Medizin & Wissenschaft

Eigenschaften und zahlreiche Wirkungen von Gewürzen

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Eigenschaften und Wirkungen von Gewürzen: Appetitanregend, schweiß- oder harntreibend – verdauungsfördernd, immunsystemstärkend, antikanzerogen …

Man hat erst seit relativ kurzer Zeit die Möglichkeit, die für die Eigenschaften und Wirkungen von bestimmten Gewürzen verantwortlichen Inhaltsstoffe zu analysieren. Was man nicht kennt, lässt sich nur schwer analysieren und benennen. Erst seit den letzten 2 Jahrzehnten befassen sich Fachleute eingehender mit den biologischen Wirkungskräften von Gewürzen. Nach und nach gibt es immer mehr Untersuchungen über die Wirkung von Gewürzen – beispielsweise auf Verdauungs-, Ausscheidungs- und Kreislauforgane. Man schreibt ihnen teilweise auch antikanzerogene, antibiotische und Immunsystem steigernde Wirkungen zu.

Verschiedene Eigenschaften und Wirkungen von Gewürzen

So zeigte sich, dass besonders scharfe Eigenschaften von Gewürzen – wie beispielsweise von Paprika, Pfeffer, Senf, Curry sowie Ingwer – eine bedeutend größere Speichelabsonderung hervorlocken als ungewürzte Mahlzeiten. Mehr Speichel bedeutet auch mehr Verdauungsfermente.

Viele Gewürze beschleunigen also auf dem Umweg über den Speichel die Stärkeverdauung im Magen und damit die Magenentleerung. Sie kürzen die Verdauungsarbeit ab. Die erhöhte Speichelabsonderung hat aber auch noch eine andere Wirkung.

Im Speichel sind Schleimstoffe (Neuraminsäure und Hexosamine) enthalten, welche für die Zähigkeit des Speichels verantwortlich sind. Je höher der Gehalt an Neuraminsäure ist umso leichter kann man leicht zu schluckende Bissen bilden. Außerdem überziehen die Schleimstoffe gleichzeitig Mund- und Rachenschleimhaut mit einer Schutzschicht, die Krankheitserreger abwehrt.

Untersucht hat man auch die Wirkungen von verschiedenen Gewürzen auf den Kreislauf. Es ist bekannt, dass manche Gewürze in vielen Fällen die Herztätigkeit beeinflussen können und damit blutdruckregulierend wirken.

Man hat beobachtet, dass Gewürze das nach einem größeren Essen erhöhte Schlagvolumen des Herzens vermindern können. So wird das Herz weniger belastet. Man machte die Beobachtung, dass eine gut gewürzte Nahrung die Neigung des Blutes zur Bildung eines Verschlusspfropfens im Blutgefäss, etwa nach einer Operation (Thrombose), herabsetzt.

Wer hat sich noch nie gewundert, dass gerade in heißen Ländern, so scharf gegessen wird? Dies kann mehrere Gründe haben: Scharfe Speisen regen den gesamten Stoffwechsel an und fördern die Wärmeabgabe des Körpers. Man beginnt zu schwitzen. Das erhitzt zwar kurzfristig, aber auf Dauer kühlt es ab.

Ein weiterer Grund kann sein, dass die scharfen Gewürze die Speisen gleichzeitig eine Zeit lang konservieren und Krankheitserreger fernhalten. Wegen der zahrleichen gesundheitlichen Wirkungen von Gewürzen gelten viele auch als Heilpflanzen.

Pfeffer

Pfeffer entstammt den Beerenfrüchten des Pfefferstrauches. Dieser wächst in Südostasien. Schwarzer Pfeffer besteht aus unreif geernteten und in der Sonne oder über mäßigem Feuer schnell getrockneten Beeren. Weißer Pfeffer besteht aus den roten, reifen Beeren: die dünne, dunkle äußere Fruchthaut wird abgelöst und der innere Kern wird getrocknet. Den scharfen Geschmack bewirkt das Alkaloid Piperin. Das Aroma wird durch das Pfefferöl beeinflusst. Pfeffer wird auch als Konservierungsmittel für Fleisch, Fisch und Früchte verwendet.

Paprika und Chili

Paprika und Chili gehören zur selben Pflanzenfamilie (Nachtschattengewächse) und zu den Fruchtgewürzen.

Chili wird vorwiegend im tropischen Raum angebaut. Paprika stammt ursprünglich aus Südamerika, ist heute typisches Gewürz der Balkanländer.

Beiden gemeinsam ist der für den scharfen Geschmack verantwortliche Inhaltsstoff Capsaicin. Capsaicin wirkt vasodilatatorisch und ist beispielsweise Bestandteil von Hitzepflastern und wärmenden Salben zur Durchblutungsförderung bei Verletzungen, Gelenkbeschwerden und Verspannungen. Wie bereits erwähnt fördern die Scharfstoffe die Verdauung.

Kümmel

Die Kümmel-Pflanze wächst in verschiedenen tropischen Ländern und Teilen Europas. Die Samen zählen zu den ältesten Gewürzen Europas. Sie enthalten 2-6% ätherisches Öl. In verschiedenen Tierversuchen wurde eine tumorprotektive und antikanzerogene Wirkung dieser Inhaltsstoffe beobachtet.

Beispielsweise hemmen die ätherischen Öle die Magen-, Brust- und Lungenkrebsbildung, wenn sie zeitlich vor dem Kanzerogen verabreicht werden. Kümmel wird auch gerne schweren, blähenden Speisen (Kohl, dunkles Brot) zugesetzt, da es die Gasbildung im Körper hindert.

Ingwer

Die Ingwerpflanze wächst in China, Japan, Ostindien, Jamaika, Australien, Brasilien und Westafrika. Als Gewürz wird der Wurzelstock verwendet. Der Geschmack ist sehr scharf und brennend. Der Geruch ist kräftig. Ingwer steigert die Fließeigenschaften des Blutes. Die Bildung von Stoffen, welche die Thrombozytenaggregation fördern, wurde von Ingwer dosisabhängig gehemmt.

Knoblauch und Zwiebel

Knoblauch und Zwiebel gehören zu den Liliengewächsen und werden sowohl zu Gemüse als auch zu den Gewürzen gezählt. Sie enthalten schwefelhaltige Aminosäuren, die Alliine. Beim Verletzen der Pflanze werden die Sulfide Allicin (Knoblauch) und Propanthialsulfoxid (Zwiebel), den eigentlichen Geruchsstoffen von Knoblauch und Zwiebel umgewandelt. Beim Kochen entstehen weitere Schwefelverbindungen, welche im Verdauungstrakt resorbiert und teilweise über die Lungen ausgeatmet werden: die „Knoblauchfahne“.

Die Bestandteile von Knoblauch und Zwiebel werden wegen verschiedener positiven, schützenden Wirkungen sehr intensiv erforscht. In verschiedenen Untersuchungen wurden im Tierversuch Hinweise eine das Tumorwachstum hemmende Wirkung der Sulfide für verschiedene Organe wie Magen, Dickdarm, Speiseröhre, Lunge, Blase und auch Brust festgestellt.

Auch beim Menschen konnte man in zahlreichen Studien eine antikanzerogene Wirkung der Zwiebel- und Knoblauchinhaltsstoffe beobachten. Bereits im Jahre 1550 vor Christus wurde in einer heilkundlichen Schrift Knoblauch als Mittel zur Behandlung von Infektionen aufgeführt. Während der zwei Weltkriege wurde Knoblauch auch als Antiseptikum gegen Wundbrand eingesetzt.

Nährboden-Versuche haben gezeigt, dass Allicin Wirkung gegen Heubazillen und die Erreger von Fäulnis, Sepsis, Typhus und Paratyphus zeigt. Knoblauch kann zudem Fettstoffwechselstörungen vorbeugen. In einer Studie wurde bestätigt, dass Allicin hat einen Einfluss auf die Aktivität der natürlichen Killerzellen hat und damit die körpereigenen Abwehrkräfte fördert.



Literatur:

Kunnumakkara AB, Sailo BL, Banik K, Harsha C, Prasad S, Gupta SC, Bharti AC, Aggarwal BB. Chronic diseases, inflammation, and spices: how are they linked? J Transl Med. 2018 Jan 25;16(1):14. doi: 10.1186/s12967-018-1381-2.

Tapsell LC, Hemphill I, Cobiac L, Patch CS, Sullivan DR, Fenech M, Roodenrys S, Keogh JB, Clifton PM, Williams PG, Fazio VA, Inge KE. Health benefits of herbs and spices: the past, the present, the future. Med J Aust. 2006 Aug 21;185(S4):S1-S24.


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