Medizin & Wissenschaft

Mythen und Fakten zu Erkältung und Halsschmerzen

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Neben medizinischen Therapien gibt es zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältung und Halsschmerzen auch viele Tipps zu Hausmitteln.

Zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältung und Halsschmerzen kursieren neben medizinischen Therapien auch viele Tipps zu Hausmitteln, die gerne von Generation zu Generation weitergegeben werden. Einige davon stützen sich auf Fakten, andere wiederum basieren auf einem Irrglauben. Unabhängig von der Ursache von Halsschmerzen eignet sich der Wirkstoff Flurbiprofen zur Behandlung der Symptome. Das nichtsteroidale Antirheumatikum (NSAR) lindert schnell und bis zu sechs Stunden Schmerzen und Entzündung. Nachstehend sind die wichtigsten Mythen und Fakten zusammengefasst und gemeinsam mit Experten überprüft.

Mythos oder Faktum 1: Antibiotika helfen immer bei Halsschmerzen.

Dies ist ein Mythos: 80 Prozent der Halsschmerzen sind viral bedingt. Lokale Antibiotika sind somit in den meisten Fällen nicht indiziert. Eine geeignete Behandlungsform stellt dagegen Flurbiprofen als erprobter entzündungs- und schmerzhemmender Wirkstoff dar. „Antibiotika bei Halsweh sind nicht sinnlos, sondern gefährlich! Das Wort ‚sinnlos‘ hat man sich vielleicht früher erlauben können, mittlerweile muss man klar aussprechen: Antibiotika sind in Hinblick auf Resistenzen gefährlich. Durch eine strukturierte Vorgangsweise nach einer Art Stufenschema könnte in vielen Fällen eine Antibiotikagabe ohne Nachteile für die Betroffenen vermieden werden“, ist Oberarzt Dr. Oskar Janata, Facharzt für Infektionskrankheiten, Hygieneteam Sozialmedizinisches Zentrum Ost – Donauspital, überzeugt.

Mythos oder Faktum 2: Die heiße Zitrone kann Viren und Bakterien bekämpfen und das Immunsystem stärken.

Dies ist ein Mythos: „Subjektives Wohlgefühl wird dem fröstelnden Menschen durch das heiße Getränk gebracht, die Zitrone lenkt bestenfalls vom unangenehmen Geschmack im schmerzenden Hals ab. Selbstverständlich wird die „innere Erwärmung“ durch das Heißgetränk dem sich nach Wärme sehnenden Patienten auch objektiv nützlich sein“, so Dr. Christian Euler, Allgemeinmediziner in Rust und Präsident des Österreichischen Hausärzteverbands.

Mythos oder Faktum 3: Hühnersuppe hilft bei einer Erkältung.

Dies ist ein Fakt: Wissenschaftler der Universität Nebraska haben herausgefunden, dass die in echter Hühnersuppe enthaltene Aminosäure Cystein bestimmte weiße Blutkörperchen, die Neutrophile, blockiert. Sie sind für Entzündungsprozesse verantwortlich und werden bei einer Virusinfektion in großen Mengen freigesetzt. Cystein wirkt so entzündungshemmend und lässt die Schleimhäute abschwellen. Darüber hinaus ist Hühnersuppe reich an Zink. Wichtig: Im Krankheitsfall aber auf die bequeme Packerlsuppen-Variante verzichten und auf jeden Fall selbst kochen.

Mythos oder Faktum 4: Viel trinken hilft, Erreger aus dem Körper zu spülen.

Dies ist ein Mythos: Es gibt keinen medizinischen Beweis dafür, dass man mit viel Trinken die Viren und Bakterien aus dem Körper „hinausspülen“ kann. Aber ausreichendes Trinken schützt die Schleimhäute davor auszutrocknen. Univ.-Prof. Dr. Matthäus Grasl, Facharzt für HNO-Heilkunde, Wien, erklärt: „Der Schleim enthält verschiedene Stoffe, die Keime und Viren abwehren können. Die Keimzahl im Rachen wird reduziert. Sind die Schleimhäute zu trocken, sind sie deshalb anfälliger für Keime. Viel trinken ist also als begleitende, nicht alleinstehende, Therapiemaßnahme durchaus empfehlenswert.“

Mythos oder Faktum 5: Ein warmer Schal lässt Halsschmerzen verschwinden.

Dies ist ein Mythos: Mit einem warmen Schal steigt möglicherweise das Wohlgefühl, eine richtige Halsentzündung lässt sich so nicht ausreichend behandeln, es müssen zusätzliche Maßnahmen her. Ein dicker Schal ist bei Halsentzündungen sogar kontraproduktiv, warnt Dr. Grasl: „Das hat den gegenteiligen Effekt, weil die Schwellung durch die Wärme noch dicker und unangenehmer wird.“ Bei Rötungen, Schwellungen und Schmerzen helfe es eher, den Hals zu kühlen – zum Beispiel mit einem Topfenwickel.

Mythos oder Faktum 6: Halsschmerzen hat man nur im Winter.

Dies ist ein Mythos: Kalte Getränke, Zugluft und Klimaanlagen: Ganze sieben von zehn Österreicherinnen und Österreichern (69 Prozent) leiden im Sommer ebenso wie im Winter unter Halsschmerzen. Der empfundene Schmerzlevel bei Halsweh ist für die meisten Befragten von der Jahreszeit unabhängig. Zwei Drittel (66 Prozent) leiden im Sommer gleich stark wie im Winter, nur ein Drittel empfindet die Schmerzen bei kalten Temperaturen als noch unangenehmer. Das belegten unlängst die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage.

Mythos oder Faktum 7: Erkältungsviren lassen sich ausschwitzen.

Dies ist ein Mythos: Dr. Christian Euler führt diesen Mythos auf eine Fehlinterpretation zurück: „Fiebert der Mensch an, so empfindet er Kälte, selbst dann, wenn er objektiv schon mehr als 37 Grad Temperatur hat. Er hat das Bedürfnis nach einer warmen Decke und manchmal beginnt er spontan zu zittern. Diese unwillkürliche Muskelarbeit, der Schüttelfrost, erzeugt Wärme. Fiebert der Mensch wieder ab, so kühlt sich der Körper durch Verdampfen des aus den Poren tretenden Schweißes, der Mensch schwitzt und dem Körper wird die Verdampfungswärme entzogen. So entstand der Kurzschluss ‚schwitzen macht gesund‘. Es ist aber so, dass man beim Abfiebern spontan schwitzt, nicht aber, dass künstlich herbeigeführte Überwärmung bis zum Schwitzen gesundmachen könnte. Wahr ist, dass Temperaturen deutlich über 37 Grad Viren und deren Vermehrung schaden und Unterkühlung ihre Lebensbedingungen begünstigt. Das sollte man daher bei der Wahl passender Kleidung berücksichtigen.“

Mythos oder Faktum 8: Die Wirkung von Sprays gegen Halsschmerzen ist noch nicht weit verbreitet.

Dies ist ein Fakt: Sprays sind hierzulande in der Behandlung noch weniger bekannt, jedoch als attraktive Alternative auf dem Vormarsch. Gerade für die Nacht eignet sich die Anwendung eines Sprays mit dem Wirkstoff Flurbiprofen (ein NSAR), da der Schlaf durch einen Fremdkörper, wie eine Lutschtablette, nicht beeinträchtigt wird. Der Spray bietet außerdem weitere deutliche Vorteile, weiß Univ.-Prof. Dr. Matthäus Grasl: „Der Spray wird direkt platziert. Das heißt, er gelangt direkt dorthin, wo er gebraucht wird und wirkt sehr schnell.“ Dadurch können Halsschmerzen bereits nach 5 Minuten und bis zu sechs Stunden gelindert werden. „Weitere wesentliche Merkmale, die für diesen Spray als Darreichungsform sprechen: Er ist alkoholfrei, frei von Zucker und antibiotikafrei – und mit Flurbiprofen wird ein erprobter Wirkstoff eingesetzt“, so Grasl.

Mythos oder Faktum 9: Schlaf ist bei Halsschmerzen besonders wichtig.

Dies ist ein Fakt: Schlafmangel führt zu einer allgemeinen körperlichen Schwächung. Darüber hinaus setzt er nicht nur die Schmerzschwelle herab, sondern erhöht auch die Schmerzempfindlichkeit. Die Nervenrezeptoren werden nachts nicht so stark von anderen Einflüssen überlagert und deshalb werden Schmerzen als stärker empfunden. Schlaf ist somit bei Halsschmerzen besonders wichtig, weil sich der Körper in dieser Zeit erholt und Heilungsprozesse in Gang setzt.

Mythos oder Faktum 10: Bei Halsschmerzen muss man nicht zum Arzt gehen.

Dies ist ein Mythos: Nur zu Beginn und wenn ein harmloser Verlauf zu erwarten ist können Halsschmerzen in der Selbstmedikation behandelt werden. „Aber auch bei Halsschmerzen stößt die Selbstmedikation an ihre Grenzen. Wenn Hausmittel nicht mehr helfen, die Schmerzen schlimmer werden und Warnsignale gefährlicher Erkrankungen wie Luftnot und starke Schluckbeschwerden auftreten, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden“, rät Univ.-Prof. Dr. Matthäus Grasl.


Quellen:

Initiative Arznei & Vernunft, Vernünftiger Umgang mit Medikamenten, Antiinfektiva – Behandlung von Infektionen, 2. Aufl. Nov. 2010.

Rennard et al: Chicken soup inhibits neutrophil chemotaxis in vitro. Chest. 2000 Oct;118(4):1150-7)

Befragung einer repräsentativen Stichprobe von 500 Konsumenten ab 16 Jahren in Österreich; durchgeführt im März/April 2016 von meinungsraum.at im Auftrag von Reckitt Benckiser Austria GmbH.

de Looze F, Russo M, Bloch M, Montgomery B, Shephard A, Smith G, Aspley S. Efficacy of flurbiprofen 8.75 mg spray in patients with sore throat due to an upper respiratory tract infection: A randomised controlled trial. Eur J Gen Pract. 2016 Jun;22(2):111-8. doi: 10.3109/13814788.2016.1145650. Epub 2016 Mar 30. PMID: 27028316.

Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.; http://www.dgss.org/patienteninformationen/besonderheiten-bei-schmerz/schmerz-und-schlaf/


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