Medizin & Wissenschaft

Yoga für Kinder wird immer interessanter

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Zu Yoga für Kinder wurde in einer deutschen Studie ein positiver Einfluss auf Selbsteinschätzung und Problembewältigung bei Grundschulkindern beobachtet.

Unter dem Strich treten Depression, Traurigkeit und Angst bei Kindern immer häufiger auf und kann sich negativ auf die soziale und akademische Leistung auswirken. Hierzu scheint Yoga für Kinder, speziell auch bei Grundschulkindern, einen positiven Effekt auf das physische Selbstkonzept und den Umgang mit potentiell angsterzeugenden Situationen zu haben. Eine rezente Studie zeigt übrigens, dass Yoga, praktiziert über 8 Wochen nur 10 Minuten pro Tag, einen deutlichen positiven Einfluss auf die Verringerung der Angst bei Kindern im Alter von 8 bis 10 Jahren hatte.

Dazu kamen Forscherteams der Universitäten Regensburg und Münster unlängst ebenfalls bei Kindern im Grundschulalter zu sehr positiven Ergebnissen. Die Forschenden untersuchten den Einfluss eines Yoga-Trainings auf die kognitiven Funktionen, die Motorik, das physische Selbstkonzept und die Emotionen von Kindern im Grundschulalter.

Yoga für Kinder im Grundschulalter erstmals untersucht

Im Grunde genommen erfreut sich Yoga in letzter Zeit großer Beliebtheit. Und zwar im Rahmen des Stress-Managements, aber auch, um das Bewusstsein für sich selbst und die Welt zu erhöhen („Awareness“).

Dabei wird auch Yoga für Kinder, die beispielsweise in der Schule einem gewissen Druck ausgesetzt sind, immer interessanter und es gibt speziell für diese Zielgruppe entwickelte Yoga-Programme. Für Erwachsene und ältere Kinder liegen bereits einige Studien vor, die den positiven Einfluss von Yoga auf „Awareness“ und Stressbewältigung belegen. Die Wirkungen von Yoga für Kinder im Grundschulalter wurden bisher nur selten untersucht.

Kinder im Vergleich: Yoga-Training oder Sport-Training

Vor diesem Hintergrund führten die Forscherteams aus Regensburg und Münster einen Versuch durch, an dem insgesamt 24 Kinder (12 Jungen, 12 Mädchen) im Alter von 6 bis 11 Jahren teilnahmen. Je 12 Kinder führten über sechs Wochen ein Yoga-Training oder ein Sport-Training (als Vergleichsgruppe) durch. Das Sport-Training bestand aus Übungen wie Klettern an einem Seil und Balancieren sowie verschiedenen Ballspiel-Aufgaben. Pro Woche fanden zwei Trainingseinheiten von je 45 Minuten statt.

Kognitiven Funktionen, Motorik, Kraft, Ausdauer oder Geschwindigkeit

Vor und nach der sechswöchigen Trainingsphase wurden computergestützte Aufgaben zu den kognitiven Funktionen durchgeführt, bei denen die Kinder mit Tastendruck auf bestimmte Reize reagieren sollten. Die anderen Tests wurden ebenfalls vorher und nachher durchgeführt:

Der Motorik-Test umfasste Aufgaben zur Handgeschicklichkeit, Ballfertigkeit und Balance. Zur Erfassung der Emotionen diente ein standardisierter Fragebogen zur Ängstlichkeit, bei dem man den Kindern Situationen in Form von Bildern präsentiere. Diese können – wenn sie wirklich erlebt werden – potentiell Angst auslösen. Beispielsweise einen Ball zurückholen, der beim Nachbarn in den Garten gefallen ist; oder eine Spinne sehen oder Ähnliches.

Die Kinder gaben an, wie sie auf diese Situationen reagieren würden. Ein weiterer Fragebogen zum physischen Selbstkonzept erfasste Kategorien wie Kraft („Ich bin stark“), Ausdauer („Ich kann lange laufen“) oder Geschwindigkeit („Ich bin schnell“). Die Kinder sollten auf einer vierstufigen Skala einschätzen, wie stark eine Aussage auf sie zutrifft.

Selbsteinschätzung der Schnelligkeit

Unterschiede zwischen den beiden Versuchsgruppen zeigten sich einerseits mit Blick auf die Selbsteinschätzung der Schnelligkeit. Beispielsweise schätzen die Kinder der Yoga-Gruppe ihre Schnelligkeit nach dem Training langsamer ein als vorher. Hingegen beurteilten sich die Kinder der Sport-Gruppe hinterher als schneller. Dieser Befund passt zu dem Umstand, dass Yoga eine Sportart ist, die auf langsame und bewusste Bewegungen setzt bzw. auf das Halten besonderer Positionen abzielt.

Auf der anderen Seite zeigten die Kinder der Yoga-Gruppe eine etwas stärkere Problemvermeidung als vorher, während die Kinder der Sport-Gruppe eine geringere Problemvermeidung aufwiesen. Problemvermeidung bedeutet, dass die Kinder angaben, Probleme nicht aktiv anzugehen, sondern sie eher zu vermeiden.

Ein möglicher Grund könnte darin liegen, dass die Kinder durch das Yoga-Training ein stärkeres Bewusstsein für sich und die Welt entwickelten (eine stärkere „Awareness“) und dadurch Probleme oder Konflikte stärker wahrnahmen. Da sie keine neuen Bewältigungsstrategien erlernt hatten, wurden die stärker wahrgenommenen Probleme vielleicht als Überforderung gesehen und eher eine Vermeidungsstrategie gewählt.

Fazit

Wegen der verhältnismäßig kleinen Versuchsgruppen und aufgrund der Tatsache, dass sich in anderen Bereichen keine oder kaum Unterschiede erkennen ließen, sind weitere Studien notwendig. In diesen müssten die ersten Beobachtungen der Forscher genauer untersucht und verifiziert werden.

Interessante zukünftige Fragestellungen sind jedenfalls die nach der Veränderung der „Awareness“ durch Yoga für Kinder. Und weitere Fragen zur Wirkung von Yoga auf Ängstlichkeit oder die Bewältigung von Problemen.


Literatur:

Richter, Stefanie und Tietjens, Maike und Ziereis, Susanne und Querfurth, Sydney und Jansen, Petra (2016). Yoga training in junior primary school-aged children has an impact on physical self-perceptions and problem-related behavior. Frontiers in Psychology, Movement Science and Sport Psychology 7 (203), S. 1-34. (DOI: 10.3389/fpsyg.2016.00203)

Shreve M, Scott A, McNeill C, Washburn L. Using Yoga to Reduce Anxiety in Children: Exploring School-Based Yoga Among Rural Third- and Fourth-Grade Students [published online ahead of print, 2020 Sep 11]. J Pediatr Health Care. 2020;S0891-5245(20)30181-4. doi:10.1016/j.pedhc.2020.07.008


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