Medizin & Wissenschaft

Asiatische Tigermücke (aedes albopictus) in Mitteleuropa

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Die Entdeckung von Eiern, Larven und Puppen bestätigt, dass die asiatische Tigermücke (aedes albopictus) mittlerweile in unseren Breiten auch überwintert.

Die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist eine invasive Mückenart aus den Tropen und Subtropen, die mittlerweile auch nördlichere Gebiete in Europa bedroht. Aufgrund ihrer Aggressivität sowie ihrer großen Kapazität als Vektor (Überträger) für Krankheitserreger wie Dengue, Chikungunya, Gelbfieber und Zika-Viren gibt es große Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Gesundheit. Infolgedessen versuchen die zuständigen Behörden passende Pläne zu entwickeln, um die Bevölkerungsdichte der Tigermücke Aedes albopictus zu verringern, idealerweise unter schädliche und epidemiologische Schwellenwerte. Das ist gerade im städtisch Raum sehr schwer zu erreichen.

Als die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) auch in Mitteleuropa zu überwintern begann

Vor etwa fünf Jahren, Mitte Juli 2015, berichteten Wissenschaftler von Funden von Eiern, Larven, Puppen und ausgewachsenen Exemplaren der Asiatische Tigermücke.

Man konnte damals schon zeigen, dass die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus, synonym Stegomyia albopicta) in unseren Breiten überwinterte. Schon ein Jahr zuvor stellten die Experten im Herbst des Jahres 2014 erstmalig fest, dass sich die invasive asiatische Tigermücke in unseren Breiten vermehrt.

Die Funde deuteten damals bereits darauf hin, dass die asiatische Tigermücke in unseren Breiten eine Überwinterung übersteht und sich ansiedeln will. Sie passte sich jedenfalls im letzten Jahrzehnt erfolgreich auch an kühlere Regionen an.

Milde Winter machen es möglich

Die Asiatische Tigermücke, die in Südeuropa schon weit verbreitet war, drängte zusehends nach Norden, obwohl ist eigentlich eine wärmeliebende Mücke. Obwohl seit einigen Jahren eine Einschleppung von Mückenexemplaren mit dem Fernverkehr aus Südeuropa in unsere Breiten beobachtet wird, gelang es der Mücke aufgrund mangelnder Kälteresistenz der Eier bislang noch nicht, hier zu überwintern und sich dauerhaft anzusiedeln.

Der außerordentlich milde Winter 2014/2015 hatte der Tigermücke offenbar das Überleben ermöglicht. Mehrere Nachweise von Eiern, Larven, Puppen und ausgewachsenen Mücken zeigten danach, dass es beispielsweise im Raum um Freiburg in Süddeutschland zu einer erneuten Reproduktion und Überwinterung kam.

Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreich gemeisterten Überwinterung ist mittlerweile außerordentlich hoch. Genetische Verwandtschaftsanalysen zwischen den Individuen, die in den letzten Jahren gesammelt wurden, brachten den endgültigen dafür.

Überträger von Krankheitserregern

Dies ist besonders wichtig angesichts der möglichen Rolle der Asiatischen Tigermücke als Überträger von Krankheitserregern. In Südeuropa war sie in den letzten Jahren für mehrere Ausbrüche und Fälle des Chikungunya- und des Dengue-Fiebers verantwortlich. Selbst bei einer Etablierung der Art ist das Risiko der Übertragung jedoch minimal, denn die Mücken sind nicht per se infiziert.

Um einen Krankheitserreger weiterzugeben, müssen die Weibchen zunächst selbst an einer infizierten Person Blut saugen und die Erreger aufnehmen. Solche Infektionsquellen sind selten und die Chancen des Erregers, in der Mücke zu überleben und beim nächsten Blutmahl wieder auf einen Menschen zu treffen, minimal. Die Wahrscheinlichkeiten erhöhen sich allerdings unter anderem mit der Populationsdichte der Mücken.

Strategien gegen die Gesundheitsgefährdung von Mensch und Tier

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse entwickeln Stechmückenexperten und Behördenvertreter adäquate Strategien. Und zwar vor allem um die Situation bezüglich einer Gesundheitsgefährdung von Mensch und Tier nicht aus den Augen zu verlieren. Dazu gehören auch mögliche Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen.

Im Grunde genommen regelt das Infektionsschutzgesetz nur die Verantwortlichkeiten und das Prozedere bei dem Auftreten von Krankheitsfällen, deren Erreger durch Stechmücken übertragen werden. Hingegen gibt es keine gesetzlichen Vorschriften, wie bei der reinen Einschleppung und Etablierung von exotischen Stechmücken zu verfahren ist.

Selbst wenn es sich um potenzielle Überträger von Krankheitserregern handelt. Im Frühstadium der Invasion können Maßnahmen möglicherweise noch greifen und die Mücke eliminieren oder zumindest unter Kontrolle halten.

Zu den wichtigsten Maßnahmen einer Strategie gegen die asiatische Tigermücke (aedes albopictus) gehört anfangs die Risikobewertung für die öffentliche Gesundheit. Das lokale Epidemierisiko in einer Region hängt hauptsächlich von der Bevölkerungsdichte der Mücken und der Anzahl der importierten Fälle beim Menschen ab.

Wichtige Maßnahmen

Wichtig ist dann weiter die versuchte Kontrolle der Ausbreitung durch sogenannte Ovitraps, Eierfallen. Der englische Begriff Ovitrap beschreibt Behälter mit Wasser und einem Substrat, auf dem die Mücken ihre Eier legen können.

Die Eier fallen dabei durch eins Netz ins Wasser, wo die Larven schlüpfen und sich zu Puppen entwickeln und nicht überleben.

Wichtig sind auch permanente Standardkontrollmaßnahmen in öffentlichen und privaten Bereichen sowie die Beteiligung der Gesellschaft.

Weiter zählen dazu so genannte Tür-zu-Tür-Maßnahmen in privaten Haushalten und Häusern, bei den die Bewohner im Kampf gegen Mückenansammlungen unterstützt werden.

Gleichzeitig müssen auch angemessene Notfallkontrollmaßnahmen gegen eingeschleppte Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Importfälle erfolgen.

Schließlich sind auch die Qualitätskontrolle der Wirksamkeit der Maßnahmen sowie Prävention von Insektizidresistenzen wichtig.


Literatur:

Bellini R, Michaelakis A, Petrić D, et al. Practical management plan for invasive mosquito species in Europe. I. Asian tiger mosquito (Aedes albopictus) [published online ahead of print, 2020 Apr 23]. Travel Med Infect Dis. 2020;101691. doi:10.1016/j.tmaid.2020.101691


Quellen:

Friedrich-Loeffler-Institut: http://www.fli.bund.de

Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. Müncheberg –http://www.zalf.de


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