Medizin & Wissenschaft

Kalkschulter mit Ultraschall behandeln – extrakorporale Stoßwellentherapie

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Bei Kalkansammlungen in einer Sehne in der Schulter kann man mittels Stoßwellentherapie effektiv diese sogenannte Kalkschulter mit Ultraschall behandeln.

Die Kalkschulter kann der Grund dafür sein, dass die Schulter in der Nacht schmerzt. Die Schmerzen halten dann vom Schlafen ab, Alltagstätigkeiten wie Haare kämmen scheinen nahezu unmöglich zu sein. Der Ultraschall kann aber auch bei der Diagnose sehr hilfreich sein. Mittels Einsatz von Stoßwellen können Experten erfolgsversprechend die Kalkschulter mit Ultraschall behandeln. Diese Therapie nennt man auch extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT). Wobei der Ultraschall den Arzt aber auch bei der Diagnose der Kalkschulter unterstützen kann.

Kalkansammlungen in der Schulter

Man spricht von der Kalkschulter, wenn sich Kalkansammlungen in einer Sehne in der Schulter gebildet haben. Wobei oft mechanische Faktoren sowie lokale Durchblutungs- oder Stoffwechselstörungen diese verursachen. Infolge verursachen Bewegungen über dem Kopf, nach hinten sowie zur Seite mit Belastung Schmerzen.

Wobei sich die Beschwerden durch die Kalkschulter sehr vielfältig darstellen können. Deswegen sprechen die Mediziner auch vom Chamäleon Kalkschulter. Jedenfalls können die Patienten wegen der starken Schmerzen ihre Arme oft kaum noch bewegen. Außerdem wird das Liegen auf der betroffenen Schulter zur Qual. Infolge kann es durch eine schonende Fehlhaltung sogar zur Versteifung der Schulter kommen.

Im Grunde genommen bekommen vor allem Menschen zwischen 35 und 50 Jahren, und hiervon zwei Drittel Frauen, eine Kalkschulter. Die Kalkansammlungen werden meistens erst recht spät entdeckt, denn solange die Ablagerungen klein sind, verursachen sie keine Symptome. Im Grunde genommen gehen die Experten davon aus, dass ein nicht symptomatischer Kalkherd mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 40 Prozent zukünftig Beschwerden verursacht.

Wenn ein Verdachtsdiagnose aufgrund des Beschwerdebildes und der Bewegungseinschränkung besteht, so kann der Arzt mit Hilfe des Ultraschallverfahrens und einer Röntgenuntersuchung hier die Diagnose bestätigen. Die Kombination der beiden Verfahren ist im Vergleich zur Kernspintomographie von hoher Treffsicherheit, schnell und kostengünstiger.

Maßnahmen bei Kalkschulter

Jedenfalls ist noch nicht endgültig geklärt, warum sich die Kalkansammlungen bilden. Eine Ursache könnte eine Mangeldurchblutung und damit ein Sauerstoffmangel in den Schultersehnen sein. Deshalb gehört zu den ersten therapeutischen Maßnahmen die Aktivierung des Stoffwechsels und somit auch der Durchblutung durch gezielte Bewegung. Hierzu gibt es spezielle Dehnübungen, die dabei helfen, den Schmerz zu lindern. Bei Bedarf verordnet der Arzt zudem noch Medikamente gegen Schmerzen oder Entzündungen. Damit will er die betroffenen Patienten entlasten, um Alltag und Beruf kurzfristig meistern zu können. Manchmal setzen auch Physiotherapeuten therapeutischen Ultraschall unterstützend zur Schmerzbehandlung ein.

Solange die Beschwerden nicht zu heftig sind, kann man auf einen meist gutartigen Spontanverlauf hoffen. Denn oft lösen sich die Verkalkungen im Laufe der Zeit wieder von allein auf. Allerdings das kann mehrere Monate lang dauern und mit starken Schmerzen verbunden sein.

Bei großen Kalkansammlungen kann manchmal auch eine Operation Sinn machen. Eine schonende Alternative dazu kann jedoch die Stoßwellentherapie sein. Der Nutzen der Behandlung in Bezug auf eine Besserung der Symptome und Verkleinerung der Kalkdepots ist inzwischen in vielen Studien nachgewiesen. Dabei setzen Ärzte das Ultraschallverfahren nicht nur zur Diagnose, sondern auch zur präziseren Behandlung ein.

Statt mit einer Operation die Kalkschulter mit Ultraschall behandeln

Bei großen Kalkansammlungen kann manchmal auch eine Operation Sinn machen. Jedoch kann ein Experte sehr wohl auch die Kalkschulter mit Ultraschall behandeln. Dabei setzen Ärzte das Ultraschallverfahren nicht nur zur Diagnose, sondern auch zur präziseren Behandlung ein. Der Nutzen dieser Stoßwellentherapie in Bezug auf eine Besserung der Symptome und Verkleinerung der Kalkdepots ist inzwischen in vielen Studien nachgewiesen.

Unter dem Strich ist die sogenannte extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) eine schonende Alternative. Dabei richtet der Spezialist mit einem Ultraschallgerät gezielt energiereiche Stoß- oder Druckwellen auf die betroffene Schulter.

Extrakorporale Stoßwellentherapie

Bei der fokussierten extrakorporalen Stoßwellentherapie werden mit Hilfe der sogenannten Piezoelektrik außerhalb des Körpers Impulse erzeugt, die innerhalb des Körpers wirksam werden. Bei dieser Therapie der Kalkschulter richtet der Arzt fokussierte Stoßwellen gezielt auf das Kalkdepot in der Schultersehne. Dieser Fokus lässt sich berechnen und das Gerät je nach Position des Kalkdepots adaptieren. Die Stoßwellenwirkung kann dann exakt auf die gewünschte Zone ausrichtet werden. Das Gewebe um die Kalkansammlung – also die Haut, die Muskulatur und das Bindewebe – wird somit nicht beeinträchtigt.

„Oft wird angenommen, die Stoßwellen würden das Kalkdepot zerstören. Dies ist aber nicht richtig – vielmehr bewirkt der Druckimpuls die Induktion zellulärer Reaktionen“, erklärt Dr. Rainer Berthold, einer der stellvertretenden DEGUM-Sektionsleiter Chirurgie. „Die vermehrte Durchblutung mit Gefäßneubildungen im betroffenen Areal führt danach zur Auflösung der Kalkdepots.“

„Ein bis drei Behandlungen, die jeweils etwa zehn Minuten dauern, reichen bei der fokussierten Stoßwelle meistens aus“, versichert Dr. Berthold. „Die Nebenwirkungen sind gering, die Patienten werden durch dieses schonende Verfahren häufig wieder schmerzfrei und in der Schulter beweglich. Die Krankheitsdauer wird verkürzt und eine Operation in der Regel vermeidbar. Die extrakorporale Stoßwellentherapie lässt sich mit vorheriger Lokalisierung des Kalkdepots mittels Sonografie nach meiner Erfahrung exakter durchführen.“

Alternativ gibt es die kostengünstigere radiale Stoßwellentherapie. Sie arbeitet meist mit Druckluft. Durch den Aufschlag eines Projektils auf einen Applikator werden hier die nicht fokussierten Druckwellen erzeugt. Allerdings ist die Effektivität dieses niederenergetischen Verfahrens geringer. Deswegen ist die Anzahl der notwendigen Behandlungen damit meist höher.

Literatur:

F. Dehlinger, T. Ambacher. Die Kalkschulter. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date. 2014; 439–458

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)


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