Medizin & Wissenschaft

Urgetreide, Dinkel Emmer und Einkorn haben hohes Marktpotenzial

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Die Urgetreide-Sorten Dinkel, Emmer und Einkorn haben mit ihren gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe hohes Marktpotenzial. Interessant ist auch der Waltstaudenroggen.

Alte Getreidearten verzeichnen zunehmend einen wachsenden Marktanteil. Sie besetzen eine Nische, die aber kontinuierlich wächst. Die Urgetreide-Sorten Emmer und Einkorn sowie der Dinkel haben ein hohes Marktpotenzial. Der Trend nach gesundheitsfördernden, regional erzeugten Lebensmitteln eröffnet Landwirten, Mühlen und kleinen Bäckereien alternative Marktsegmente. Doch Anbau und Verarbeitung stellen Bauern und Bäcker auch vor Herausforderungen.


Die Urgetreide-Sorten Dinkel, Emmer und Einkorn enthalten wertvolle Nährstoffe und sind auch sehr schmackhaft!

Es ist natürlich wichtig, dass man den Mehrwert von Urgetreide den Kunden klar macht. Das ist vor allem auch wichtig um den Bekanntheitsgrad weiter zu steigern und um die höheren Preise zu erklären. Neben den besonderen Inhaltsstoffen und dem außergewöhnlichen Geschmack könnten die Bäckereien die Produkte aus den Urgetreide-Sorten Dinkel, Emmer und Einkorn auch so sehr gut bewerben.

Denn die Urgetreide-Sorten Einkorn, Emmer und Dinkel sind knapp. Die alten Getreidearten ermöglichen zudem völlig neue Geschmackserlebnisse in Brot, Pasta und Getränken.

Mit Einkorn und Emmer erzielt man beispielsweise intensiv nussiges Gebäck. Das Einkorn hat zudem einen sehr hohen Gehalt an Carotinoiden und kann Brote gelb färben.

Die Marktlage zeigt gute Chancen für die alten Urgetreide-Sorten wie Dinkel, Emmer und Einkorn.

Dinkel und Emmer werden momentan im Vergleich zum Weizen nur in kleiner Menge angebaut. Auch auf Terminbörsen oder aus anderen Ländern sind sie nicht zu kaufen. Deswegen hängt die Handelsmenge auch direkt von der Produktion in unseren Breiten ab. Wobei der Bedarf zwar stetig ansteigt.

Allerdings ist er aber schwer zu kalkulieren. Denn Angebot und Nachfrage schwankt noch von Jahr zu Jahr. Allerdings bescheinigen Urgetreide-Experten dem Emmer und dem Einkorn ein hohes Marktpotenzial. Im Grunde genommen unterstützen die aktuellen Trends nach Ursprünglichkeit, Regionalität und gesundheitsfördernden und -erhaltenden Inhaltsstoffen die Vermarktung dieser Getreidearten.

Verarbeitung von Urgetreide: Handwerkskunst hat ihren Preis

Für den höheren Preis ist auch die andere Verarbeitungsweise von Einkorn, Emmer und teilweise Dinkel verantwortlich. Denn die klebrig-fließenden Teige erfordern viel handwerkliches Geschick. Allerdings lassen sich mit handwerklichem Geschick außerordentlich gute Produkte daraus erschaffen. Das ist wiederum eine große Chance für das Bäckerhandwerk, sich in dem hart umkämpften Bäckermarkt mit Spezialitäten zu behaupten. Jedenfalls suchen immer mehr Verbraucher nach Produktalternativen zum klassischen Weizen. Wobei der Dinkel mittlerweile schon fest etabliert ist. Die Urgetreide Emmer und Einkorn sind noch neu im Trend.


Gesundheitsaspekte: Inhaltsstoffe fördern Gesundheit

Ein Grund für das zunehmende Interesse der Verbraucher an den alten Getreidearten sind gesundheitliche Aspekte. Denn heutzutage leiden oft vor allem auch junge Menschen beim Konsum von Brotweizen unter Unverträglichkeiten. Und zwar sind das solche wie Bauchgrimmen und Blähungen, die beim Verzehr von Dinkel nicht auftreten. Jedoch sind Einkorn, Emmer und Dinkel für Zöliakiepatienten nicht geeignet. Denn sie alle enthalten ebenfalls Gluten.

Darüber hinaus weisen sie allerdings ein interessantes Spektrum an gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffen auf. Denn Vollkornmehle dieser Arten können wichtige Quellen für die Vitamine B1, B3, B6 und E sein. Einkorn enthält im Vergleich zu Weichweizen zudem die sechs- bis zehnfache Menge an Lutein, das der Körper nicht selbst bilden kann. Es wirkt im menschlichen Auge als UV-Filter und Antioxidans und schützt so die Funktionsweise der Netzhaut. Einkorn hat damit das Potenzial zum Golden Wheat. Er ist auch im Gegensatz zum Golden Rice natürlich ohne Gentechnik entstanden.

Anbau: Herausforderung und Chance für Landwirte

Beim Anbau von Einkorn, Emmer und Dinkel sind einige Besonderheiten zu beachten. Im Dinkel gelang es beispielsweise, standfeste Sorten wie Divimar, Zollernspelz, Badenstern und Filderstolz zu züchten. Doch bei Einkorn und Emmer gibt es bisher nur langstrohige Sorten. Und die kippen leicht um, was man in den Versuchsfeldern auch deutlich sieht. Die Züchter versuchen gerade intensiv, die Standfestigkeit dieser Getreidearten zu verbessern.

Experten empfehlen bei Emmer die Sorten Ramses und Heuholzer Kolben und bei Einkorn Tifi und Svenskaja. Dabei sollte man unbedingt eine gute Saatgutqualität nur von diesen Sorten zu kaufen. Man findet zwar auch andere Sorten im Internet oder bei einem anderen Landwirt. Aber sie sind im Anbau schwierig, meist von schlechter Qualität und nicht vom Saatgutprofi vermehrt. Im Anbau und in der Verarbeitung machen sie daher große Probleme. Für den Landwirt heißt das: Wenig düngen und gegebenenfalls chemische Halmverkürzer verwenden.


Produktionskosten sind bei Urgetreide höher

Emmer und Einkorn haben geringere Erträge als Brotweizen oder moderne Dinkelsorten. Für den Landwirt ist der Anbau daher nur rentabel, wenn er einen Preisaufschlag erhält. Die Kornerträge erzielen bei Einkorn 45 Prozent, bei Emmer 60 Prozent und bei Dinkel 70 Prozent im Vergleich zum Weizen.

Geeignete Maßnahmen wie Mittel gegen Schädlinge wie Pilze sowie Wachstumsregler steigern zudem den Ertrag um bis zu 25 Prozent. Hinzu käme jedoch ein zusätzlicher Arbeitsgang nach der Ernte zur Abtrennung der Kerne von den Spelzen, der ebenfalls die Produktionskosten erhöht.

Eine Anbaualternative zu Urgetreide sind Waldstaudenroggen

Doch bei aller Liebe zu Einkorn, Emmer und Dinkel ist das Ende der Fahnenstange beim Urgetreide noch nicht erreicht. Denn es gibt durchaus noch weitere Getreidearten, die einer Wiederentdeckung harren. Hier stehen beispielsweise derzeit der Waldstaudenroggen im Blickpunkt.

Dieser ausdauernde Urroggen treibt nach der Ernte erneut aus der Stoppel aus. Er spielte allerdings in den letzten Jahrzehnten wegen seines geringeren Kornertrags und seiner Spindelbrüchigkeit in der praktischen Landwirtschaft kaum noch eine Rolle.

Gerade als klassischer Zweinutzungsroggen, der bereits über Jahrhunderte für die Biomasseerzeugung und Nahrungsmittelversorgung genutzt wurde, könnte er aktuell eine neue Anbau-Alternative darstellen. Und zwar etwa auf Grenz-Standorten oder Betrieben mit hoher Faktorentlohnung wie beispielsweise Sonderkultur- und Nebenerwerbsbetriebe. Ökologie, Bodenschonung und Erosionsschutz würden immer wichtiger. Und damit könnte auch der Waldstaudenroggen eine neue Chance erhalten.



Quelle: https://www.uni-hohenheim.de


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#134019849 | Urheber: marilyn barbone


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