Medizin & Wissenschaft

Österreichweite Umfrage: Frauen überschätzen ihre Fruchtbarkeit

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Fast die Hälfte aller Frauen im sehr fruchtbaren Alter von 18-29 Jahren würden gerne ihre Fruchtbarkeit testen lassen.

Knapp zwei Drittel aller 30-39-jährigen Frauen und ein Drittel aller Frauen zwischen 40 und 50 Jahren überschätzen ihre Fruchtbarkeit und halten sich noch für sehr fruchtbar oder eher fruchtbar. Allerdings kennt auch die Hälfte aller Befragten ein Paar, das Schwierigkeiten hat oder hatte, schwanger zu werden und mehr als ein Viertel aller Frauen kennt eines, das psychisch darunter leidet. Zudem würden gerne fast die Hälfte aller Frauen im sehr fruchtbaren Alter von 18 bis 29 Jahren einen Test zur Fruchtbarkeit machen. Jedoch haben 95 % der Frauen noch nie vom Anti-Müller-Hormon gehört und wissen nicht, dass man dieses testen kann. Schließlich begrüßt auch jede Dritte 20-29-Jährige die Methode des „social freezing“. Univ. Prof. Heinz Strohmer und Univ. Prof. Andreas Obruca, Gründer und ärztl. Leiter des Kinderwunschzentrum an der Wien, sind alarmiert und rufen die Initiative fertility for future ins Leben, um mehr Bewusstsein für das Thema Fruchtbarkeit zu schaffen.

Fruchtbarkeit bei Frauen rückgängig

Ab einem Alter von Mitte 30 sinken die Chancen auf eine Schwangerschaft, mit 40 Jahren beträgt sie bei Frauen sogar nur noch 5-10 % pro Zyklus. Dennoch schätzen sich auch ältere Frauen immer noch als sehr fruchtbar ein – und das, obwohl die eigene Fruchtbarkeit mit einfachen Methoden gemessen werden kann. Am Weltelterntag, dem 1. Juni 2021, präsentierte das Kinderwunschzentrum an der Wien seine top-aktuelle Initiative fertility for future: Diese richtet den Scheinwerfer auf die bisher wenig beachtete Frage der Fruchtbarkeit und soll bei Frauen wie Männern ein Bewusstsein für deren Vergänglichkeit schaffen.

„Es ist furchtbar einer Frau mit Kinderwunsch mitteilen zu müssen, dass sie bereits nahezu unfruchtbar ist. Das Thema Fruchtbarkeit beginnt nicht erst bei der Kinderwunsch-Behandlung, sondern viel früher. Mit fertility for future wollen wir ganzheitlich über das Thema Fruchtbarkeit aufklären, die von zahlreichen, noch viel zu wenig diskutierten Faktoren abhängt“, so Heinz Strohmer, Gründer und ärztl. Leiter des Kinderwunschzentrum an der Wien.

10-15 % aller Paare in Österreich ungewollt kinderlos

Jedes vierte Paar mit Kinderwunsch in Österreich hat Schwierigkeiten schwanger zu werden. Die Hälfte aller ungewollt kinderlosen Frauen zwischen 30 und 39 hatte nie Zweifel an ihrer Fruchtbarkeit. Zusätzlich kennt aber fast die Hälfte aller Befragten (45 %) ein Paar, bei dem Probleme bei der Befruchtung auftraten. Jede vierte Frau kennt sogar ein Paar, das psychisch darunter leidet, nicht schwanger werden zu können. „Viele Frauen beschäftigen sich meist erst dann mit dem Thema Fruchtbarkeit, wenn die Uhr schon sehr laut tickt‘“, erklärt Andreas Obruca, Gründer und ärztl. Leiter des Kinderwunschzentrum an der Wien sowie Präsident der österreichischen IVF-Gesellschaft und meint weiter: „Gerade bei jungen Frauen gibt es selten Anzeichen für eine eingeschränkte Fruchtbarkeit, dabei lässt sich die Fertilität gut messen und durchaus bis zu einem gewissen Grad planen und begünstigen.“

Test zur Fruchtbarkeit gibt Auskunft, jedoch: 95 % der Frauen kennen das AMH nicht

So kann „Frau“ etwa durch einen AMH (Anti-Müller-Hormon Test) oder mit einer Ultraschall-Untersuchung überprüfen, wie viele reifungsfähige Eizellen noch bestehen. Die Bereitschaft dazu wäre groß – 42 % der fruchtbaren Frauen zwischen 18 und 39 Jahren würden bei vorliegendem Angebot einen Fruchtbarkeitstest durchführen. In der Praxis schaut es leider anders aus, da nur 5 % aus Eigeninitiative oder auf Empfehlung des Frauenarztes bereits einen Fruchtbarkeitstest gemacht haben. 95 % der 18-29-Jährigen kennen das Anti-Müller-Hormon überhaupt nicht und wissen nicht was es bedeutet.

Vorsorge Kinderwunsch: Junge Frauen sind offen für Social Freezing

Eine weitere Möglichkeit der Vorsorge ist, die Eizellen im jungen Alter einfrieren zu lassen, sodass man später darauf zurückgreifen kann. Derzeit ist in Österreich ausschließlich das „Medical Freezing“ erlaubt, sodass nur Frauen aus medizinischen Gründen ihre Eizellen einfrieren dürfen. „Social Freezing“, womit Frauen aus nicht-medizinischen Gründen ihre Eizellen einlagern lassen, um sich den Wunsch nach einer eigenen Familie zu einem späteren Zeitpunkt erfüllen zu können, ist in Österreich nicht zugelassen. Dabei scheint diese Vorsorge besonders für Frauen zwischen 20 und 29 Jahren, die am meisten davon profitieren würden, interessant zu sein: Bereits rund 40 % würden gerne diese Möglichkeit haben, wobei die Zustimmung bei Frauen mit Maturaabschluss höher ausfällt als bei jenen ohne. Über alle Befragten ist die Zustimmung zum „Social Freezing“ mit 17 % deutlich geringer, zum „Medical Freezing“ beträgt sie immerhin knapp 40 %.

fertility for future: Informationskampagne zur Fruchtbarkeits- und Kinderwunsch-Vorsorge

Die Leitung des Kinderwunschzentrum an der Wien, dem größten und modernsten Zentrum für Reproduktionsmedizin in Österreich, ist schockiert von den Ergebnissen und sieht den erschreckenden Trend bestätigt. „Hollywood Stars und Filme vermitteln einen falschen Eindruck. Viele Paare glauben mit 40 noch unkompliziert schwanger werden zu können, dies ist aus medizinischer Sicht einfach sehr unrealistisch“, so Strohmer und meint weiter:„Während Vorsorgeuntersuchungen wie die Mammographie oder der PAP-Test bereits in der Gesellschaft etabliert sind, ist die Vorsorge für die eigene Fruchtbarkeit noch nicht angekommen. Daher rufen wir die Initiative fertility for future ins Leben. Wir möchten junge Menschen aufklären und Awareness für die Fruchtbarkeits- und Kinderwunsch-Vorsorge schaffen. Und zwar lange bevor die Familienplanung ansteht.“


Quelle:

Kinderwunschzentrum an der Wien: www.kinderwunschzentrum.at


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