass die Patienten zufriedener sind. Und dass sie nicht mehr ständig die gegenwärtige Situation mit einem erwünschten, meist unrealisitischen Zustand vergleichen.

Die Verfahren in der Schmerztherapie, die auf Achtsamkeit basieren, sind nachweislich erfolgreich.

Die kognitive Verhaltenstherapie lehrt die Patienten, dass sie die Schmerzen als chronischer Zustand ansehen, den man medizinisch nicht heilen kann. Dazu gehören verschiedene Verfahren in der Schmerztherapie, die auf Achtsamkeit basieren, haben in den letzten Jahren erhebliche Aufmerksamkeit erlangt. Bei der Achtsamkeit findet eine Konzentration auf den gegenwärtigen Moment und Zustand statt. Es wird vermutet, dass die Achtsamkeit auch die Empathie verstärken kann. Verschiedene Studien haben bereits ermutigende Resultate zu Anwendungen, die auf Achtsamkeit basieren, gebracht. Das war beispielsweise in der Behandlung chronischer Schmerzen bei Fibromyalgie sowie bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen der Fall.

Das Motto für den diesjährigen Schmerzkongress war „MitGefühl zum Schmerz“. Dieses geschah bewusst doppeldeutig. Zum einen betrifft dies den Aspekt, dass man sich „mit Gefühl“ der Schmerzmedizin nähern kann. Zum anderen kann es den Aspekt „Mitgefühl für Schmerzpatienten“ betreffen.


Literatur:

Amanda J. Burger,  Mark A. Lumley,  Jennifer N. Carty,  Deborah V. Latsch, Elyse R. Thakur, Maren E. Hyde-Nolan, Alaa M. Hijazi, Howard Schubiner. The Effects of a Novel Psychological Attribution and Emotional Awareness and Expression Therapy for Chronic Musculoskeletal Pain. A Preliminary, Uncontrolled Trial. J Psychosom Res. 2016 Feb; 81: 1–8. Published online 2015 Dec 11. doi: 10.1016/j.jpsychores.2015.12.003

Mark A. Lumley, Howard Schubiner, Nancy A. Lockhart, Kelley M. Kidwell, Steven E. Harte, Daniel J. Clauw, David A. Williams. Emotional awareness and expression therapy, cognitive-behavioral therapy, and education for fibromyalgia. A cluster-randomized controlled trial. Pain. 2017 Dec; 158(12): 2354–2363. doi: 10.1097/j.pain.0000000000001036


Quellen:

Statements » „MitGefühl zum Schmerz“ – mit Empathie und Achtsamkeit zu einer erfolgreichen Schmerztherapie «. Professor Dr. med. Christian Maihöfner, Kongresspräsident des Deutschen Schmerzkongresses 2019. Chefarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Fürth. Und Professor Dr. med. Till Sprenger, Kongresspräsident des Deutschen Schmerzkongresses 2019. Ärztlicher Direktor und Chefarzt der DKD Helios Klinik Wiesbaden. Deutscher Schmerzkongress der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG). Oktober 2019, Mannheim


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 Fotolia #115800784 | Urheber: momius


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