Medizin & Wissenschaft

Vorsicht vor Zecken: für Menschen, aber auch Hunde und Katzen

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Vorsicht vor Zecken, denn sie können – als Überträger von Borreliose, FSME und Babesiose – dem Menschen, sowie auch Hunden und Katzen gefährlich werden.

Auch heuer sind die Zecken wieder sehr aktiv, daher sollten die Menschen für sich aber auch für ihre Hunde und Katzen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Denn vor Zecken ist Vorsicht geboten, gelten sie doch laut Experten als das gefährlichste Tier in unseren Breiten. Kein anderes Tier ist für so viele Infektionen verantwortlich wie dieser kleine Parasit, Zecken sind Überträger von Borreliose, FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) sowie der Babesiose bei Tieren.

Zecken nehmen auch in der Corona-Pandemie das Abstand halten nicht ernst

Bei schönem Wetter und gelockerten Corona-Maßnahmen strömen die Menschen wieder ins Freie und rücken damit den Zecken näher. Damit steigt auch wieder das Risiko, dass man sich mit FSME oder Borreliose infiziert.

Vielen Menschen ist noch immer nicht bewusst, dass ganz Österreich ein Risikogebiet ist. 2019 mussten über 100 Personen aufgrund einer FSME-Erkrankung im Spital behandelt werden. Besser gesagt konnte man bei 108 hospitalisierten Patientinnen und Patienten FSME-Virusinfektionen diagnostizieren. Mehr als die Hälfte dieser Infizierten hatte einen Verlauf mit einer schweren ZNS-Symptomatik. Vier Personen mussten auf der Intensivstation behandelt werden, zwei sind an den Folgen der FSME verstorben.

Mit der Zecken-Impfung inklusive regelmäßiger Auffrischung kann man eine Infektion allerdings fast immer vermeiden. Deswegen sollte man FSME-Impfungen auch heuer in Corona-Pandemie nicht auf nächstes Jahr verschieben. Erste Infektionen wurden übrigens Ende März gemeldet, die Saison dauerte bis Dezember, mit dem Krankheitsgipfel im Sommer.

Auch für Kinder Vorsicht vor Zecken

Die meisten FSME-Erkrankungen verlaufen bei Kindern leichter. Unter dem Strich können aber durchaus auch Kinder schwer erkranken und müssen dann wegen der Auswirkungen von Zeckenbissen ins Krankenhaus. Im Jahr 2019 waren in Österreich 14 % der Betroffenen Kinder unter 15 Jahren, auch ein Baby mit sechs Monaten erkrankte. Ein 13-Jähriger erlitt eine Enzephalomyelitis (Gehirn- und Rückenmarksentzündung) und musste auf der Intensivstation behandelt werden. Experten raten deswegen, dass Eltern ihre Kinder ab dem ersten Lebensjahr eine Zecken-Impfung machen zu lassen.

Babesiose

Vorsicht vor Zecken gilt auch für Tierhalter, nach jedem Freilauf sollte man den Körper von Hund und Katze gründlich untersuchen. Und entdeckte Zecken sollten sofort mit einer Zeckenzange entfernt werden.

Die Babesiose nennt man auch »Hunde-Malaria«. Die ersten Symptome beim Tier sind Erschöpfung und Appetitlosigkeit. Dies kann sich dann hin bis zur Blutarmut mit Fieber und Lethargie. Im Zweifelsfall sollte man rasch einen Tierarzt aufsuchen. Denn ohne Behandlung verläuft die Erkrankung, genau wie die FSME beim Menschen tödlich!“

Zu den Vorsichtsmaßnahmen gegen Zecken gehören sie sogenannte »Spot-on«-Präparate vom Tierarzt. Sie werden den Tieren in den Nacken geträufelt und können so nicht abgeleckt werden. Vorsicht ist bei dem Wirkstoff »Permethrin« geboten. Während Hunde das Präparat sehr gut vertragen, ist es für Katzen giftig. Parasitenhalsbänder eignen sich ebenfalls nur für Hunde. Katzen können beispielsweise beim Klettern im Geäst hängen bleiben.

Zunahme von FSME in Teilen von Europa

Insgesamt kann man heuer eine Zunahme an FSME-Erkrankungen in bestimmten Teilen Europas erkennen. Auch haben sich in Gegenden, die bisher als virusfrei betrachtet wurden, neue Hotspots gebildet. Das gilt zum Beispiel für die Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland, aber auch für die Schweiz. In Tschechien und der Slowakei wurden FSME-Gebiete in höher gelegenen Gebieten entdeckt. Warum das so ist, weiss man noch nicht. Mehrere Faktoren wie der Klimawandel dürften eine Rolle spielen. Zudem dienen Zugvögel oder größere Säugetiere als Transportvehikel für infizierte Zecken. Auch die tropische Riesenzecke macht mittlerweile Teile Europas unsicher.


Literatur:

Estrada-Peña A. Ticks as vectors: taxonomy, biology and ecology. Rev Sci Tech. 2015;34(1):53-65. doi:10.20506/rst.34.1.2345


Quellen:

Österreichischer Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH)

http://www.vier-pfoten.at/


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