Politik & Wirtschaft

Kentucky verspricht allen Afroamerikanern eine Krankenversicherung

Lesezeit: 2 Minuten Quelle: CGM Media - 17. Juni 2020

Die Corona-Pandemie und die Massenproteste gegen Rassismus haben die Benachteiligung von Afroamerikanern in den USA wieder deutlich gemacht. Der Gouverneur von Kentucky will nun zumindest im Gesundheitswesen für mehr Gerechtigkeit sorgen: Er versprach allen Afroamerikanern in dm US-Staat eine Krankenversicherung.

"Die COVID-19-Epidemie hat die Ungleichheit unseres Gesundheitssystem bloß gelegt und die Folge dieser Ungleichheit ist der Tod."
Andrew Graham Beshear
Gouverneur von Kentucky (Demokratische Partei)

Der Schritt kam völlig unerwartet. Der Demokrat bedauerte, dass es erst einer Pandemie und Massenproteste gebraucht habe, um die Benachteiligung Schwarzer im Gesundheitssystem anzugehen. "Gesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht", sagte er.

Das Vorhaben sei eine "freudige Überraschung", sagt die Professorin Lovoria Williams, die an der Universität Kentucky zu Ungleichheit im Gesundheitswesen forscht. "So etwas hat es meines Wissens noch nicht gegeben."

29% der Schwarzen in dem kleinen US-Staat im Osten der USA leben unterhalb der Armutsgrenze - doppelt so viele wie in der weißen Bevölkerung. Auch der Gesundheitszustand der Afroamerikaner ist schlechter: Sie leiden häufiger unter Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wodurch sie besonders durch COVID-19 gefährdet sind. Obwohl nur 8% der 4,5 Millionen Einwohner Kentuckys schwarz sind, liege ihr Anteil an den Corona-Toten bei 16%, sagt Williams.

 

"Ich glaube, jetzt erleben wir den Höhepunkt der ganzen Jahre der Ungleichheit."
Lovoria Williams
Professorin an der Universität Kentucky

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis hatte eine Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA ausgelöst. Auch in Kentucky war im März eine Afroamerikanerin Opfer der Polizei geworden. Breonna Taylor wurde bei einem Einsatz in ihrer Wohnung in Louisville getötet. Das Risiko, von der Polizei getötet zu werden, ist nach Angaben des Forschungsprojekts Mapping Police Violence für Schwarze dreimal so hoch wie für Weiße.

Der Jurist Lawrence Gostin unterstützt die Initiative des Gouverneurs. Er bezweifle jedoch, dass der Vorstoß verfassungskonform sei, sagt der Leiter des O'Neill Instituts für nationales und weltweites Gesundheitsrecht. Er kenne kein Beispiel, wo Krankenversicherung von der Hautfarbe abhängig gemacht worden wäre, sagt Gostin und warnt vor einem "gefährlichen Präzedenzfall". In anderen Fällen könnten Sozialleistungen dann bevorzugt an "Weiße oder Anhänger einer bestimmten Religion" vergeben werden.

Durch die Gesundheitsreform des früheren US-Präsidenten Barack Obama verringerte sich der Anteil der Afroamerikaner in Kentucky ohne Krankenversicherung von 20 auf sechs Prozent. Viele haben nun über das staatliche Programm Medicaid für Geringverdiener Zugang zum Gesundheitssystem. Dass Medicaid generell für Schwarze ausgeweitet wird, ist unwahrscheinlich. Um sein Versprechen einzulösen, muss Kentucky vermutlich mit privaten Krankenversicherern zusammenarbeiten und die Rechnung aus eigener Tasche bezahlen.


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