Medizin & Wissenschaft

Dysphagie: Schluckstörungen verursachen  verschiedene Mangelerscheinungen

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Dysphagie sind Schluckstörungen, die Ursachen für Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel sein können. Das beeinträchtigt die Lebensqualität und Lebenserwartung.

Als Dysphagie bezeichnet man Schluckstörungen mit unterschiedlichen Ursachen, die man häufig unterschätzt. Allerdings können Schluckstörungen schwerwiegende Folgen haben, wenn man sie nicht behandelt.


Im Grunde genommen läuft das lebenswichtige Schlucken automatisch ab. Man muss sich darüber normalerweise keine Gedanken machen. Wenn jedoch der Bissen im Hals stecken bleibt oder Nahrung in die Lunge gelangt, besteht manchmal sogar Lebensgefahr. Harmlosere aber dennoch negative Auswirkungen sind Schmerzen, Mangelernährung sowie Flüssigkeitsmangel. Dabei ist es gerade bei älteren Betroffenen auch wichtig, dass das Pflegepersonal verschiedene Symptome früh genug wahrnimmt.

Welche Folgen die Dysphagie haben kann, wie sehr Schluckstörungen beinträchtigen können.

Schluckstörungen (Dysphagie) bedeuten eine Störung der Aufnahme und/oder Transportes der Nahrung von der Mundhöhle bis in den Magen.

Möglicherweise kann eine Aspiration vorliegen, d.h. das Eindringen von Nahrung, Flüssigkeit, Speichel oder Magensaft in die Luftwege unterhalb der Stimmlippen. Schluckstörungen führen zu Mangelernährung und Dehydration (Flüssigkeitsmangel) der Betroffenen. Die Lebensqualität und Lebenserwartung der Patienten sinkt.

Eine mögliche lebensgefährliche Folge einer Aspiration ist die Aspirationspneumonie. Diese Form der Lungenentzündung entsteht dadurch, dass aspiriertes Material Entzündungsreaktionen hervorrufen kann. Die Folge können schwere, lebensbedrohende Entzündungen der Lunge und der Bronchien sein.

Jedoch nicht nur für den Betroffenen hat die Schluckstörung erhebliche Auswirkungen. Durch die Häufigkeit dieser Beschwerden und ihrer Folgen entstehen auch Kosten für das Gesundheitssystem. Die kann man am besten durch frühzeitiges Erkennen und Behandeln verringern.

Häufigkeit der Schluckstörungen

Schluckstörungen können in jedem Lebensalter auftreten. Am häufigsten aber im Alter. In Akutspitälern leiden bis zu 15 Prozent der Patienten an Schluckstörungen. Hingegen ist der Prozentsatz in Pflegeheimen mit 50 bis 60 Prozent deutlich höher. Bei Menschen über 65 Jahren ist die Aspirationspneumonie die fünfthäufigste Todesursache, bei über 85- Jährigen sogar die dritthäufigste. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache einer Schluckstörung.


Aber auch bei den allerjüngsten, nämlich bei Frühchen und Neugeborenen mit schweren angeborenen Erkrankungen kann die Schluckstörung schon „in der Wiege“ liegen.

Ursachen von Schluckstörungen

Schluckstörungen können unterschiedlichste Ursachen haben. Daher ist ein multiprofessionelles Management unverzichtbar. Für Schluckstörungen, die sich im Bereich der Mundhöhle und des Rachens auswirken (sog. oropharyngeale Schluckstörungen“) kommen folgende Ursachen in Frage:

  • Strukturelle Veränderungen in Mundhöhle, Rachen oder Kehlkopf, wie zum Beispiel Geschwülste und die Folgen ihrer Therapie (Operation, Strahlentherapie), können die Schluckfunktion wesentlich beeinträchtigen.
  • Durch neurologische Erkrankungen wie nach einem Schlaganfall, bei Morbus Parkinson, nach Schädel-Hirn-Verletzungen oder bei Muskel- und Nervenerkrankungen, kann die Steuerung und der Ablauf des Schluckvorganges gestört sein.
  • Auch psychogene Faktoren, also nicht organisch bedingte Störungen, können eine Schluckstörung verursachen.

Was sind die Anzeichen für Schluckstörungen?

Direkte Hinweise auf Schluckstörungen treten bei der Nahrungsaufnahme auf. Das sind Husten beim und unmittelbar nach dem Schlucken sowie Schluckschwierigkeiten bei bestimmter Nahrung bis hin zum Steckenbleiben der Nahrung.

Auf eine Dysphagie können auch das Ausspucken von Speichel und Nahrung sowie das Aufstoßen hinweisen. Sogar eine länger dauernde Nahrungsaufnahme und Haltungsänderungen beim Essen sind zu beachten.

Indirekte Hinweise sind Gewichtsabnahme, häufiges unklares Fieber oder Husten, Verschleimung und Bronchitis, aber auch Stimm-, Sprach- und Sprechstörungen können Begleitsymptome darstellen.

Diagnose der Schluckstörungen

Der HNO-Facharzt / Phoniater leistet durch die flexible Endoskopie von Rachen und Kehlkopf sowie des Schluckaktes einen wesentlichen Beitrag im interdisziplinären Dysphagiemanagement-Team. Durch das mögliche Auftreten einer sog. „stillen“ Aspiration ohne Husten genügt die alleinige Schluckbeobachtung nicht, um eine Aspiration nachzuweisen oder auszuschließen.


In der ausführlichen schluckzentrierten Anamnese befragt der Arzt die Patienten unter anderem nach den genauen Beschwerden beim Schlucken. Wichtig sind auch die Essgewohnheiten, die aktuellen Erkrankungen sowie Vorerkrankungen. Auch Medikamente und Gewichtsverlauf sind wichtig. Daraus ergeben sich bestimmte wichtige Hinweise. Zudem sind zwei dynamische instrumentelle Untersuchungsverfahren für die Diagnostik unverzichtbar.

Das ist erstens die Videoendoskopie (FEES(ST) – fiberoptic endoscopic evaluation of swallowing (with sensory testing)). Dabei untersucht ein durch die Nase in den Rachen eingeführtes Endoskop den Kehlkopf und den Rachen. Und zwar in Ruhe und bei Stimmgebung sowie dem Sprechen. Zudem zeichnet das System die Untersuchung digital auf. Der Patient schluckt zudem Nahrung mit unterschiedlicher Konsistenz. Damit kann der Arzt die Rachen-Phase des Schluckaktes ganz genau analysieren.

Zweitens ist das die Röntgen-Videokinematographie. Damit kann der Radiologen den gesamten Weg der Nahrung von der Mundhöhle in den Magen untersuchen. Die dynamische Untersuchung zeigt dabei nicht nur Passagehindernisse wie beispielsweise einen Tumor. Sondern der Arzt kann dadurch auch Funktionsstörungen diagnostizieren.

Dysphagie-Management: was man gegen Schluckstörungen unternehmen kann

In vielen Fällen, bei denen eine Beseitigung der Dysphagie-Ursache nicht möglich ist, kommt die funktionelle Dysphagie-Therapie zum Einsatz, die von LogopädInnen durchgeführt wird.

Diese Therapie erfolgt „maßgeschneidert“ an die jeweilige Schluckstörung. Daher ist eine exakte Diagnostik unabdingbare Voraussetzung.

Wesentlich für ein optimales Management des schluckgestörten Patienten ist der multiprofessionelle Zugang.



Literatur:

Nitschke J, Eichhorn J. Pflegerische Screeninginstrumente zur Identifikation einer Dysphagie bei neurologischen Patientinnen und Patienten. Eine Literaturübersicht. Pflege. 2019 Aug;32(4):201-207. doi: 10.1024/1012-5302/a000679. Epub 2019 Jun 3.


Quelle:

Statement » Schluckstörungen – Eine große Gefahr «. Ao. Univ.-Prof. Dr. Doris-Maria Denk-Linnert, Univ.-HNO-Klinik, Interimistische Leiterin Klinische Abteilung Phoniatrie-Logopädie, Medizinische Universität Wien. HNO 2017, 61. Jahreskongress der Österreichischen HNO-Gesellschaft.


Bildquellen & Copyright

Pixabaybild von Анастасия Гепп (nastya_gepp) 4392167


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