Medizin & Wissenschaft

Chronische Rhinosinusitis: Biologika als neue Therapie geeignet

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Bei Chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen ist eine Biologika-Therapie besonders bei Begleiterkrankungen wie Asthma, Urtikaria und Neurodermitis sehr wirksam.

Im Grund genommen beschreibt der Begriff Biologika biotechnologisch hergestellte Proteine wie monoklonale Antikörper (mAk) oder Botenstoffe (Zytokine). Schließlich kamen solche Wirkstoffe in den letzten Jahren als revolutionäre Behandlung vor allem von chronisch-entzündlichen Erkrankungen auf den Markt. Wobei mittlerweile weltweit bereits bei mehr als 450 Millionen Patienten Biologika einsetzen. Und zwar kommen die Substanzen unter anderem bei rheumatischen Erkrankungen, entzündlichen Darmerkrankungen sowie Asthma zur Anwendung. Schließlich zeigen neueste Studien jetzt auch, dass Biologika auch für die chronische rhinosinusitis vor allem mit Nasenpolypen und mit Begleiterkrankungen als Therapie geeignet sind.

Biologika sind zielgerichtete Medikamente

Biologika sind maßgeschneiderte Medikamente, die genau und zielgerichtet ein definiertes Molekül im Rahmen der Immunantwort erkennen. Und die somit zum Beispiel entzündungsfördernde Botenstoffe abfangen und neutralisieren. Ein prominentes Beispiel für den Erfolg dieser Strategie sind Antikörper gegen den Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNF-α). Wobei der Körper diese bei rheumatologischen Erkrankungen überschießend produziert.

Biologika als moderne Therapie bei Chronischer Rhinosinusitis

Auch die chronische Rhinosinusitis (CRS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Schleimhaut. Und sie ist mit circa zehn bis 15 Prozent Betroffenen in der Bevölkerung in entwickelten Ländern eine der häufigsten chronischen Erkrankungen.

Insbesondere beim Vorliegen von Nasenpolypen bei chronischer Rhinosinusitis hat man früher hauptsächlich mit Antibiotika und Cortisonpräparaten behandelt. Zudem machte man operative Sanierungen der Nasennebenhöhlen.

Omalizumab, Mepolizumab, Reslizumab, Dupilumab

Besonders bei Vorliegen von Begleiterkrankungen wie einem Asthma bronchiale, einer Urtikaria (Nesselsucht oder Nesselfieber) oder Neurodermitis, einem atopischen Ekzem, kann man Biologika heutzutage sehr wirksam bei Nasenpolypen durch chronische Rhinosinusitis einsetzten.

Hierbei spielen IgE-gerichtete Therapien zur Reduktion von zirkulierendem IgE (Omalizumab), die Blockade von IL-5 (Mepolizumab, Reslizumab) und die Blockade des Il-4/IL-13 vermittelten Signalwegs (Dupilumab) die wesentliche Rolle.

Zur Blockade der Interleukin-5 vermittelten Entzündungsreaktion stehen zwei verschiedene Strategien zur Verfügung: Elimination des zirkulierenden IL-5 oder Blockade des IL-5-Rezeptors (IL-5R) auf Eosinophilen und Basophilen.

Ausblick

Es bleibt im Grunde genommen abzuwarten, welche der Biologika für besonders schwere, therapierefraktäre Fälle bei chronischer Rhinosinusitis geeignet sind. Oder welche man als Alternative zur aktuellen Standardtherapie verwenden kann.

Die bisherigen Studien konnten jedenfalls vielfach zeigen, dass Biologika einerseits die Symptome der Patienten mit chronischer Rhinosinusitis verbessern können. Andererseits helfen sie auch dabei, Operationen einzusparen.

Fazit

Eine Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (nasaler Polyposis), die auf eine medikamentöse und chirurgische Therapie nicht anspricht, bleibt für HNO-Ärzte ein herausforderndes klinisches Problem.

Die neuen Biologika könnten jedoch eine neue Therapieoption für betroffene Patienten sein. Schließlich soll man zukünftig durch neue individualisierte Behandlungsoptionen das Prinzip der „personalisierten Medizin“ auch für die chronische Rhinosinusitis realisieren können. Trotz der Wirksamkeit muss man allerdings auch die erheblichen Kosten berücksichtigen.


Literatur:

Kim C, Han J, Wu T, et al. Role of Biologics in Chronic Rhinosinusitis With Nasal Polyposis: State of the Art Review [published online ahead of print, 2020 Aug 4]. Otolaryngol Head Neck Surg. 2020;194599820939964. doi:10.1177/0194599820939964

Brown WC, Senior B. A Critical Look at the Efficacy and Costs of Biologic Therapy for Chronic Rhinosinusitis with Nasal Polyposis. Curr Allergy Asthma Rep. 2020;20(6):16. Published 2020 Apr 22. doi:10.1007/s11882-020-00910-y


Quelle:

Statement » Biologika – Neue Möglichkeiten zur individualisierten Behandlung von chronischen Nasennebenhöhlen-Erkrankungen « von Professor Dr. med. Ludger Klimek Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden anlässlich der 89. Jahresversammlung der DGHNO-KHC.


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