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Humane Rhinoviren sind das ganze Jahr über aktiv

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Humane Rhinoviren verursachen nicht nur harmlose Infektionen wie Erkältungen. Vor allem Kleinkindern, Ältere oder Menschen mit schwachem Immunsystem können schwer erkranken.

Wir sind derzeit vor allem mit SARS-CoV-2 beschäftigt. Allerdings gibt es aktuell wieder deutlich mehr Infektionen mit anderen respiratorischen Viren, den Rhinoviren, die für sehr viele, meist harmlose Erkältungen verantwortlich sind. Humane Rhinoviren zirkulieren das gesamte Jahr über und zeigen im Frühjahr und Herbst einen Aktivitätsgipfel.

Diese eher geringe Saisonalität steht im Gegensatz zu den meisten anderen respiratorischen Viren. Wie beispielsweise Influenzaviren oder RSV, bei denen eine zeitlich begrenzte epidemische Aktivität beobachtet werden kann.

Rhinoviren gehören zur Familie der Picornaviridae, und es können 3 Spezies (RVA bis RV-C) unterschieden werden, die wieder in weitere Genotypen unterteilt werden. Derzeit sind insgesamt 130 humanpathogene Rhinovirus Genotypen bekannt.

Humane Rhinoviren verursachen zwei Drittel aller Erkältungen

Durch ihre genetische Diversität sind sie für die Hälfte bis zwei Drittel aller Erkältungen verantwortlich. Kinder können 8 bis 12 Rhinovirusinfektionen pro Jahr durchmachen. Hingegen erleiden Erwachsene nur noch 2- bis 3-mal jährlich klinisch evidente Infektionen mit den Rhinoviren.

In der Regel verlaufen Infektionen mit Rhinoviren komplikationslos. Üblicherweise treten nach einer Inkubationszeit von 24 bis 72h bei den Betroffenen die charakteristischen Symptome auf. Dazu zählen eine verstopfte Nase, Schnupfen, Husten, Niesen, Halsschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Die ersten KrankheitssymptomeKopfschmerzen, Niesen, Frösteln – können bereits 10 bis 12 h nach einer Ansteckung auftreten und beruhen auf der im Rahmen der Immunantwort gegen das Virus bedingten Zytokinfreisetzung.

Diese initialen Symptome bessern sich bereits nach 1 bis 2 Tagen. Während andere wie Schnupfen, Behinderung der Nasenatmung und Husten über mehrere Tage langsam zunehmen. Denn diese Symptome sind eine Folge der lokalen Entzündungsreaktion der Schleimhäute. Die Symptomatik endet in der Regel nach etwa 7 bis 14 Tagen.

Humane Rhinoviren können auch schwere Erkrankungen verursachen

Unter dem Strich verusachen Rhinoviren jedoch nicht nur banale Erkältungen. Vor allem bei Kleinkindern, älteren oder immunsupprimierten Personen können die scheinbar harmlosen Schnupfenerreger auch zu tiefen Atemwegserkrankungen führen. Und zwar wie obstruktiver Bronchitis, Pseudokrupp sowie Pneumonie. Außerdem sind Rhinoviren für 40 bis 50% der Asthmaattacken und COPD-Exazerbationen verantwortlich. Schließlich können sie auch hochfieberhafte, Influenza-ähnliche Erkrankungen verursachen.

Die Symptomatik und die Schwere der Erkrankung wird vor allem vom Alter und der Immunkompetenz der Infizierten und durch Rhinovirus-Spezies und Genotyp bestimmt. So verursachen beispielsweise RV-B-Infektionen meist einen milden Krankheitsverlauf. Das ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass bei Rhinoviren B die Vermehrung, verglichen mit jener von RV-A oder RV-C, langsamer abläuft. Zudem sind die produzierten Viruskonzentrationen niedriger.

Aktuell Zunahme von Rhinovirus-Infektionen

Aktuell kann, wie bereits in den epidemiologischen Trends der letzten Virusepidemiologischen Informationen vermerkt, eine Zunahme von Infektionen mit humanen Rhinoviren beobachtet werden. Das stellt in Zeiten der SARS-CoV-2 Pandemie ein zusätzliches Problem dar. Sowohl SARS-CoV-2- als auch Rhinovirus-Infektionen zeigen ein breites und teilweise schwer unterscheidbares Spektrum an klinischen Symptomen. Für die KollegInnen in der klinischen Praxis ist die Unterscheidung zwischen einer SARS-CoV-2- und einer Infektion mit dem Rhinovirus-Infektion in vielen Fällen ohne labordiagnostische Abklärung wohl nicht möglich.

Diagnostik

Die labormedizinische Diagnostik einer Rhinovirus Infektion erfolgt, ebenso wie bei der SARS-CoV-2 Infektion, durch einen direkten Nukleinsäurenachweis mittels PCR aus dem respiratorischen Sekret oder dem Nasen-Rachenabstrich. Beide Untersuchungen werden am Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien angeboten.


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Quelle:

VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 14 / 20-4.

Doz.in Dr.in Monika Redlberger-Fritz

Department für Virologie der Med. Universität Wien.


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Pixabay #1750028|Urheber: jrvalverde


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