Medizin & Wissenschaft

Corona-Pandemie: Hustenlöser Acetylcystein bei Husten mit Wirkung auch bei Covid 19

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Der Hustenlöser Acetylcystein, bewährt bei Husten, hilft in der Corona-Pandemie mit seiner antioxidativen Wirkung auch bei der Therapie von Covid 19.

Acetylcystein (N-Acetylcystein, NAC oder häufig auch ACC) wurde in den 1960er-Jahren als Mukolytikum gegen Husten entwickelt, der Hustenlöser fand bald eine weite Verbreitung in der Behandlung der akuten und der chronischen Bronchitis. Dabei beschränkt sich die Wirkung von Acetylcystein nicht nur auf die Fähigkeit, den Bronchialschleim zu spalten und dessen Fließeigenschaften zu verändern. Acetylcystein wirkt schleimlösend und antioxidativ – der Wirkstoff wird zur Therapie von Erkrankungen der Atemwege angewendet, die mit zäher Sekretbildung vergesellschaftet werden. In der Corona-Pandemie setzen nicht nur ambulante Covid-19-Patienten ACC ein, sondern N-Acetylcystein kommt auch bei stationären Patienten mit schweren Covd-Verläufen zum Einsatz.

Antioxidative Wirkung von Acetylcystein auch in der Corona-Pandemie gegen Covid 19 hilfreich

Oral angewendetes Acetylcystein » deacetyliert « überwiegend in der Leber. Das so frei gesetzte Cystein steht für die zelluläre Produktion des wichtigsten körpereigenen Antioxidans, des Glutathions, zur Verfügung, wodurch indirekt zur Steigerung des antioxidativen Schutzes beigetragen wird. Hierzu werden verschiedene mögliche antioxidativ-protektive Behandlungsansätze untersucht.

In der Corona-Pandemie könnte die frühzeitige Behandlung mit N-Acetylcystein eine Möglichkeit sein, um einer übermäßige Entzündung und der Zellschädigung bei einer Coronavirus-SARS-Cov-2-Infektion, die zu einem schweren Covid 19-Verlauf führen können, entgegenzuwirken.

Aktuelle Studienergebnisse zeigen dazu, dass N-Acetylcystein in Kombination mit Kupfer, Colchicin und Stickoxid (NO) sowie mit möglichen antiviralen Wirkstoffen, Remdesivir oder EIDD-2801, in der Behandlung von stationären Covid-19-Patienten eine gute Wirkung entfaltet.

Die orale Verabreichung von N-Acetylcystein in der Doriserung von 600 mg pro Tag könnte aber auch eine vorbeugende Wirkung gegen Covid 19 haben. Aktuelle empfehlen Forscher jedenfalls Acetylcystein als adjuvante Behandlung bei Patienten mit leichten bis schweren COVID-19-Symptomen, was auch eine kostengünstige klinische Strategie darstellt.

Unter dem Strich gibt es einige klinische Corona-Studien, die die potenzielle Wirkung von Acetylcystein gegen COVID 19 bewerten. Beispielsweise untersucht eine klinische Studie die Wirkung und Sicherheit von vernebeltem Heparin-N-Acetylcystein bei COVID-19-Patienten zur Verbesserung der Lungenfunktion (HOPE). Ziel ist es jedenfalls, die beatmungsfreien Tage bei Krankenhauspatienten mit mittelschweren bis schweren COVID-19-Symptomen zu verlängern.

Wirkungsweise und Anwendung von Acetylcystein bei Husten

Vermutlich spaltet Acetylcystein die sogenannten Disulfidbrücken in dem gebildeten Schleim. Dadurch wird die Viskosität des Bronchialschleims erniedrigt und ein Abhusten erleichtert. Die Anwendung von Acetylcystein erfolgt nach den Mahlzeiten mit einem Glas Wasser. Die Dauer der Anwendung sollte ohne ärztlichen Rat nicht länger als vier bis fünf Tage erfolgen.

Die Patienten mit Husten sollten zur Unterstützung der sekretolytischen Wirkung von Acetylcystein den ganzen Tag über ausreichend viel Flüssigkeiten zu sich nehmen – mindestens zwei Liter Flüssigkeit. Am besten geeignet sind Wasser und Tee.

Weitere Einsatzmöglichkeiten sind die Therapie einer Paracetamol-Vergiftung und die therapeutische Ergänzung in der Behandlung der COPD, die bis bis vor etwa 10 Jahren beliebt war. Nachdem im Jahr 2005 die BRONCUS-Studie (Bronchitis, Randomized on NAC, Cost-Utility Study) publiziert wurde, musste die positive Einschätzung in Bezug auf den Langzeiteffekt bei COPD relativiert werden.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Acetylcystein

Mögliche unerwünschten Wirkungen sind Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, die auch als Folge des unangenehmen Schwefelgeruchs des Wirkstoffs auftreten können. Überempfindlichkeitsreaktionen wie Bronchienverengung, tiefer Blutdruck oder Hautreaktionen können vorkommen, sind aber häufiger bei intravenöser oder inhalativer Verabreichung.

Gelegentliche Nebenwirkungen (≥ 1/1.000 bis < 1/100) sind Kopfschmerzen, Fieber, Tinnitus sowie gastrointestinale Beschwerden. Weiter können allergische Reaktionen wie Juckreiz (Pruritus), Nesselsucht (Urtikaria) und auch andere Hautausschläge (Exantheme) auftreten.

Wechselwirkungen: Vorsicht vor Sekretstau: Die gleichzeitige Einnahme von Acetylcystein mit einem Hustenstiller (Hustenblocker, Antitussivum) kann zu einem gefährlichen Sekretstau führen. Denn ein solche Kombination der Wirkstoffe kann den Hustenreflex gefährlich einschränken. Es besteht jedoch die Möglichkeit, tagsüber Acetylcystein als Hustenlöser anzuwenden und bei Bedarf in der Nacht einen Hustenstiller zu nehmen, damit der Husten nicht den Schlaf stört.

Mögliche Hemmung der Resorption: Bei gleichzeitiger Einnahme von Actylcystein mit Antibiotika wie beispielsweise Tetrazykline, Aminoglykoside, Cephalosporine und Penicilline, werde diese möglicherweise in ihrer Resorption gehemmt. Hier empfiehlt sich ein zeitlich versetzter Abstand von mindestens zwei Stunden.

Verstärkung der Nitratwirkung: Die Vasodilatation und die Thrombozytenaggregationsinhibition werden verstärkt. Der Patient sollte bei starken Blutdruckabfällen mit dem behandelnden Arzt Rücksprache halten.


Literatur:

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