Medizin & Wissenschaft

Zusammenhang bestätigt: Soziale Faktoren und Gesundheit

Lesezeit: 5 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Soziale Faktoren wie geringer Bildungsstand und Arbeitslosigkeit korrelieren mit Risikofaktoren zur Gesundheit wie Rauchen und starkes Übergewicht.

Wie stark beeinflussen soziale Faktoren – die Lebenslage und der soziale Status – den individuellen Gesundheitszustand und das Verhalten zur Gesundheit? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen beauftragten Analyse jener Daten, die Statistik Austria im Rahmen der Österreichischen Gesundheitsbefragung unlängst erhoben hat.

Soziale Faktoren und gesundheitliche Risikofaktoren

Die Daten zeigten, dass soziale Faktoren wie Bildungsstand, Erwerbsstatus und auch die Art der beruflichen Tätigkeit einen prägenden Einfluss auf das Verhalten zur Gesundheit haben. So stehen ein geringer Bildungsstand und Arbeitslosigkeit häufig mit gesundheitlichen Risikofaktoren wie Rauchen und starkes Übergewicht oder einer schlechteren Einschätzung der eigenen Gesundheit in Zusammenhang.

Unabhängig von der Altersstruktur zeigten sich hinsichtlich des Rauchverhaltens bei beiden Geschlechtern deutliche Bildungseffekte. Männer mit Abschluss der Pflichtschule rauchten mehr als doppelt so häufig (38%) wie Männer mit Matura oder Hochschulabschluss (17%). Bei den Frauen waren diese Unterschiede noch deutlicher (38% zu 12%).

Im Vergleich zur Gesundheitsbefragung 2006/07 blieben bei den Männern die Bildungsunterschiede unter den täglich Rauchenden nahezu unverändert, während sie sich bei den Frauen vergrößert haben. Das Vorliegen von Arbeitslosigkeit erhöhte bei beiden Geschlechtern die Häufigkeit des täglichen Rauchens (Arbeitslose: Frauen 46%, Männer: 58%; Erwerbstätige: Frauen 29%, Männer 30%).

Ein ähnliches Bild zeigte sich beim Auftreten von starkem Übergewicht: Personen mit geringerer Schulbildung hatten häufiger starkes Übergewicht als jene mit höherer Schulbildung (Frauen: 19% zu 7%, Männer: 24% zu 11%). Auch die Arbeitslosigkeit beeinflusste das Auftreten von Adipositas deutlich, bei Frauen ausgeprägter als bei Männern. Lediglich 10% der erwerbstätigen Frauen, jedoch 23% der arbeitslosen Frauen hatten starkes Übergewicht (Männer: 14% zu 21%).

Subjektiver Gesundheitszustand und gesunde Lebenserwartung

Generell ist die Einschätzung der eigenen Gesundheit stark von Alter und Geschlecht abhängig. Ältere Personen schätzen ihren Gesundheitszustand häufiger negativer ein als Jüngere, Frauen schlechter als Männer. Aber auch andere soziale Faktoren beeinflussen die eigene Wahrnehmung zur Gesundheit stark. Und zwar allen voran niedrige Schulbildung sowie Arbeitslosigkeit. Wenn man den Einfluss des Alters ausschließt, dann beurteilten formal höher gebildete Personen ihre Gesundheit zu 85% (Frauen) und 87% (Männer) mit sehr gut oder gut.

Von den Personen mit maximal einem Pflichtschulabschluss fühlten sich nur 67% der Frauen und 69% der Männer gesundheitlich sehr gut oder gut. Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede in der Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands zwischen erwerbstätigen und arbeitslosen Personen. Nur 60% der Frauen bzw. 63% der Männer, die von Arbeitslosigkeit betroffen waren, schätzten ihren Gesundheitszustand positiv ein, im Gegensatz zu 88% der Frauen und 89% der Männer in Erwerbstätigkeit.

Die in den Daten erkennbaren Unterschiede in der Einschätzung der eigenen Gesundheit setzen sich auch in der Lebenserwartung fort. Und insbesondere in der gesunden Lebenserwartung. Frauen und Männer mit höherer Schulbildung leben nicht nur länger als jene mit Pflichtschulabschluss, sondern sie können auch mehr Lebensjahre in guter Gesundheit verbringen. Die Bildungsunterschiede in der Lebenserwartung sind bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen.

Frauen mit Hochschulabschluss leben um 2,7 Jahre länger als Pflichtschulabsolventinnen, bei den Männern beträgt diese Differenz 5,7 Jahre. Noch größer sind die bildungsspezifischen Unterschiede bei der Seite 2 von 2 gesunden Lebenserwartung: Hochgebildete Frauen und Männer verbringen um 13,4 Jahre mehr in guter Gesundheit als Pflichtschulabsolventinnen und Pflichtschulabsolventen.

Detaillierte Ergebnisse finden Sie in der Publikation „Soziodemographische und sozioökonomische Determinanten von Gesundheit – Auswertungen der Daten des Austrian Health Interview Survey (ATHIS 2014) zu Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“ auf unserer Webseite.

Methodische Informationen, Definitionen:

Schließlich führte die Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit sowie der Bundesgesundheitsagentur von Oktober 2013 bis Juni 2015 eine auf der Europäischen Gesundheitsbefragung basierende österreichweite Erhebung zum Thema Gesundheit durch. Dabei hatte man insgesamt 15.771 zufällig ausgewählte Personen im Rahmen eines telefonischen Interviews untersucht sowie mittels schriftlichen Fragebogens befragt. Die Ergebnisse sind jedenfalls repräsentativ für die Bevölkerung in Privathaushalten ab 15 Jahren. Und zwar waren das hochgerechnet 7,2 Mio. Personen.

Im Grunde genommen zeigte der Bericht die gesundheitliche Situation der Wohnbevölkerung Österreichs. Und zwar nach Einkommenssituation, Bildungsstatus, berufliche Tätigkeit, Arbeitslosigkeit sowie Migrationshintergrund.

Soziale Faktoren und zentrale Aspekte der Gesundheit in die Analyse einbezogen

Subjektive Beurteilung des Gesundheitszustandes („Wie ist Ihre Gesundheit im Allgemeinen?“).

Chronische Krankheiten und Gesundheitsprobleme, Schmerzen, Lebensqualität, starkes Übergewicht (Adipositas), tägliches Rauchen sowie körperliche Aktivität in der Freizeit,.

Weiter Impfungen, Untersuchungen zur Früherkennung von Krebs sowie soziale Unterstützung.

Ebenso wurden die Zusammenhänge zwischen dem Gesundheitszustand von Kindern und dem sozioökonomischen Status des Haushalts aufgezeigt.

Tabelle: Indikatoren zum Gesundheitsverhalten, eigene Gesundheitswahrnehmung, soziale Faktoren und Lebenserwartung nach Schulbildung bzw. Erwerbsstatus und Geschlecht

Tabelle


Quelle: Statistik Austria


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