Medizin & Wissenschaft
Wann eine pneumologische Mitbeurteilung bei COPD-Patienten sinnvoll ist
Lesezeit: 3 Minuten Quelle: sanofi-aventis GmbH
Patienten# mit COPD und wiederkehrenden Exazerbationen trotz maximaler inhalativer Therapiea benötigen eine therapeutische Anpassung. Erhöhte Bluteosinophile können auf eine Typ-2-Inflammation hinweisen1,2 und helfen, Patienten zu identifizieren, die von einer gezielten Biologika-Therapie profitieren könnten. Eine pneumologische Konsultation kann den Weg zu einer individualisierten Behandlung eröffnen.
Die Behandlung der COPD hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt und spiegelt sich auch in den neusten Leitlinien für COPD wider. Bereits ab ≥ 1 mittelschweren Exazerbation im Vorjahr (GOLD-Gruppe E) kann eine Eskalation auf inhalative Triple-Therapie sinnvoll sein. Zusätzlich rückt zunehmend die Identifikation behandelbarer Merkmale ("treatable traits") in den Fokus.2 Hierzu gehört auch die Typ-2-Inflammation, gekennzeichnet durch erhöhte Bluteosinophile, die bei einem Teil der Patienten mit COPD nachweisbar ist.1,2
Bluteosinophilwerte können bei der Therapieentscheidung unterstützen
Insbesondere Patienten, die trotz leitliniengerechter inhalativer Therapie weiterhin Exazerbationen erleiden3, sollte das mögliche Vorliegen einer Typ-2-Inflammation überprüft werden. Bluteosinophile können im Rahmen eines Differentialblutbildes erhoben werden, geben einen Hinweis auf den Entzündungstyp und unterstützen die weitere Therapieentscheidung.2,4 Da die Bluteosinophilenzahl jedoch durch den Einsatz von oralen (OCS) und inhalativen (ICS) Kortikosteroiden, sowie durch weitere Faktoren beeinflusst werden kann, ist sowohl eine historische Betrachtung als auch die regelmäßige Messung der Werte sinnvoll.
Empfehlung aus S2k-Leitlinie und GOLD-Report 2026
Sowohl die S2k-Leitlinie als auch der GOLD Report 2026 empfehlen, erhöhte Blut-Eosinophile in die therapeutische Entscheidungsfindung einzubeziehen.2,4 Die S2k-Leitlinie empfiehlt darüber hinaus vor Einleitung einer Biologikatherapie eine pneumologische Evaluation, um die Eignung für eine zielgerichtete Behandlung zu prüfen.4 Für geeignete Patienten mit Typ-2-Inflammation stehen inzwischen zielgerichtete Biologika zur Verfügung. So konnte Dupilumab in klinischen Studien die Häufigkeit von Exazerbationen signifikant reduzierenb,c, die Lungenfunktion verbessernd,e und darüber hinaus patientenrelevante Endpunkte wie die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessern.f,g,5,6
Wann ist eine Überweisung sinnvoll?
Treten unter der aktuellen Therapie weiterhin Exazerbationen auf, ist eine fachärztliche Mitbeurteilung nötig. Die pneumologische Untersuchung soll die Diagnose verifizieren, relevante Differenzialdiagnosen ausschließen und die entzündliche Krankheitsaktivität genauer charakterisieren. Außerdem kann dort die Indikation für eine weitere Therapie, wie zum Beispiel mit Biologika, geprüft werden.
Für Hausärzte bedeutet dies: Erleidet ein Patient trotz maximaler inhalativer Therapie weiterhin Exazerbationen, sollte eine fachärztliche Mitbeurteilung in Betracht gezogen werden.4 Um dem Pneumologen ein umfassendes klinisches Gesamtbild zu ermöglichen, ist die Dokumentation und Übermittlung bisheriger Befunde von hoher Wichtigkeit. Insbesondere die Exazerbationshistorie, historische Bluteosinophilen-Werte sowie ggf. unternommene Rauchentwöhnungsversuche sollten weitergeleitet werden. So könnte z.B. eine Typ-2-Inflammation frühzeitig erkannt werden, um Patienten eine zielgerichtete Therapie zu ermöglichen.
Abkürzungsverzeichnis:
CB = chronische Bronchitis; COPD = chronisch obstruktive Lungenerkrankung; EOS = eosinophile Granulozyten; FEV1 = Einsekundenkapazität; ICS = inhalative Kortikosteroide; KI = Konfidenzintervall; LABA = langwirksame Beta-2-Sympathomimetika; LAMA = langwirksame Muskarinantagonisten; LS = Methode der kleinsten Quadrate (least squares); SGRQ = St. George’s Respiratory Questionnaire.
Referenzen:
# Allein aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde auf die gleichzeitige Verwendung geschlechtsspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten aber selbstverständlich für alle Geschlechter.
a Kombinationstherapie aus LAMA/LABA/ICS oder, falls ICS nicht angebracht ist, eine Kombinationstherapie aus LAMA/LABA.
b In der 52. Woche der BOREAS-Studie kam es bei den Dupilumab-Patienten zu einer annualisierten Rate von 0,78 mittelschweren oder schweren Exazerbationenh und von 1,10 bei den Placebopatienten. Das Ratenverhältnis gegenüber Placebo betrug 0,70 (95 %-KI: 0,58–0,86; p < 0,001; primärer Endpunkt).5
c In der 52. Woche der NOTUS-Studie kam es bei den Dupilumab-Patienten zu einer annualisierten Rate von 0,86 mittelschweren oder schweren Exazerbationenh und von 1,30 bei den Placebopatienten. Das Ratenverhältnis gegenüber Placebo betrug 0,66 (95 %-KI: 0,54–0,82; p < 0,001; primärer Endpunkt).6
d Verbesserung der Lungenfunktion in Woche 12 der BOREAS-Studie um 160 ml vs. Baseline (LS-Mittelwert) und 83 ml vs. Placebo (LS-Mittelwertdifferenz) (p < 0,001; sekundärer Endpunkt); der Unterschied wurde bereits in Woche 2 beobachtet und hielt bis Woche 52 (83 ml LS-Mittelwertdifferenz; p < 0,001) an.5
e Verbesserung der Lungenfunktion in Woche 12 der NOTUS-Studie um 139 ml vs. Baseline (LS-Mittelwert) und 82 ml vs. Placebo (LS-Mittelwertdifferenz) (p < 0,001; sekundärer Endpunkt); der Unterschied wurde bereits in Woche 2 beobachtet und hielt bis Woche 52 (62 ml LS-Mittelwertdifferenz; p = 0,02) an.6
f 51,5 % der Dupilumab-Patienten erreichten in Woche 52 der BOREAS-Studie eine Verbesserung des SGRQ-Gesamtscores um ≥ 4 Punkte gegenüber 43,1 % der Placebopatienten (p = 0,009; sekundärer Endpunkt) bei einer durchschnittlichen Verbesserung vs. Baseline von 9,7 Punkten unter Dupilumab und 6,4 Punkten unter Placebo (LS-Mittelwertdifferenz: –3,4; 95 %-KI: –5,5 bis –1,3; p = 0,002; sekundärer Endpunkt).5
g 51,4 % der Dupilumab-Patienten erreichten in Woche 52 der NOTUS-Studie eine Verbesserung des SGRQ-Gesamtscores um ≥ 4 Punkte gegenüber 46,5 % der Placebopatienten (sekundärer Endpunkt) bei einer durchschnittlichen Verbesserung vs. Baseline von 9,7 Punkten unter Dupilumab und 6,4 Punkten unter Placebo (LS-Mittelwertdifferenz: –3,4; 95 %-KI: –5,8 bis –0,9; sekundärer Endpunkt). Für den Endpunkt Lebensqualität (SGRQ) erfolgte keine statistische Testung, da die Testhierarchie zuvor abgebrochen wurde.6
h Mittelschwere Exazerbationen wurden definiert als Exazerbationen, die zu einer Behandlung mit systemischen Kortikosteroiden, einem Antibiotikum oder beidem führten. Schwere Exazerbationen wurden definiert als Exazerbationen, die zu einem Krankenhausaufenthalt, dem Aufsuchen der Notaufnahme für mindestens 24 h oder zum Tod führten.5,6
1. Rabe KF et al. Am J Respir Crit Care Med 2023; 208(4): 395–405
2. GOLD. Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease 2026. https://goldcopd.org/wp-content/uploads/2026/01/GOLD-REPORT-2026-v1.3-8Dec2025_WMV2.pdf (letzter Zugriff: August 2026)
3. Halpin DMG et al. Eur Respir J 2020; 55(5): 1901921
4. S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie der COPD 2026. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-006 (letzter Zugriff: August 2026)
5. Bhatt SP et al. N Engl J Med 2023; 389(3): 205–214; inkl. Supplement
6. Bhatt SP et al. N Engl J Med 2024; 390(24): 2274–2283; inkl. Supplement.
