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Borreliose nach Insektenstich oder Zeckenbiss wird oft übersehen

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Die bakterielle Borreliose nach Insektenstich oder Zeckenbiss entwickelt anfangs oft harmlos anmutende Hautausschläge und wird deswegen nicht erkannt.

Zecken lauern im Gras, auf Sträuchern und im Gestrüpp und warten auf ihre Opfer bis zu einem Meter über dem Boden. Sie befallen Vögel und andere Wildtiere sowie Haustiere und schließlich auch Menschen. Bei Menschen kann nach einem Zeckenbiss, aber auch einem Insektenstich, nicht nur eine Meningitis (Frühsommer-Meningoenzephalitis, FSME), sondern auch eine andere gefährliche Infektionen, wie die Borreliose, auftreten. Die Behandlung besteht dann in der Regel aus einer mehrwöchigen beziehungsweise anfangs empfohlen dreiwöchigen Antibiotika-Gabe. Da allerdings keine Schmerzen und keine anderen Hautbeschwerden wie Juckreiz auftreten, erkennen die Betroffenen oft nicht diese Borreliose-Gefahr nach dem Zeckenbiss oder Insektenstich. Dabei wäre gerade im frühen Stadium die sofortige Behandlung mit Antibiotika sehr wirkungsvoll. Die Hautsymptome gehen auch ohne antibiotische Behandlung wieder weg, die Borrelien-Bakterien aber verursachen im Ernstfall weitere Symptome.

Bakterielle Infektionskrankheit Borreliose

Die Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi hervorgerufen und ist weit verbreitet. Die Übertragung der Borreliose erfolgt häufig durch bakterienhaltigen Speichel von Zecken oder anderen Insekten, der durch den Zeckenbiss oder den Insektenstich in die Wunde gelangt. Zuerst macht sich die Infektion als Hautrötung bemerkbar.

Meist vergehen allerdings nach dem Zeckenstich oder dem Insektenstich 5 bis 30 Tage, bis der charakteristische Hautausschlag einer Borreliose-Infektion auftritt. Es präsentiert sich eine scharfe Begrenzung der hautrötung und erinnert in Folge an eine bräunliche Schießscheibe mit hellen und dunklen Ringen.

Die Stadien einer Borreliose-Infektion

Eine Borreliose-Infektion wird je nach Erscheinungsbild in drei Stadien eingeteilt. Wobei diese Einteilung nicht bei allen Patienten anwendbar ist, da atypische Verläufe sehr häufig vorkommen. Im Grunde genommen ist die Unterstützung des Labors – hauptsächlich durch die Serologie – für die Diagnose von wesentlicher Bedeutung, außer bei typischen Erythema migrans.

Für eine zuverlässige Diagnose muss eine einzelne Hautläsion allerdings einen Durchmesser von ≥ 5 cm erreichen.

Eine Hautläsion <5 cm ist nur dann für die Diagnose geeignet,

  • wenn sie sich an der Stelle eines Zeckenstichs entwickelt,
  • sofern der Beginn ein freies Zeitintervall von mindestens 2 Tagen hat und
  • wenn sich die Läsion vergrößert.

Für Stadium I ist somit das Erythema migrans charakteristisch. Es entsteht dabei ein hellroter, rundlicher Fleck rund um die Einstichstelle, der innerhalb weniger Tage bis zu drei Wochen nach dem Zeckenbiss auftritt. Häufig ist eine Abblassung oder bläuliche Verfärbung in der Mitte zu erkennen.

Bei einer multiplen Erythema migrans müssen übrigens zwei oder mehr Hautläsionen bestehen, von denen eine die oben beschriebenen Größenkriterien erfüllen muss.

Die Erythema migrans breitet sich langsam und kreisförmig um den Zeckbiss oder Insektenstich aus und wird daher auch als Wanderröte bezeichnet. Zusätzlich leiden manche Patienten an grippeähnlichen Symptomen. Dementsprechend sind Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Fieber typische Symptome.

Im Stadium II kommt es zur Ausbreitung der Infektion im Körper entlang der Blut- und Lymphgefäße. Verschiedene Organe wie das Nervensystem, der Bewegungsapparat und das Herz können befallen werden.

Stadium III tritt erst Monate, manchmal auch Jahre, nach der Erstinfektion auf. Symptome sind Gelenkentzündungen (Arthritis) und chronische Hautschäden wie Verfärbungen und Gewebsverlust. Selten treten auch Schädigungen am Nervensystem auf. Betroffene leiden dann an unterschiedlicher Symptomatik wie Konzentrationsstörungen, Depressionen, Nervenausfällen und Lähmungen.

Antibiotika zur Behandlung der Borreliose

Eine Antibiotika-Therapie sollte nach klinischer Diagnose Borreliose so rasch wie möglich erfolgen, um die weitere Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern und die Bakterien aus dem Organismus zu eliminieren. Die Dauer der Antibiotika-Therapie hängt vom Stadium der Erkrankung ab, beträgt aber meist zwei bis vier Wochen.

Die meisten Patienten erholen sich ereignislos. Es gibt übrigens laut einer rezente Oxford-Publikation keine überzeugenden Beweise für eine Antibiotika-Behandlung, die länger als 4 Wochen dauert. Zudem gibt es gibt zuverlässigen Beweise für das Überleben von Borrelien bei angemessen behandelten Patienten. Zahlreiche wissenschaftlich fragwürdige Veröffentlichungen haben hierzu in den letzten Jahren sowohl Ärzte und als auch Laien verwirrt.

Da durch die Antibiotika-Therapie bekanntlich nicht nur die bösen krankheitserregenden, sondern auch die guten Bakterien abgetötet werden, sollte man übrigens darauf achten, danach sowohl die Darm- als auch die Scheidenflora zu sanieren.

Impfstoff

Seit der Entdeckung des Krankheitserregers Borrelia burgdorferi sind fast vier Jahrzehnte vergangen. Obwohl es eine Fülle von Kenntnissen über den Infektionserreger und Tausende von wissenschaftlichen Veröffentlichungen gibt, wurde noch kein wirksamer Weg zur Bekämpfung und Vorbeugung der Borreliose gefunden. Es gibt keinen Impfstoff für Menschen, wenngleich aktuell neue vielversprechende Impfstoffkandidaten und Impfstoffstrategien gegen Lyme-Borreliose in der klinischen Entwicklung sind.


Literatur:

Strnad M, Grubhoffer L, Rego ROM. Novel targets and strategies to combat borreliosis. Appl Microbiol Biotechnol. 2020;104(5):1915-1925. doi:10.1007/s00253-020-10375-8

Stanek G, Strle F. Lyme borreliosis-from tick bite to diagnosis and treatment. FEMS Microbiol Rev. 2018;42(3):233-258. doi:10.1093/femsre/fux047

Stanek G, Strle F. Lyme borreliosis. Lancet. 2003;362(9396):1639-1647. doi:10.1016/S0140-6736(03)14798-8

Mullegger RR. Dermatological manifestations of Lyme borreliosis. Eur J Dermatol. 2004;14(5):296-309.


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