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Chloroquin: Wirkung bei an Covid-19 erkrankten Coronavirus-Patienten

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Durch die aktuelle Pandemie durch das Coronavirus SARS-CoV-2 sucht man neue Anwendungen von Arzneimitteln wie Chloroquin bei Covid-19.

Die Corona-Pandemie zwingt Wissenschaftler rund um die Welt, neue Medikamente zu entwickeln und neue Anwendungsgebiete bereits verfügbarer Wirkstoffe zu suchen. So konnte nun das Malaria-Medikament Chloroquin gegen die durch das Coronavirus SARS-Cov-2 verursachten CoVid-19-Erkrankung bei manchen Patienten positive Effekte bringen. Dies zeigte beispielsweise eine aktuelle französische Studie.

Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Covid-19: Chloroquin gegen das Coronavirus SARS-CoV-2

Immer wieder hat man in den letzten Jahren versucht, bewährte alte Wirkstoffe für neue Anwendungsgebiete zu untersuchen. Bei dieser Strategie ist es wichtig, dass man Arzneimittel verwendet, die im Grunde genommen sicher sind und deren Pharmakokinetik und optimale Dosierung bereits bekannt sind. In der aktuellen Pandemie durch das Auftreten des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 findet man mit Chloroquin ein spektakuläres Beispiel zur Behandlung der Covid-19-Erkrankung.

Shon vor 20 Jahren haben Forscher vorgeschlagen, das Chloroquin bei Virusinfektionen systematisch zu testen. Denn der Wirkstoff zeigte, dass es in vitro (in Laborversuchen) gegen ein breites Spektrum von Viren wirksam war.

Chloroquin entwickelt mehrere Aktivitäten, von denen eine darin besteht, das Phagolysosom zu alkalisieren, was die vom niedrigen pH-Wert abhängigen Schritte der Virusreplikation, einschließlich Fusion und Unbeschichtung, behindert. Andere Mechanismen der antiviralen Aktivität von Chloroquin sind schlecht dokumentiert.

Zum Zeitpunkt der mit dem schweren akuten respiratorischen Syndrom (SARS) assoziierten Coronavirus-Epidemie im Jahr 2003 wurden mehrere Wirkstoffe getestet, um die Wirksamkeit gegen das SARS-Virus zu bewerten. Hier zeigte auch das Chloroquin gegenüber dem Virus positive Wirkung. Diese Erkenntnisse gerieten aber aufgrund des Verschwindens von SARS in Vergessenheit.

Das neuartige Coronavirus SARS-Cov-2 wurde mit erstaunlicher Geschwindigkeit auf bereits verwendeten Arzneimitteln untersucht. So wurde festgestellt, dass das neue antivirale Medikament Remdesivir sowie das Malariamittel Chloroquin die Replikation des Coronarvirus SARS-Cov-2 wirksam verhindern konnten.

Sicher und günstig

Chloroquin ist vielleicht eines der am häufigsten verschriebenen Medikamente der Welt. Tatsächlich erhielten alle Europäer, die jahrzehntelang Malaria-endemische geografische Gebiete besuchten, eine Chloroquin-Prophylaxe und setzten diese nach ihrer Rückkehr zwei Monate lang fort.

Darüber hinaus nahmen die Einwohner in desen Malariagebieten kontinuierlich Chloroquin ein. Denn die Behandlung von Malaria basiert seit langem auf diesem Medikament. Darüber hinaus wird Hydroxychloroquin seit Jahrzehnten in viel höheren Dosen (bis zu 600 mg / Tag) zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma eingesetzt. Es ist schwierig, ein Medikament zu finden, das derzeit ein besser etabliertes Sicherheitsprofil als Chloroquin aufweist. Darüber hinaus sind die Kosten für das Medikament vernachlässigbar.

Daher wird die mögliche Verwendung von Chloroquin gegen das Coronavirus SARS-Cov-2 sowohl zur Vorbeugung als auch zur Heilbehandlung von Covid-19 intensiv analysiert. Wenn sich die klinischen Daten bestätigen könnten, dann hätte man eine einfache und günstige medikamentöse Behandlung gegen die teils tödliche infektiösen Atemwegserkrankung.

Chloroquin ist seit vielen Jahren am Markt

Chloroquin ist ein rezeptpflichtiges Medikament, das vor allem zur Therapie und Chemoprophylaxe der Malaria eingesetzt wird. Der Wirkstoff ist seit langem auch als Generikum verfügbar und mit Chinin sowie Hydroxychloroquin verwandt.

Chloroquin verwendet man darüber hinaus als Wirkstoff zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen wie Lupus erythematodes und der rheumatoiden Arthritis, der Porphyria cutanea tarda sowie bei der seltenen Form der extraintestinalen Amöbiasis.

Sicherheit, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Im Grunde genommen ist das Chloroquin ein relativ gut verträgliches Medikament. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Diese Nebenwirkungen können oft auftreten durch Einnahme von Chloroquin mit der Nahrung verringert werden. Der Wirkstoff kann bei einigen Menschen auch Juckreiz verursachen.

Wegen kleinerer Nebenwirkungen wie Übelkeit, gelegentlich Erbrechen oder Durchfall muss man normalerweise das Medikament nicht absetzen.


Literatur:

Colson P, Rolain JM, Raoult D. Chloroquine for the 2019 novel coronavirus SARS-CoV-2. Int J Antimicrob Agents. 2020;55(3):105923. doi:10.1016/j.ijantimicag.2020.105923


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