Politik & Wirtschaft

Generationen-wechsel bei den Hausärzten

Lesezeit: 2 Minuten Quelle: CGM Media

Der bereits bestehende Ärztemangel wird sich aufgrund der bevorstehenden Pensionierungswelle der "Baby Boomer" in den kommenden Jahren dramatisch zuspitzen. Davor warnten am Mittwoch Gesundheitsexperten bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH) in Wien. Um einen Kollaps der Versorgung zu verhindern, müsste umgehend ein Bündel von Maßnahmen umgesetzt werden.

Schon heute sind laut Angaben der Österreichische Ärztekammer 68 Kassenstellen für Allgemeinmedizin nicht besetzt (Stand: viertes Quartal 2018). In den kommenden zehn Jahren werden rund 60 Prozent aller allgemeinmedizinischen Paragraf 2-Kassenärzte (GKK-Verträge und somit die "Hausärzte") das Pensionsalter erreichen. "Alleine um den Status quo zu halten, müssen in Österreich  zwischen 2020 und 2030 jährlich etwa 150 bis 200 Hausarztstellen nachbesetzt werden", erklärte bei der Tagung Martin Sprenger von der Public Health School an der MedUni Graz. Es zeige sich auch bereits, dass die neue Generation von Hausärzten ein neues Verständnis von Work-Life-Balance hat und vermehrt in Teilzeit arbeiten will. "Unter Einbeziehung aller Faktoren müssen wir sogar mit bis zu 400 Nachbesetzungen von allgemeinmedizinischen Kassenpraxen pro Jahr rechnen", so Sprenger.

"Die Pensionierungswelle der Babyboomer kommt nicht überraschend, die Geburtsdaten der Ärzte waren allen bekannt", betonte Sprenger. Die Verantwort-lichen in den Ministerien, Krankenkassen und den Ärztekammern hätten es bereits viel zu lange verabsäumt, wirksame Maßnahmen umzusetzen. Es sei höchst an der Zeit, gegenzusteuern. Die Handlungsfelder und notwendigen   Aktivitäten seien bereits gut erforscht und liegen auf dem Tisch. "Wir brauchen keine weiteren Expertenpapiere mehr, sondern Taten", sagte der Experte für  öffentliche Gesundheit (Public Health).

So sieht etwa der "Masterplan Allgemeinmedizin", der von der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) in Zusammenarbeit mit der Bundessektion Allgemeinmedizin der Österreichischen Ärztekammer, Universitäten und der Jungen Allgemeinmedizin Österreich (JAMÖ) erstellt wurde, ein Paket von Maßnahmen vor, das Abhilfe schaffen soll. Diese reichen von der Stärkung der Ausbildung an den Universitäten, über die Forderung nach mehr praktischer Erfahrung während des Studiums, die Zuerkennung des Facharztstatus für Allgemeinmedizin, Unterstützung bei der Gründung einer Hausarztpraxis und flexible Modelle für den Kassenvertrag. Darüber hinaus sollen Ärzte von administrativen Aufgaben entlastet werden und entsprechend honoriert werden. Das Angebot der Leistungen sollte auf internationalem Niveau und österreichweit einheitlich sein, für Ordinationen in schwierig zu besetzenden Regionen soll es extra Zuschläge geben.

"Nur wenn es uns gelingt, den Beruf des Hausarztes aufzuwerten und sein Image zu verbessern, wird der Beruf für junge Menschen interessant sein",    betonte Susanne Rabady, Vizepräsidentin der ÖGAM.

Grundsätzlich, so sind sich die Expertinnen und Experten einig, gibt es in Österreich genügend viele Ärzte und ausreichend Studienplätze. Rund 1.300 Personen schließen jährlich das Medizinstudium ab, doch immer weniger wollen Hausarzt werden. "Die Zahl derjenigen, welche die Prüfung zum Arzt für Allgemeinmedizin erfolgreich abschließen, sank in den letzten Jahren von fast tausend auf unter 400", erklärte Sprenger.

Für Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Leiterin des Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung an der MedUni Graz, beginnt das Problem bereits sehr früh: "Im gesamten Studium werden die angehenden   Ärzte für das Klinikleben sozialisiert. Es sollte von Anfang an praxisnäher sein und ein konkreteres Bild von der Allgemeinmedizin liefern."


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#165886998 | Urheber: Andrey Popov


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