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Freibadbesuch: Die richtigen Maßnahmen bei Insektengiftallergie

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Bei Insektengiftallergie kann nach einem Bienen- oder Wespenstich eine bedrohliche allergische Reaktion auftreten, dann sind rasche Maßnahmen notwendig.

Die Anaphylaxie ist eine lebensbedrohliche allergische Erkrankung mit einer beträchtlichen Morbidität und Sterblichkeit. Die drei häufigsten Auslöser für Anaphylaxie sind Nahrung, Medikamente und Insekten. Wobei von den 3 nur die Insektenallergie mit anderen Mitteln als der Vermeidung von Auslösern behandelbar ist. Es ist es wichtig, dass Gesundheitsdienstleister und die Öffentlichkeit die richtige Diagnose, wichtige Maßnahmen sowie die langfristige Behandlung der potenziell lebensbedrohlichen Insektengiftallergie verstehen. Im Gegensatz zu Nahrungsmittel- und Medikamentenallergien, die in erster Linie durch Allergenvermeidung behandelt werden, wird die Insektengiftallergie prospektiv mit einer Giftimmuntherapie behandelt. Die Impfung bietet einen Schutz  von bis zu 98%.

Jedenfalls sind Insekten der Ordnung Hymenoptera – die umfassen Bienen, Wespen, Hornissen, Gelbwesten und Ameisen – für die Mehrzahl der tödlichen und fast tödlichen Stichereignisse verantwortlich. Das Verständnis der Biologie und des Lebensraums der verschiedenen Hymenoptera-Arten ist hilfreich, um Strategien zur Insektenvermeidung zu empfehlen.

Die Diagnose einer Insektenallergie beruht auf einer systemischen allergischen Reaktion in der Anamnese mit entsprechenden Tests auf giftspezifisches Immunglobulin E. Wenn eine systemische Reaktion auf einen Insektenstich in der Anamnese und das Vorhandensein von giftspezifischem Immunglobulin E bestätigt wird, ist eine Immuntherapie mit Insektengift indiziert.

Das richtige und primäre Mittel zur Behandlung einer akuten Anaphylaxie ist sofortiges Adrenalin. Trotzdem deuten Studien darauf hin, dass Betroffene mit Insektengiftallergie diese wirksame medikamentöse Maßnahme zu wenig nutzen. Unter dem Strich ist aber die Immuntherapie eine krankheitsmodifizierende Therapie, die den Betroffenen den wirksamsten Schutz vor zukünftigen Stichreaktionen bietet.

Klären Sie Ihre Freunde und Bekannten über notwendige Maßnahmen beim Auftreten von ernsthaften Reaktionen ihrer Insektengiftallergie auf, lassen Sie sich impfen

Bei den aktuell hohen Temperaturen ist in den Freibädern wieder richtig viel los. Damit auch Insektengift-Allergiker das Baden im Freien genießen können, müssen sie Vorsichtsmaßnahmen treffen. Denn nach einem Bienen- oder Wespenstich kann es rasch zu einer mitunter bedrohlichen allergischen Reaktion kommen. Nachstehend finden sich nützliche Tipps für Menschen mit Insektenallergie und ihren Angehörigen, welche Maßnahmen im Ernstfall die richtigen sind.

Menschen, die bereits von einer Insektengiftallergie wissen, sollten Ihr Umfeld über die Allergie und notwendige Maßnahmen aufklären. So wissen Freunde und Angehörige, was im Notfall zu tun ist. Das ist wichtig, denn viele Menschen reagieren panisch, wenn Bienen oder Wespen herumschwirren. Doch das ist genau falsch, denn hektische Bewegungen machen die Insekten aggressiv. Alle Beteiligten sollten deshalb Ruhe bewahren und sich langsam bewegen.

Eine der wichtigsten Maßnahmen bei Insektengiftallergie ist die Allergie-Impfung. Sie bietet Allergikern wirkungsvollen Schutz vor einem potenziell lebensbedrohlichen allergischen Schock. Die sogenannte spezifische Immuntherapie (SIT) wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausdrücklich empfohlen und kann auch noch jetzt während der Saison gestartet werden.

Freibadbesuch: Tipps zu den richtigen Maßnahmen bei Insektengiftallergie

Das Handy und die Notfallmedikation griffbereit halten. Wenn im Fall eines Insektenstichs auffällige körperliche Reaktionen wie Kurzatmigkeit, Hautausschlag oder Übelkeit auf, so sollte umgehend der Notarzt gerufen werden. Es empfiehlt sich daher, das Handy mit sich zu führen. Allergiker sollten ihre Notfallmedikation (allem voran einen Adrenalin-Pen) stets dabei haben. Die richtige Anwendung des Adrenalin-Pens muss regelmäßig geübt werden.

Helle Kleidung. Natürlich möchten sich im Freibad viele Menschen auch sonnen. Doch wer auf Nummer sicher geht, zieht sich nach der Abkühlung klassische Sommerkleidung über. Und zwar sollte diese hell, leicht und eher eng anliegend sein. Bunte Farben ziehen die Insekten nämlich an und in weiten Kleidern verfangen sie sich leicht.

Auf Parfüm verzichten. Betroffene sollten keine Sonnencreme mit intensivem Parfüm oder anderen Duftstoffen benutzen. Gleiches gilt für Deodorants und Haarspray. Denn intensive Düfte wirken auf Insekten anziehend.

Problem barfuß laufen. Im Freibad läuft man gern barfuß über die Wiese bis zum Schwimmbecken. Besser ist es jedoch, Schuhe mit einer fest anliegenden Sohle zu tragen, da sich Bienen häufig in Bodennähe aufhalten, um Nektar zu sammeln. Wer aus Versehen auf eine Biene tritt, wird häufig auch gestochen. Denn das Insekt sticht, um sich zu verteidigen.

Trinken und Essen, Müll entsorgen

Wespen lieben zuckerhaltige Getränke und setzen sich gern in Trinkgläser oder an unverschlossene Flaschen. Versehentlich eine Wespe zu verschlucken, kann auch für Nicht-Allergiker sehr gefährlich werden. Ein Stich in den Mund oder in den Hals kann sogar lebensbedrohlich sein. Deshalb unbedingt beachten: Nicht aus geschlossenen Gefäßen trinken – beispielsweise aus Dosen oder Trinkflasche. Dort könnte irrtümlich ein Insekt gelandet sein.

Ähnliche Vorsicht ist bei einem kleinen Snack oder einem großen Picknick gefordert. Eine wichtige Maßnahme für Menschen mit Insektengiftallergie sowie deren Freunde und Angehörige ist es, Speisen und Getränke gut abzudecken. Man sollte jedenfalls beim Essen und Trinken immer genau hinschauen.

Wespen halten sich übrigens gerne in der Nähe von Mülleimern auf, da sie dort Nahrung im Überfluss finden. Deswegen ist Distanz zu Mülleimern im Freibad und das Meiden öffentlicher Mülltonnen ratsam. Unterwegs anfallenden Abfall entsorgt man besser zu Hause.

Infotipp: Stichalarm – die App für Insektengift-Allergiker

„Stichalarm“ ist ein äußerst wertvoller Service für Insektengift-Allergiker. Die multifunktionale Anwendung ist zum einen ein umfassendes Nachschlagewerk, das allgemeine Informationen zu den wichtigsten Allergie-auslösenden Insekten sowie zur Diagnose und Therapie einer Allergie bietet. Mithilfe eines interaktiven Fragebogens kann man innerhalb von Minuten feststellen, ob ein erhöhtes Risiko einer Insektengiftallergie vorliegt. Darüber hinaus findet man konkrete Tipps zur Vermeidung von Stichen sowie eine Anleitung für Erste-Hilfe-Maßnahmen. Über das integrierte Stichtagebuch können Insektenstiche und deren Nebenwirkungen aufgezeichnet und für ein persönliches Arztgespräch dokumentiert werden. Zum anderen haben die App-Nutzer nun immer für sie wichtige Services wie z.B. eine Facharztsuche auf ihrem Handy mit dabei. Die App wurde gemeinsam mit Allergologen entwickelt und steht für Android und iOS unter www.stichalarm.at zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Über die Initiative Insektengift-Allergie

Die Initiative Insektengiftallergie informiert Patienten, Angehörigen und Interessierte rund um Allergien über Maßnahmen bei Stichen von Wespen, Bienen, Hornissen und Hummeln. Unter dem Motto „Sicher durch den Sommer“ gibt es auf der Webseite www.initiative-insektengift.at umfassende Infos über Warnzeichen, Vorbeugung, Behandlung und richtiges Verhalten im Notfall sowie Tipps und Hilfestellung. Ziel der Initiative ist die Aufklärung der Bevölkerung über die Gefahren von Insektenstichen, die Auslöser sowie die Behandlung der daraus resultierenden Allergie.


Literatur:

Tracy JM. Insect allergy. Mt Sinai J Med. 2011 Sep-Oct;78(5):773-83. doi: 10.1002/msj.20286. PMID: 21913205.


Quelle: Tipps von Priv.-Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl vom Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien


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