Medizin & Wissenschaft

Das Who is Who der COVID-19-Impfstoffe– ­alle Arten im Überblick

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: Praxiswelt

Für die aktive Immunisierung zur Vorbeugung der durch das SRS-CoV-2-Virus verursachten COVID-19-Erkrankung gibt es mittlerweile fünf zugelassene Impfstoffe:

 

  • BioNTech/Pfizer „Comirnaty“
  • Moderna „Spikevax“
  • AstraZeneca „Vaxzevria“
  • Janssen-Cilag International / Johnson & Johnson „Covid-19 Vaccine Janssen“
  • Novavax „Nuvaxovid“

Alle genannten Impfstoffe regen den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen Bestandteile des Coronavirus Sars-CoV-2 an, jedoch tun sie das auf unterschiedliche Weise. Welches Vakzin zu welcher Impfstoffgruppe gehört, wie sie hergestellt werden, funktionieren und für wen sie geeignet sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

 

Vektorimpfstoffe

(AstraZeneca „Vaxzevria“ und Janssen-Cilag International/Johnson & Johnson „Covid-19 Vaccine Janssen“)

Vektorimpfstoffe basieren auf modifizierten Viren, die sich im Körper vermehren können, ohne eine Erkrankung auszulösen, wie z. B. dem Adenovirus Serotyp 26. In diese Viren werden bei der Impfstoffherstellung die DNA-Teile des Sars-CoV-2 Virus eingeschleust, die den Bauplan für die Produktion des Spikeproteins enthalten. Das Spikeprotein bedeckt die Oberfläche des Sars-CoV-2 Virus wie Stacheln und ist für unser Immunsystem eindeutig erkennbar. Nach der Impfung docken diese Vektorviren an unsere Körperzellen an und übertragen den DNA-Bauplan an den Zellkern. Diese wird in mRNA umgeschrieben, die den Ribosomen außerhalb des Zellkerns den Bauplan für die Produktion der Spikeproteine liefert. Diese werden anschließend in der Zelle gebildet und zur Zelloberfläche transportiert. Dort aktivieren sie das Immunsystem und es werden Antikörper produziert. Wird die geimpfte Person mit dem Virus infiziert, erkennt die Immunabwehr ihn und macht ihn mit den Antikörpern unschädlich, sodass er sich nicht im Körper vermehren kann.

 

Empfehlungen der STIKO:

Der Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson war ursprünglich für eine einmalige Impfung ausgelegt. Durch die hohe Quote an Durchbruchsinfektionen empfiehlt die STIKO nun vier Wochen nach der Impfung mit Johnson&Johnson eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.

Der Impfstoff von AstraZeneca kommt in Deutschland aktuell nicht mehr zum Einsatz. Zugelassen ist er ab einem Alter von 18 Jahren, die STIKO empfahl den Einsatz zuletzt aber nur noch für Menschen über 60.

 

mRNA-Impfstoffe 

(BioNTech/Pfizer „Comirnaty“ und Moderna „Spikevax“)

Ähnlich wie bei den Vektorimpfstoffen wird auch bei RNA-Impfstoffen der Bauplan für das Spike-Protein in die Zelle eingeschleust. Während der Körper bei den Vektorimpfstoffen die mRNA selbst produziert, wird dieser Schritt bei den RNA-Impfstoffen übersprungen. Der Bauplan wird direkt in Form von mRNA in den Körper gebracht. Diese messenger RNA (mRNA) wird im Labor synthetisch hergestellt und mit einer Schutzhülle aus Lipid-Nanopartikeln versehen. Diese Fetthülle schützt die mRNA davor, abgebaut zu werden, bevor sie in die Körperzellen gelangt. Bei der Impfung nehmen die Zellen die mRNA auf und produzieren nach diesem Bauplan das Spikeprotein.

 

Empfehlungen der STIKO: Es sind zwei Impfungen im Abstand von drei bis sechs Wochen (BioNTech/Pfizer) beziehungsweise vier bis sechs Wochen (Moderna) nötig.

Gemäß der STIKO-Empfehlung ist der Impfstoff von BioNTech/Pfizer für alle Altersgruppen geeignet und findet vor allem auch für Impfungen bei Personen unter 30 Jahren Anwendung. Den Impfstoff gibt es in einer niedrigeren Dosierung (10 µg) für Kinder zwischen fünf und 12 Jahren. Für Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene ist er in der Dosierung 30 µg zugelassen.

Schwangere sollten unabhängig vom Alter laut der Empfehlung der STIKO nicht mit Moderna, sondern mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer geimpft werden.

 

Totimpfstoff bzw. proteinbasierter Impfstoff

(Novavax „Nuvaxovid“)

Totimpfstoffe basieren auf Krankheitserregern, die abgetötet wurden, damit sie im Körper nicht mehr vermehrungsfähig sind. Auch Impfstoffe, bei denen nur Teile oder einzelne Moleküle des Virus verwendet werden, zählen zu den Totimpfstoffen. Hier unterscheidet man – abhängig vom Grad der Aufreinigung ­– von Ganzvirus-, Spalt- oder Untereinheiten-Impfstoffen. Impfstoffe gegen Hepatitis A sind Ganzvirus-Impfstoffe, Influenza-Impfstoffe werden als Spalt- und Untereinheiten- (Subunit-) Impfstoffe hergestellt.

Bei dem COVID-19-Impfstoff von Novavax handelt es sich um einen Impfstoff auf Basis von Proteinen, der dem Totimpfstoff sehr ähnlich ist. Anders als bei den zuvor erläuterten Impfstoffen wird hier mit direkt mit gezüchteten Bestandteilen der Virusproteinhülle geimpft. Damit die Immunreaktion verstärkt wird, enthält der Impfstoff von Novavax ein Adjuvans, der die Wirkung verstärkt.

 

Empfehlungen der STIKO:

Bei Novavax sind ebenfalls zwei Impfungen notwendig, die im Abstand von mindestens drei Wochen erfolgen sollten. Der Impfstoff ist für die Grundimmunisierung von Personen ab 18 Jahren zugelassen. Bei Schwangeren und Stillenden sollte er laut STIKO jedoch nicht verwendet werden. Für Auffrischungsimpfungen kommt er nicht zum Einsatz.


Bildquellen & Copyright

AdobeStock_392345133


Cookie