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Long Covid bei Kindern: große Studie zu Dauer und Symptome

Lesezeit: 3 Minuten Quelle: MEDMIX Online

Long Covid bei Kindern war in einer großen Studie selten und hauptsächlich von kurzer Dauer, bei den meisten Kindern klangen die Symptome innerhalb von 1–5 Monaten ab.

Unter dem Strich häufen sich die Berichte über Long Covid bei Erwachsenen. Allerdings haben nur wenige Studien Long Covid bei Kindern, Symptome sowie Dauer bewertet. Zudem hatten bislang dementsprechende Studien zur langfristigen Genesung von COVID-19 bei Kindern eine kleine Stichprobengröße. (Mittlere Anzahl der eingeschlossenen Kinder 330, meistens fehlte eine Kontrollgruppe.) Das Ziel einer aktuellen großen dänischen Studie war es nun, die Symptome und die Dauer von Long Covid bei Kindern in einer großen Kohortenstudie mit Kontrollgruppe zu analysieren.

Dänische Studie analysiert Symptome und Dauer von Long Covid bei Kindern

In der zitierten großen dänischen Studie haben 0,8 % der SARS-CoV-2-positiven Kinder über Long Covid-Symptome mit einer Dauer von mehr als 4 Wochen berichtetet. Dabei traten als häufigste Long Covid-Symptome Müdigkeit, Geruchs- und Geschmacksverlust, Schwindel, Muskelschwäche, Brustschmerzen sowie Atemprobleme auf. Mit anderen Worten sind das jene Beschwerden, die man nicht auf psychische Folgen sozialer Einschränkungen zurückführen kann. Anders ist das bei Symptomen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Übelkeit, die man eben nicht als Long Covid-Symptome berücksichtigt. Denn diese Beschwerden traten häufiger in der Kontrollgruppe auf. In den meisten Fällen klangen jedenfalls die Long Covid-Symptome bei Kindern innerhalb von 1 bis 5 Monaten ab.

Studiendetails

Die bundesweite dänische Studie zu Long Covid bei Kindern schloss 37.522 Kinder im Alter von 0–17 Jahren mit RT-PCR bestätigter SARS-CoV-2-Infektion (Ansprechrate 44,9 %) sowie 78.037 Kinder in einer Kontrollgruppe (Ansprechrate 21,3 %) ein. Dazu haben die Wissenschaftler einen elektronischen Fragebogen an alle Kinder versandt. Und zwar vom 24. März bis zum 9. Mai 2021.

Bestimmte Symptome, die länger als 4 Wochen anhielten, traten sowohl bei SARS-CoV-2-Kindern als auch bei den Kindern der Kontrollgruppe häufig auf. Allerdings berichteten SARS-CoV-2-infizierte Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren häufiger über Symptome als die Kontrollgruppe. Der prozentuale Unterschied lag bei 0,8 %.

  • Die am häufigsten berichteten Symptome bei Vorschulkindern waren Ermüdungserscheinungen, Geruchsverlust, Geschmacksverlust sowie Muskelschwäche.
  • Bei Schulkindern waren die wichtigsten Symptome Geruchsverlust, Geschmacksverlust, Müdigkeit, Atemprobleme, Schwindel, Muskelschwäche sowie Brustschmerzen.
  • Kinder in der Kontrollgruppe hatten deutlich mehr Konzentrationsschwierigkeiten, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Husten, Übelkeit, Durchfall und Fieber.

Einschränkungen und Stärken

Diese Beobachtungsstudie weist einige Einschränkungen auf. Erstens wurde der Fragebogen nicht in einer größeren Pilotstudie validiert. Darüber hinaus stützen sich die Daten auf die retrospektiv von den Eltern oder selbst berichteten Symptomen der Teilnehmer mit einem Risiko bezüglich der Erinnerungslücken.

Zweitens könnten in der Kontrollgruppe auch Kinder eingeschlossen sein, die eine SARS-CoV-2-Infektion hatten, aber nicht getestet wurden. Dieses Risiko ist relativ groß, da Kinder bekanntlich häufig keine oder nur wenige Symptome bei COVID-19 haben.

Schließlich war drittens die Zahl der Kinder, die den Fragebogen beantworteten, bei SARS-CoV-2-positiven Kindern höher als in der Kontrollgruppe (44,9 % gegenüber 21,3 %).

Die Stärken dieser Studie liegen hingegen vor allem in der großen Stichprobengröße und dem Einschluss einer Kontrollgruppe.

Fazit

Long Covid bei Kindern ist selten und das Auftreten der Symptome ist hauptsächlich von kurzer Dauer. Dies steht im Gegensatz zu den Ergebnissen bei Erwachsenen. Denn diese zeigen, dass selbst bei nicht hospitalisierten Personen mit mildem Krankheitsverlauf es oft viele Monate dauern kann, bis die Symptome abklingen. Im Grunde genommen ist aber eine kontinuierliche Überwachung im Zusammenhang mit Long Covid erforderlich.


Literatur:

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