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Traumanetzwerk: Höhere Überlebenschancen für Schwerstverletzte

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: CGM Media

Selten spielt der Faktor Zeit eine so große Rolle wie nach schweren Unfällen. Um Menschen mit mehrfachen und lebensbedrohlichen Verletzungen rascher versorgen zu können, haben sich 2014 in Salzburg acht Krankenhäuser zu einem Traumanetzwerk zusammengeschlossen. Die Überlebenschancen von Patienten konnten seitdem signifikant gesteigert werden. Nun soll das Modell österreichweit umgesetzt werden.

Etwa 500 Personen werden jedes Jahr im Bundesland Salzburg und in den angrenzenden Regionen in Oberösterreich, Tirol, der Steiermark und in Bayern bei Unfällen so schwer verletzt, dass sie im Schockraum eines der beteiligten Spitäler behandelt werden müssen. Knapp 60 Prozent dieser Patienten gelten nach dem internationalen Standard-Messwert ISS (Injury Severity Score) bei der Aufnahme als schwerst- bzw. lebensgefährlich verletzt.

Doch nicht jede unfallchirurgische Abteilung in den acht Krankenhäusern hat dieselbe Ausstattung und dasselbe Personal für die Versorgung. Das Netzwerk gewährleistet, dass ein Schwerverletzter auf schnellstem Weg in jenes Spital kommt, wo er am besten behandelt werden kann. Das ist genau festgelegt. Die Krankenhäuser werden dabei als lokale, regionale oder überregionale Traumazentren klassifiziert. Letztgenannte kümmern sich dabei um Menschen mit außergewöhnlich komplexen oder seltenen Verletzungsmustern.

"Wir waren in diesem Bereich österreichweit Vorreiter", sagte Andreas Hartmann, Unfallchirurg am Uniklinikum Salzburg und zugleich Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie.

Erst vor kurzem ist das Uniklinikum zum dritten Mal als überregionales Traumazentrum zertifiziert worden - ein Prozess, der alle paar Jahre stattfindet. Im Haus ist in den vergangenen Jahren die Sterblichkeit jener Patienten, die lebend das Krankenhaus erreichen, von 16,6 auf knapp unter zehn Prozent gesunken - ein Wert, der laut Klinik im gesamten deutschen Sprachraum im oberen Bereich angesiedelt ist.

Die Krankenhäuser im Netzwerk orientieren sich nach standardisierten Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, die etwa räumliche Vorgaben, Abläufe und Kommunikationswege betreffen. Wie wird ein Polytrauma in der Klinik angemeldet? Wie werden die Teammitglieder alarmiert. Wer holt die Bluttransfusionen der benötigten Blutgruppe? Wie groß muss der Schockraum sein? Sind Computertomographie (CT) und der Notfall-OP in der Nähe? Wichtig ist auch die enge Abstimmung mit den Blaulichtorganisationen wegen des Transports ins Krankenhaus. Hier spielen auch die Dichte an Rettungshubschraubern und der Ausbildungsstandard der Notärzte eine Rolle.

Überregionale Traumazentren müssen - als höchste Stufe im Netzwerk - etwa durchgehend zwei Plätze für Schockraum-Patienten vorhalten. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Dazu muss rund um die Uhr ein Team aus mindestens fünf Ärzten aus den verschiedensten Disziplinen auf Abruf stehen: etwa Unfallchirurgen, Neurochirurgen, Anästhesisten oder Radiologen. Dazu kommt eine Reihe spezialisierter Assistenten und Pflegekräfte.

Überregionale Traumazentren sind auch verpflichtet, schwerst- bzw. lebensgefährlich verletzte Patienten zu übernehmen, sofern andere Kliniken diese verlegen wollen. Wenn etwa in einem kleineren Spital eine adäquate Überwachung eines Patienten wegen drohender Komplikationen nicht möglich ist, kann das Krankenhaus den Verletzten auf direktem Weg nach Salzburg bringen - ohne lange Suche nach einem Bett.

"Zentral ist heute auch eine möglichst rasche Diagnostik. Schnelle Ganzkörper-CT liegen mittlerweile binnen einer Minute vor, aber sie kreieren tausende Bilder. Radiologe und Unfallchirurg müssen diese auswerten und versuchen, eine rasche Diagnose zu bekommen", erklärte Hartmann. Die Zeit von der Landung des Rettungshubschraubers bis zum Vorliegen einer vollständigen CT-Diagnose liegt aktuell bei 18 Minuten - 2014 waren es noch 32 Minuten. Zugleich sank die Verweildauer im Uniklinikum für die Patienten von 20,6 Tagen auf 16,9 Tage.

Das Traumanetzwerk Salzburg besteht aus den Krankenhäusern Zell am See, Mittersill, Tamsweg, Schladming (Steiermark), Braunau (OÖ) und Schwarzach, in der Stadt Salzburg nehmen das Universitätsklinikum und das UKH teil. Mittlerweile wurde auch für den Großraum Kärnten und Osttirol ein Traumanetzwerk etabliert. Der neue Österreichische Strukturplan Gesundheit (ÖSG) schreibt insgesamt acht solcher Netzwerke vor. Der Plan ist laut Hartmann ausverhandelt und liegt unterschriftsreif im Ministerium vor.


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